Dem Itanium fehlt die kritische Masse

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Mit seinem 64-Bit-Prozessor Itanium kämpft Intel an zwei Fronten. Für den Massenmarkt ist die Architektur zu teuer; im Highend trifft der Chipkonzern auf die Platzhirsche IBM und Sun.

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  • warum sich der Itanium im Massenmarkt schwer tut;

  • welche Chancen der Intel-Chip gegen etablierte Risc-Prozessoren hat;

  • wie Anbieter in Deutschland die Marktakzeptanz einschätzen.

Hoffnungsträger: Der Itanium 2 erreicht im Vergleich zum Vorgänger bessere Leistungswerte.
Hoffnungsträger: Der Itanium 2 erreicht im Vergleich zum Vorgänger bessere Leistungswerte.

Der Monat Juni fing gut an für Intel. Hewlett-Packard (HP) präsentierte erste Itanium-basierende Modelle seiner "Superdome"- und "Nonstop"-Server. Mit dem "PA-8900" brachte der IT-Konzern zugleich den letzten Risc-Prozessor mit der hauseigenen "Precision Architecture" auf den Markt. Im Highend hat HP alle Weichen Richtung Itanium gestellt. Bisher verwendete Risc-Architekturen wie "Alpha" und "Mips" spielen in den Produktplänen keine Rolle mehr. Andere Hersteller folgen dem Beispiel. Auch SGI, NEC und Unisys migrieren Hochleistungs-Server auf Itanium-Technik.

Auf den ersten Blick scheint es, als habe sich das Blatt für Intels 64-Bit-Chip gewendet. Seit der Markteinführung im Jahr 2001 musste sich der Hersteller immer wieder Kritik gefallen lassen: unbefriedigende Leistungswerte, zu wenig verfügbare Programme und mehrfach revidierte Absatzprognosen nagten am Image des Flaggschiff-Produkts. Inzwischen ist die Zahl der für den Itanium ausgelegten Anwendungen nach Intel-Angaben auf zirka 2200 gestiegen. Von den Leistungsmessungen der aktuellen Itanium-Versionen zeigen sich auch eingefleischte Kritiker überzeugt.

Schwache Nachfrage

Doch bei näherem Hinsehen offenbart sich, dass die Marktakzeptanz nach wie vor schwach ist. In Deutschland liegt der Anteil der Unternehmen, die Itanium-Rechner nutzen, im niedrigen einstelligen Prozentbereich, schätzt Techconsult-Analystin Verona Bunk. Besonders schwer tut sich der Itanium im Massenmarkt, wo 32-Bit-Server die meisten Kundenwünsche abdecken. Dell beispielsweise offeriert mit dem Vier-Wege-Server "7250" nur noch ein einziges Itanium-Modell. Den Zwei-Wege-Server "3250" habe man im Februar aus dem Programm genommen, berichtet Peter Dümig, Produkt-Manager bei der deutschen Tochter des PC-Direktvertreibers. Im September 2004 brachte Intel den Xeon-Prozessor mit 64-Bit-Erweiterungen ("EM64T") auf den Markt, begründet er die Entscheidung: "Danach ist die Nachfrage nach Itanium-Servern schlagartig eingebrochen." Den Rückgang führt er auf den großen Preisunterschied zu den Xeon-CPUs zurück. Mit anderen Worten: Der Itanium ist zu teuer. Ob Dell künftig noch Itanium-Server ins Sortiment nimmt, mochte Dümig nicht beantworten.

"Null Prozent Umsatzanteil"