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Dell will "schonungslos" Kosten sparen

04.05.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wegen des steigenden Kostendrucks im PC-Markt wird Dell möglicherweise zum zweiten Mal in der Firmengeschichte Entlassungen ankündigen, prognostizieren US-Analysten. Nur wenige Tage nach den positiven Berichten von Marktforschern, Dell habe den Erzrivalen Compaq im PC-Geschäft vom Thron gestoßen, sehen die PR-Verantwortlichen in Round Rock schon wieder dunkle Wolken aufziehen. Wegen des harten Preiskampfs sei der Hersteller gezwungen, zwischen 3000 und 5000 Mitarbeiter - rund acht Prozent der Belegschaft - zu entlassen, urteilen US-Analysten. Nerses Chopurian, Sprecher der Dell Computer GmbH in Langen, bezeichnete die Meldungen gegenüber der COMPUTERWOCHE als "Marktgerüchte", zu denen man weltweit nicht Stellung nehme. Auch zur künftigen Geschäftsentwicklung wollte sich Chopurian nicht äußern; er verwies auf die Schweigepflicht im Vorfeld der Bekanntgabe der

Quartalsergebnisse am 17. Mai.

Demgegenüber kündigte Dell-Manager Tom Meredith am Rande einer Analystenkonferenz in New York weitreichende Sparmaßnahmen an und schloss auch weitere Entlassungen nicht aus. Bei der Verbesserung der Kostenstrukturen werde Dell "schonungslos" vorgehen, sagte er Senior Vice President für den Bereich Business Development und Strategie.

Im Februar hatte der Herstellers erstmals seit dem Bestehen angekündigt, aus Kostengründen Stellen zu streichen. 1700 Arbeitsplätze fielen den Sparmaßnahmen zum Opfer. Kevin Rollins, Vice Chairman von Dell, hatte seinerzeit gegenüber der COMPUTERWOCHE erklärt, weitere Entlassungen werde es nicht geben. Wegen des zunehmenden Preiskampfs im PC-Sektor lässt sich dieses Versprechen aber womöglich nicht mehr halten.

"Dell sucht definitiv nach zusätzlichen Möglichkeiten, die Kosten zu senken", kommentierte etwa Merril-Lynch-Analyst Steven Fortuna die jüngsten Entwicklungen. In den vergangenen Monaten habe Dell mit deutlich niedrigeren Margen kalkuliert, um neue Kunden insbesondere im professionellen Umfeld zu gewinnen, so der Tenor der US-Analysten. Diesem aggressiven Streben nach Marktanteilen müsse der Hersteller nun Tribut zollen.