Demo statt Handbuch

Wolfgang Sommergut ist Betreiber der Online-Publikation WindowsPro.
Die Lektüre von Handbüchern oder FAQs gehört zu den allgemein ungeliebten Tätigkeiten. Eine didaktisch gelungene Demonstration kann besser ankommen, wenn es gilt, Mitarbeiter mit einer neuen Anwendung vertraut zu machen. Um eine solche praxisnahe Vorführung zu erstellen, existieren schon länger diverse Screen-Recorder. Neue Systeme wie "Camtasia Studio", "Capturepad" oder "Hypersnap" erzeugen standardmäßig Flash-Animationen, die sich auch über das Web publizieren lassen.

Während die führenden Lösungen mit mehreren hundert Euro zu Buche schlagen, gibt es eine passable Alternative für Windows auch als Open Source. "Demostudio" unterliegt der GNU Public Licence und bietet alle in dieser Kategorie wesentlichen Funktionen. Dazu zählt neben der Aufzeichnung der Bildschirmaktivitäten im AVI-Format auch der Tonmitschnitt von Eingaben über das Mikrofon und Ausgaben über die Lautsprecher. Auf diese Weise können Software-vorführungen durch Kommentare erläutert werden. Hinzu kommt die Möglichkeit, den Desktop mit Hilfe von Sprechblasen um zusätzliche Anmerkungen und Hinweise zu ergänzen. Bei der Aufnahme der Bildschirminhalte kann der Benutzer zwischen dem Vollbildmodus und frei definierbaren Ausschnitten wählen. Um eine Demonstration persönlicher zu gestalten, kann sich der Verfasser von einer Webcam während seines Vortrags filmen und so in die Präsentation einblenden lassen.

Demostudio wartet nicht mit der Funktionsfülle auf, die ein kommerzielles Produkt wie Camtasia bietet. So fehlt es ihm etwa an den ausgefeilten Schnittfunktionen, mit denen sich Aufzeichnungen nachbearbeiten lassen. Bei der Konvertierung der AVIs nach Flash erzeugt Demostudio gleich eine HTML-Seite, über die sich die Präsentation im Browser abrufen lässt. Allerdings trägt es dabei falsche Werte für die Abmessungen der Flash-Animation ein, so dass eine manuelle Nachbearbeitung der Seite notwendig ist.

CW-Fazit: Screen-Recorder werden in letzter Zeit wegen ihres Web-fähigen Ausgabeformats zunehmend populär. Sie eignen sich nicht nur für Trainingszwecke, sondern auch für das Marketing von Software. Außerdem erfreuen sie sich für publizistische Aufgaben zunehmender Beliebtheit, wie die große Nachfrage nach den Screencasts des "Infoworld"-Redakteurs Jon Udell zeigt. Demostudio bietet sich an, mit diesem Medium erste Erfahrungen zu sammeln.