Netbook mit Flash-Speicher

Dell Inspiron Mini 9 im Test

Thomas Rau ist Ressortleiter Hardware bei der PC-WELT. Sein Spezialgebiet sind Notebooks: Seit 1998 testet er Business- und Consumer-Laptops sowie andere mobile Geräte für unsere Schwesterpublikation. Zu seinen Themenbereichen gehören außerdem WLAN und Netzwerke.
Das Dell Inspiron Mini 9 beschreitet eigene Wege. Es gibt keinen Lüfter und statt einer Festplatte kommt ein 16 GB Flash-Modul zum Einsatz. Ob es sich gegen Konkurrenz wie Eee-PC und Konsorten durchsetzen kann, zeigt unser Test.

Dell kommt beim Inspiron Mini 9 komplett ohne Lüfter aus. Das heißt aber nicht, dass an der Qualität des Innenlebens gespart worden wäre. Zum Einsatz kommt der Intel-Atom-Prozessor N270 (1,6 GHz), 1 GB RAM (DDR2-800) sowie der Chipsatz 945GSE. Es gibt aber auch keine Festplatte, die Lärm machen könnte, denn als Speichermedium wird ein 16 GB Flash-Modul verwendet.

Netbook mit 8,9-Zoll-Display: Dell Inspiron Mini 9
Netbook mit 8,9-Zoll-Display: Dell Inspiron Mini 9

Die Flash-Platte liest Daten zwar sehr schnell – mit rund 70 MB/s ist sie deutlich flotter als die größeren 2,5-Zoll-Festplatten, die andere Hersteller in ihren Netbooks verbauen. Doch beim Schreiben schneidet sie umso schlechter ab. Im PC Mark 05 liegt das Dell Inspiron Mini 9 mit 1376 Punkten deshalb etwas hinter anderen Atom-Netbooks zurück: Dieser Unterschied ist aber höchstens messbar – in der Praxis wird man ihn kaum bemerken.

Ein weiterer Nachteil der Flash-Platte: Sie ist nur 16 GB groß. Wem dieser Speicherplatz nicht reicht, muss über einen der drei USB-Ports eine externe Festplatte anschließen oder sich eine SD-Speicherkarte zulegen: Das Dell-Netbook hat einen passenden Einschub auf der linken Gehäuseseite. Die Web-Cam löst 1,3 Megapixel auf, zeigte aber nur bei einer Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten ruckelfreie Bilder. Das WLAN-Modul arbeitet nach dem Standard 11g mit maximal 54 MBit/s, nicht nach dem aktuellen Draft-N-Standard. Dafür besitzt das Dell-Netbook ein integriertes Bluetooth-Modul.

Im Dell Inspiron Mini 9 steckt ein 4-Zellen-Akku mit 32 Wh Kapazität. Damit hält der Mini-Laptop knapp über zwei Stunden beim Abspielen eines Videos von der Festplatte durch. Etwas über vier Stunden kann man mit ihm per WLAN surfen – Mittelmaß. Das große Plus: Das Inspiron Mini 9 wiegt nur knapp über ein Kilogramm und auch sein Netzteil mit integriertem Stromstecker bringt nur 200 Gramm auf die Waage.

Hier finden Sie unser Video vom Test.
Hier finden Sie unser Video vom Test.

Durch das lüfterlose Design erzielte das Inspiron Mini 9 natürlich die volle Punktzahl beim Betriebsgeräusch. Dafür enttäuschten die Messwerte des 8,9 Zoll großen Displays umso mehr: Die Helligkeit war nur mittelmäßig, auch der Kontrast lag nur bei 101:1. Außerdem spiegelt die Glare-Oberfläche deutlich: In Innenräumen fällt das nur bei dunklem Bildschirmhintergrund auf. Unter freiem Himmel wird die Umgebung aber auch auf hellem Untergrund wie zum Beispiel dem weißen Blatt einer Textverarbeitung reflektiert – für draußen ist das Inspiron 9 nicht zu empfehlen.

Das Dell-Netbook besitzt nur eine fünfzeilige Tastatur – die Leiste mit den Funktionstasten fehlt. Die Tasten F1 bis F10 sind in Kombination mit der Fn-Taste zu erreichen: Die Tastenfunktion für F11 und F12 fehlt aber. Durch den Verzicht auf die Funktionstasten sind die übrigen 66 Tasten etwas höher als bei anderen Netbooks mit 8,9-Zoll-Display. Ansonsten bringt diese Maßnahme für die Tastengröße nicht viel: Die Tasten liegen im üblichen 15,5-Millimeter-Abstand. Auch muss Dell wegen des kleinen Gehäuses die Tasten für Umlaute und einige Satzzeichen, die Cursor-Tasten sowie die rechte Shift-Taste verkleinern – nicht förderlich für schnelles, fehlerfreies Tippen. Hat man sich aber ans Tasten-Layout gewöhnt, kommt man sehr gut mit der stabilen Tastatur zurecht, deren Tasten einen deutlichen Druckpunkt und einen klaren Hub bieten.

Der Displaydeckel im schwarzen Klavierlack-Design ist sehr anfällig für Fingerabdrücke. Das Gehäuse machte einen sehr soliden Eindruck. Im Praxiseinsatz störte allerdings, dass sich das Display nicht beliebig weit öffnen lässt: Hält man das Netbook beispielsweise auf den Oberschenkeln, lässt sich das Display nicht immer für einen optimalen vertikalen Einblickwinkel justieren.

Das durchdachte Design des Dell Inspiron Mini 9 gefällt – bei ihm nerven weder ein drehender Lüfter noch eine rotierende Festplatte. Auch die Tastatur überzeugt – wenn man sich mit den vielen verkleinerten Tasten anfreunden kann. Mit rund einem Kilogramm hat es ein ideales Netbook-Gewicht – die Akkulaufzeit ist aber nur Mittelmaß, einen größeren Akku bietet Dell nicht an. Apropos Größe: Die Flash-Platte ist mit 16 GB recht klein. Auch das spiegelnde Display gehört nicht zu den Stärken des Dell-Netbooks.

Mögliche Alternativen: Für 50 Euro weniger bietet Dell das Inspiron Mini 9 in einer Variante mit Ubuntu 8.04 und 8-GB-Flash-Speicher an. Der Asus Eee PC 901 ist etwas schwerer, bringt aber einen 6-Zellen-Akku mit und kostet nur rund 360 Euro.