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Dell immer dichter auf Compaqs Fersen

25.04.2000
IDC-Zahlen zum PC-Markt im ersten Quartal

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - International Data Corp. (IDC) hat seine Zahlen zum PC-Markt im ersten Quartal 2000 in den USA und weltweit vorgelegt. Compaq konnte global den ersten Platz behaupten, in den Vereinigten Staaten liegt jedoch Direktanbieter Dell an der Spitze.

Der texanische IT-Riese Compaq verkaufte in den ersten drei Monaten des Jahres weltweit 3,97 Millionen PCs und kam damit auf 13,1 Prozent Marktanteil. Das entspricht einem Zuwachs von zwölf Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, in dem Compaq 3,56 Millionen Rechner verkauft, damit aber 14,1 Prozent Marktanteil erreicht hatte. Verfolger Dell setzte weltweit 3,2 Millionen Systeme ab und eroberte sich mit 10,5 Prozent Platz zwei im weltweiten Hersteller-Ranking. Ein Jahr zuvor hatte der ebenfalls in Texas ansässige Direktanbieter 2,45 Millionen PCs verkauft und 9,7 Prozent Marktanteil erreicht. Das Wachstum übers Jahr fiel mit 31 Prozent deutlich höher aus als das von Compaq.

Noch stärker zulegen konnte allerdings Hewlett-Packard (HP). Das Unternehmen von CEO (Chief Executive Officer) Carleton "Carly" Fiorina verkaufte im ersten Quartal 2,47 Millionen Rechner (plus 56 Prozent) und kam auf 8,1 Prozent Marktanteil. Das reichte aus, um IBM auf den vierten Platz zu verdrängen. Big Blue setzte im ersten Quartal 2000 rund 1,87 Millionen PCs (minus 14 Prozent) ab und erreichte damit nur noch 6,1 Prozent Marktanteil. Ein Jahr zuvor hatte IBM mit 2,17 Millionen verkauften Systemen noch 8,6 Prozent Marktanteil erreicht, während HP seinerzeit mit 1,58 Millionen Rechnern nur 6,2 Prozent Market Share vorweisen konnte.

Mit sechs Prozent deutlich unter dem Marktdurchschnitt von 23 Prozent wuchs Fujitsu-Siemens. Der neue europäische Riese verkaufte im ersten Quartal des Jahres 1,69 Millionen PCs und landete laut IDC weltweit unverändert auf Platz fünf. Der Marktanteil ging allerdings gegenüber dem Vorjahr (1,59 Millionen Rechner/6,3 Prozent Marktanteil) geringfügig zurück.

Alle übrigen Hersteller zusammen verkauften 17,16 Millionen Rechner (plus 23 Prozent) und erreichten einen Marktanteil von 56,5 Prozent (Vorjahr 13,96 Millionen/55,2 Prozent). Der gesamte Markt wuchs von 25,3 Millionen Einheiten um 20 Prozent auf 30,36 Millionen.

USA: Dell vorn, Emachines in den Top Five

In den USA liegt Dell bereits seit einiger Zeit vor dem texanischen Rivalen Compaq. Auch im vergangenen Quartal wuchs der Direktanbieter mit 36 Prozent deutlich stärker als der Channel-Konkurrent (18 Prozent). Dell verkaufte 1,98 Millionen PCs und kam auf 17,1 Prozent Marktanteil (Vorjahr: 1,45 Millionen/14,7 Prozent); Compaq setzte 1,89 Millionen Desktops ab und erreichte 16,3 Prozent Marktanteil (Vorjahr: 1,59 Millionen/16,1 Prozent). HP konnte auch in den USA mit 67 Prozent kräftig zulegen und eroberte sich mit 1,41 Millionen verkauften PCs und 12,2 Prozent Marktanteil Platz drei (Vorjahr: 847 000/8,5 Prozent).

Der zweite Direktanbieter Gateway kam mit 1,03 Millionen verkauften Rechnern (plus 13 Prozent), die für neun Prozent Marktanteil gut waren, auf den vierten Platz der Herstellerrangliste (Vorjahr: 981 000/9,3 Prozent). Auf den fünften Platz des Anbieter-Rankings schob sich laut IDC überraschend der Billiganbieter Emachines, der im ersten Quartal 521 000 PCs verkaufte (plus 83 Prozent) und sich damit 4,5 Prozent Marktanteil sicherte. IBM ist damit erstmals seit langer Zeit nicht mehr unter den größten fünf PC-Herstellern der USA vertreten.

Alle übrigen US-Anbieter verkauften zusammen 4,75 Millionen Rechner und erreichten damit einen Marktanteil von 41 Prozent (Vorjahr 4,81 Millionen/48,6 Prozent) - die Amerikaner kaufen damit deutlich markenbewusster als der "Rest der Welt". Insgesamt wurden in den Vereinigten Staaten 11,59 Millionen PCs abgesetzt, ein Wachstum von 17 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 1999 (9,91 Millionen).

Japan und Asia-Pacific wachsen am stärksten

Regional betrachtet, konstatiert IDC das stärkste Wachstum in Japan und im übrigen asiatisch-pazifischen Raum, die übers Jahr um 35 respektive 36 Prozent zulegten. In Westeuropa kurbelten der Internet-Boom und sinkende Hardwarepreise die Nachfrage deutlich an. Entsprechend positiv fallen die Prognosen der Auguren aus. "IDC geht davon aus, dass sich der Unternehmensmarkt in den meisten Regionen von der Jahr-2000-Zurückhaltung erholt hat und sich die Kaufmuster in der zweiten Jahreshälfte normalisieren", meint Bruce Stephen, Group Vice President Personal Systems Research. Seine Kollegin Gabrielle Griffith vom Quarterly PC Tracker ergänzt mit Blick auf den Consumer-Markt: "Die Verbraucher langen trotz der ohnehin starken Nachfrage im letzten Weihnachtsgeschäft weiter ordentlich zu. Wir sehen einen unerwarteten, langfristigen Bedarf an PCs."

Neue Allianzen: Überraschungen vorprogrammiert

In den kommenden Quartalen könnten - vor allem auf dem voluminösen US-Markt - zwei neue strategische Allianzen die bisherige Herstellerrangfolge kräftig durcheinander wirbeln:

Compaq hat sich mit der großen Kaufhauskette Sears, Roebuck & Co. verbrüdert. Diese wird ab Juni in ihren 860 Filialen sowie online exklusiv Compaq-Rechner unters Volk bringen. Auch bei Notebooks, Monitoren und Druckern wird Compaq bei Sears Roebuck erste Wahl.

Direktanbieter Gateway darf im Auftrag des Kosmetikriesen Avon zunächst rund 500 000 amerikanische Handelsvertreter mit PCs ausstatten. Eventuell soll das neue Free-PC-Programm sogar weltweit aufgesetzt werden . Gateway könnte dann auf einen Schlag mehr als 2,5 Millionen Rechner loswerden.