Nach Ohrfeige von Greenpeace

Dell will sein Umweltimage aufbessern

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Dell will mit einer Initiative einen Beitrag zur verantwortungsvollen Entsorgung von Computergerätschaft leisten. Dabei soll verhindert werden, Elektronikschrott in Entwicklungsländern unerlaubt zu deponieren.

Dell will mit seiner Initiative einen Schritt weiter gehen, als in dem Basler Übereinkommen vom 22. März 1989 (der so genannten Basler Konvention) vereinbart wurde. Dieser Vereinbarung sind rund 170 Staaten beigetreten. Zu den Unterzeichnerstaaten, die das Abkommen nicht ratifiziert haben, gehören auch die Vereinigten Staaten von Amerika.

Elektronikschrott auf illegalen Deponien in Entwicklungsländern wie hier in Ghana vergiftet die Umwelt.
Elektronikschrott auf illegalen Deponien in Entwicklungsländern wie hier in Ghana vergiftet die Umwelt.
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In diesem Übereinkommen (Genaue Bezeichnung: Basel Convention on the Control of Transboundary Movements of Hazardous Wastes and Their Disposal) ist der Mülltourismus geregelt. Insbesondere sollen der grenzüberschreitende Transport gefährlicher Abfälle und deren Entsorgung kontrolliert und geregelt werden. Auf diese Weise wollen die Unterzeichnerstaaten ein umweltgerechtes Abfallmanagement umsetzen.

Unter anderem soll mit dieser Regelung der Export von Elektronikschrott untersagt werden. Dabei unterscheidet die Basler Konvention nach der Zusammensetzung des Materials oder der chemischen Zusammensetzung des Abfalls. Dell hat nun "die Definition von Elektronikschrott auf alle nicht funktionsfähigen Teile und Geräte ausgeweitet - unabhängig von der jeweiligen Materialzusammensetzung", erklärte Tod Arbogast, Director Sustainable Business bei Dell in einer Telefonkonferenz.

Durch die strikte Kontrolle und Zertifizierung der Funktionsfähigkeit hofft Dell verhindern zu können, dass Elektronikschrott in Entwicklungsländern auf wilden Deponien dümpelt und die Umwelt gefährdet.

Mit der neuen Initiative will Dell dem Export von Elektronikschrott einschließlich nicht funktionsfähiger Elektronikgeräte und -teile aus Ländern der OECD oder der EU in Entwicklungsländer einen Riegel vorschieben. Dies gilt sowohl für direkte Einfuhren als auch solche über Drittstaaten.

Materialien, die die Basler Konvention als ungefährlich eingestuft hat, gehören laut Dell-Definition nicht zu Elektronikschrott. Außerdem bezieht sie sich nicht auf Komponenten, die dem Hersteller im Rahmen der Garantie zurückgegeben werden, und auf Materialien, die in der Fertigung eingesetzt werden.

Ohrfeige von Greenpeace an Dell

Ganz von ungefähr kommt Dells neues Umweltbewusstsein allerdings nicht. Erst im März 2009 hatte die Öko-Organisation Greenpeace in seiner Rangliste der Umweltsünder die Großen der IT-Branche aufs Korn genommen. Zu den Unternehmen, die bei diesem "Guide to greener Electronics" mies abschnitten, zählten Nintendo, Hewlett-Packard (HP), Microsoft, Lenovo - und Dell. Während der Wert für Nintendo geradezu deprimierend schlecht ist, bewegen sich Dell, Lenovo, Microsoft und HP am unteren Ende der Skala, die von "besser" bis "schlecht" reicht. Öko-Primus ist demgegenüber Nokia. Ebenfalls mit mehr oder weniger Wohlwollen sieht Greenpeace die Umweltbemühungen von Samsung, Sony Ericsson, Philips, Sony, LG Electronics, Toshiba und Motorola. (jm)