WLAN als Festnetz-Ersatz

Dem Telefon geht's ans Kabel

30.05.2012 | von Michael Tennefoss
Bisher gab es noch immer Gründe, Festnetz-Telefone drahtlosen WLAN-Geräten vorzuziehen. Doch angesichts neuer Techniken und auf sie zugeschnittener Anwendungen wird es für sie eng.
Auch im Büro werden Telefonate häufig mit dem Smartphone geführt - private, aber auch geschäftliche Anrufe.
Auch im Büro werden Telefonate häufig mit dem Smartphone geführt - private, aber auch geschäftliche Anrufe.
Foto: Benicce - Fotolia.com

Jahrzehntelang war das Festnetz-Telefon eine Selbstverständlichkeit - zuerst analog, dann als Komfort-IP-Telefon mit integriertem Display. In einer Welt kabelloser, mobiler Endgeräte war das zwar ein Anachronismus, doch fehlte anfangs gleichwertiger drahtloser Ersatz. Die Festnetz-Anlage blieb daher, obwohl stationäre IP-Telefone teuer sind: Jedes Desktop-Gerät benötigt jeweils eine verkabelte Ethernet-Verbindung und belegt einen PoE (Power over Ethernet)-Port auf dem Switch, dieser wiederum braucht viel Strom und erzeugt Abwärme im Kabelschrank, die ohne sie weit kleiner ausfallen könnte.

Mit der zunehmenden Mobilität in Unternehmen änderten sich die Rahmenbedingungen: Die erste Mobilitätswelle bestand aus Laptops, und WLANs breiteten sich in Konferenzräumen aus. Ein Access Point (AP) ersetzte dabei mehrere Switch-Ports, was Kapital- und Wartungskosten sowie den CO2-Ausstoß senkte. Schnelle 802.11n-Netzwerke folgten und senkten die Kosten weiter. Mit "Fingerprinting", das Anwendungen anhand typischer Bit-Muster erkennt, bekam jede Applikation die für sie nötige Servicequalität. Nun ließen sich Regeln und individuelle Netzwerkadressen für jeden Anwender definieren. Es entstand ein sich dynamisch anpassendes WLAN für alle Nutzergruppen. Nur die stationären IP-Telefone blieben außen vor.

Das Smartphone auf dem Weg ins Unternehmensnetz

Nun aber gibt es auch für sie kabellosen Ersatz: Goldman Sachs prognostizierte schon 2010, dass IP-Telefone zunehmend durch drahtlose WLAN-Geräte abgelöst werden. Am ehesten dafür in Frage kommen Smartphones, nicht zuletzt wegen des aktuellen BYOD-Trends. Dank Gerätesubventionen der Provider haben die meisten Mitarbeiter bereits Smartphones, die sowohl privat als auch beruflich genutzt werden - Unternehmen müssen also kein Geld dafür ausgeben. Selbst bei Bezuschussung kosten Smartphones nur etwa ein Viertel eines IP-Telefons, brauchen keine dedizierten Ethernet-Verbindungen und telefonieren übers IP-WLAN, was die Betriebskosten senkt. Im Notfall steht das Mobilfunknetz aber noch immer als Backup zur Verfügung.

Durch die Entwicklung erster Dockingstationen für Smartphones wurde die Funktionalität mobiler Geräte zusätzlich erweitert. Ein Beispiel: iFusion von AltiGen eignet sich für das iPhone und demnächst auch für das iPad. In dem Gerät mit verkabeltem Hörer stecken ein Paar Lautsprecher, Akkuladegerät, Bluetooth-Audioschnittstelle und ein USB-Port für die Datensynchronisierung zu Mac oder PC - alles verfügbar durch einfaches Einsetzen des Smartphones in die Station.

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