Gerücht

Dell steht vor Verkauf der Outsourcing-Tochter Perot Systems

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Einem Bericht von "Re/code" zufolge will Dell den zugekauften IT-Dienstleister Perot Systems für fünf Milliarden Dollar wieder abstoßen. Die Maßnahme soll dazu beitragen, dass Dell das nötige Geld aufbringt, um EMC zu schlucken. Auch Quest Software und SonicWall stehen angeblich zur Disposition.

Dell hatte Perot Systems im Jahr 2009 übernommen, damals legte der IT-Konzern 3,9 Milliarden Dollar für den IT-Dienstleister auf den Tisch. Nun berichtet Re/code- mit Verweis auf anonyme Insider-Quellen -Dell und Silver Lake Partner wollten durch den Verkauf der Outsourcing- und IT-Services-Sparte die Hälfte der rund zehn Milliarden Dollar aufbringen, die das Duo einsammeln will, um seine in Verbindung mit der EMC-Übernahme entstehenden Schulden von rund 50 Milliarden Dollar ein wenig zu senken.

TCS, Atos, CGI und Genpact im Gespräch

Plant die größte IT-Übernahme in der Geschichte: Michael Dell.
Plant die größte IT-Übernahme in der Geschichte: Michael Dell.
Foto: Dell

Die Quellen berichten, Dell stehe bereits in Verhandlungen mit einigen internationalen IT-Beratungskonzernen. So sollen Gespräche mit dem indischen Anbieter Tata Consultancy Systems (TCS) geführt worden seien, ebenso mit dem französischen Konzern Atos, der sich zuletzt die Outsourcing-Sparte von Xerox und anschließend den deutschen Unified-Communications- und Collaboration-Spezialisten Unify einverleibt hatte (siehe: Atos kauft Unify - Zweckehe oder Liebesheirat?). Zudem soll Dell mit dem kanadischen ITK-DienstleisterCGI gesprochen haben, der 2012 für 2,6 Milliarden Dollar Logica übernommen hatte. Zum Quartett der potenziellen Interessenten soll auch Genpact gehören, ein New Yorker IT-Dienstleister, der einst zum General-Electric-Konzern gehörte.

Den Spekulationen zufolge sollen insbesondere die Gespräche mit TCS weit fortgeschritten gewesen sein, ehe sie dann allerdings abgebrochen wurden, nachdem man sich nicht über den Preis habe einigen können. Weder bei Dell oder Silver Lake Partner, noch bei den potenziellen Interessenten sind derzeit Stellungnahmen zu bekommen.

EMC-Übernahme wird sehr sehr teuer

Der Verkauf von Perot Systems wäre aus Dell-Sicht eine Voraussetzung, um die 67 Milliarden Dollar teure Übernahme von EMC stemmen zu können. Dell und sein Miteigentümer, die Private-Equity-Firma Silver Lake Partner, hatten den EMC-Aktionären am 12. Oktober 2015 eine Kombination aus Bargeld und "Tracking Stocks" angeboten. Dabei handelt es sich um besondere Anteile, die sich ausschließlich auf die VMware-Assets beziehen. Die Struktur des Deals gilt als kompliziert, eine Reihe von Beobachter will rechtliche Probleme nicht ausschließen.

Siehe auch:

Software Defined Infrastructure in Deutschland 2016

Software Defined Infrastructure in Deutschland 2016

Software Defined Infrastructure (SDI) hilft Ihnen IT-Ressourcen kosteneffizienter und flexibler zu nutzen.
Weitere Vorteile und eine Roadmap zur SDI laut IDC erfahren Sie in dieser Studie.

Wie die Informanten weiter mitteilen, erwägt Dell auch den Verkauf von Quest Software und SonicWall - von Firmen also, die Dell erst 2012 zugekauft hatte. Die Aktien von EMC und VMware gehen seit dem Übernahmeangebot von Dell auf Tauchstation.

VMware will Virtustream nun doch nicht ehelichen

Der von EMC und VMware zunächst verfolgte Plan, die auf Cloud-Lösungen spezialisierten EMC-Töchter VMware und den Zukauf Virtustream zusammenzuführen, scheint ebenfalls gefährdet. VMware teilte in einem Statement an die US-Börsenaufsicht nach einem zuletzt dramatischen Wertverlust der VMware-Aktie mit, einem solchen Zusammenschluss nun doch nicht zustimmen zu wollen. Eigentlich sollte die Zusammenführung ein Powerhouse für Infrastructure as a Service (IaaS) und Cloud-Management-Software begründen.