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Dell trumpft wieder einmal direkt auf

17.05.2002
Direktanbieter Dell legte trotz Branchenflaute beim Umsatz zu und gibt sich auch für das laufende Quartal optimistisch. In Deutschland lieferte das Unternehmen 19 Prozent mehr PCs aus.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der texanische PC-Konzern Dell hat mit seinem aktuellen Quartalsergebnis einmal mehr bewiesen, dass sein direktes Geschäftsmodell auch in Krisenzeiten funktioniert. In seiner gestern nach US-Börsenschluss veröffentlichten Bilanz zum ersten Vierteljahr seines Fiskaljahres weist das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 8,03 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf aktuell 8,07 Milliarden Dollar aus. Zuvor hatte Dell selbst für Umsatz und ausgelieferte Stückzahlen einen Rückgang zwischen drei und fünf Prozent prognostiziert.

"Ich glaube nicht, dass wir allgemein schon den Turnaround geschafft haben." Kevin Rollins, President und COO 
"Ich glaube nicht, dass wir allgemein schon den Turnaround geschafft haben." Kevin Rollins, President und COO 

Der Nettogewinn lag mit 457 Millionen Dollar oder 17 Cent pro Aktie zwar geringfügig unter den 462 Millionen Dollar oder ebenfalls 17 Cent je Anteilschein aus dem Berichtszeitraum des Vorjahres; allerdings übertraf der aktuelle Profit die Erwartungen der Wall Street, die laut First Call/Thomson Financials einen Cent niedriger lagen. President Kevin Rollins führte das unerwartet gute Abschneiden auf erfolgreiches Kosten-Management und gesteigerte Server-Marktanteile zurück. Einen generellen Trend mag er daraus aber noch nicht ableiten. "Ich glaube nicht, dass wir allgemein schon den Turnaround erreicht haben", warnte der COO (Chief Operating Officer).

Regional betrachtet lieferte Dell in den USA 17 Prozent, im asiatisch-pazifischen Raum acht Prozent und der EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) fünf Prozent mehr Rechner aus. Besonders stolz ist der Hersteller auf das Abschneiden im deutschen Markt, wo er nach eigenen Angaben 19 Prozent mehr PCs an den Mann bringen konnte als vor Jahresfrist.

Für das laufende zweite Quartal erwartet das Unternehmen zunächst einmal einen Gewinn von 485 Millionen Dollar oder 18 Cent pro Aktie, das sind ein Cent mehr als die bisherige Schätzung der Finanzanalysten. Die Einnahmen sollen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar steigen; die Finanzwelt rechnete bis dato mit Einnahmen von acht Milliarden Dollar.

Dells Prognose fällt damit deutlich positiver aus als die eher düsteren Forecasts von Hewlett-Packard und IBM. Beide mussten wenigstens zehn Prozent Umsatzeinbruch ausweisen und erwarten, dass ihr Geschäft erst mit einer Erholung der Gesamtkonjunktur wieder anzieht. "Die Branche durchläuft gerade eine Konsolidierung. Davon profitiert der Hersteller mit dem Lowest-Cost-Modell", erläutert Bear-Stearns-Analyst Andrew Neff mit Blick auf Dell.

Dem texanischen Direktanbieter gelang es nach eigenen Angaben, seine operativen Kosten von 10,7 Prozent des Umsatzes im Vorjahresquartal auf aktuell 9,9 Prozent der Einnahmen zu drücken. Zum Beginn des zweiten Quartals beschäftigte Dell 3500 Mitarbeiter weniger als ein Jahr zuvor. Finanzchef James Schneider erklärte, die Kosten würden noch weiter gesenkt - für das laufende Fiskaljahr um vermutlich eine Milliarden Dollar-, sodass man bei anziehenden Umsätzen auch höhere Gewinne abliefern werde.

Analysten gehen davon aus, dass Dell dem Wettbewerb weiterhin Marktanteile abnehmen konnte - vor allem im höhermargigen Server- und Storage-Segment. Nach eigenen Angaben konnte die Firma zehn Prozent mehr Server und 70 Prozent mehr Speicherkapazität verkaufen als ein Jahr zuvor. Der durchschnittlich pro verkauftem Gerät erzielte Umsatz ging allerdings zurück - ein deutlicher Hinweis auf den Trend zu Günstig-PCs. Der Desktop-Anteil am Umsatz stieg von 51 Prozent im Vorjahr auf 54 Prozent; der Umsatz pro Einheit fiel gegenüber dem Vorjahresquartal in der Folge um 11,5 Prozent auf 1770 Dollar.

Dells Bruttomarge (Gewinn nach Fertigungskosten) ging gegenüber dem Vorjahresquartal von 18 auf 17,2 Prozent zurück; ein Hinweis darauf, dass der Anbieter seinen Kostenvorteil nutzt, um die Preise zu halten und nicht um den Gewinn zu steigern. "Dells Ergebnis spiegelt nicht den allgemeinen Markt wieder", bilanziert Piper-Jaffray-Analyst Ashok Kumar. "Die Zahlen reflektieren anhaltende Marktanteilszuwächse und Abschlüsse auf Kosten von HP und Co." (tc)