Französischer Streaming-Dienst

Deezer bläst Börsengang in letzter Minute ab

28.10.2015
Der französische Musikdienst Deezer hat seinen Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Firma machte dafür die Marktbedingungen verantwortlich. Man werde in Zukunft darüber entscheiden, auf welche Weise frisches Kapital beschafft werden solle, erklärte Deezer am Dienstagabend. Das Unternehmen habe genug Geld, um weiter zu wachsen.

Foto: Deezer

Der Börsengang hätte nach bisherigen Angaben über 400 Millionen Euro schwer werden sollen. Der gesamte Streaming-Service sollte dabei zusammen mit den Einnahmen aus dem Aktienverkauf mit 900 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro bewertet werden. Deezer zog die Bremse nahezu in letzter Minute: Die Aktie sollte am Freitag an der Börse in Paris in den Handel kommen.

Die Deezer-Gründer Axel Dauchez und Daniel Marhely
Die Deezer-Gründer Axel Dauchez und Daniel Marhely
Foto: Deezer

Deezer-Verwaltungsratschef Didier Bench sagte dem "Wall Street Journal", eine Rolle bei der Absage des Börsengangs habe der Kurssturz des Internet-Radiodienstes Pandora vergangene Woche gespielt. Die Anleger waren enttäuscht über einen Quartalsverlust und gesunkene Nutzerzahlen, die Aktie brach an einem Tag um fast 36 Prozent ein.

Hans-Holger Albrecht, CEO von Deezer.
Hans-Holger Albrecht, CEO von Deezer.
Foto: Deezer

Deezer spricht von rund 6,3 Millionen zahlenden Abo-Kunden zum Stichtag Ende Juni. Die ausführlichen Angaben im Börsenprospekt zeigten zugleich, dass aber nur knapp drei Millionen von ihnen auch monatlich aktiv waren. Die anderen kamen zu Deezer über Paket-Angebote zum Beispiel mit Mobilfunk-Anbietern. Es blieb unklar, wie häufig sie den Dienst noch nutzen. Zugleich zahlen rund 800.000 Kunden weiter, obwohl sie nicht jeden Monat aktiv sind - und bringen damit Deezer trotzdem Geld. (dpa/tc)