Intelligente Systeme - Watson

Decision-Support und BI der Zukunft

Jan-Bernd Meyer
Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE - darunter das jährlich erscheinende Magazin Top 100, das einen detaillierten Marktüberblick über alle relevanten B2B-Bereiche der IT gibt. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
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Für die einen ist IBMs Watson eine Weiterentwicklung von "Deep-Blue"- für andere eine neue Dimension der Analyse von Massendaten.

Die Herausforderung, vor die sich Unternehmen, Behörden und Forschungsstätten aus welcher Branche auch immer in hohem Maß gestellt sehen, ist die rasant wachsende Datenflut. Natürlich hat die an Schlagworten nicht arme IT-Branche auch gleich einen Begriff formuliert, auf den sich diese Herausforderung griffig reduzieren lässt: Big Data.

Herausforderung: Die Datenmassen

Gartner hat Big Data in die Formel gefasst, es handle sich um eine mittlerweile gängige Bezeichnung für "das exponentielle Wachstum, die Verfügbarkeit und die Nutzung der datenintensiven IT-Landschaft von morgen".

Die Herausforderung, die sich mit Big Data stelle, sei aber beileibe nicht auf die schiere Menge der heute schon und künftig in noch viel stärkerem Maß anfallenden Daten beschränkt. Es sei kurzsichtig, sich lediglich auf den Aspekt des Verwaltens und Speicherns von Datenmassen zu konzentrieren.

Was ist Liebe? Eine Aufklärung

Zugegeben: Für die COMPUTERWOCHE ist diese Frage etwas ungewöhnlich. Aber sie hat nichts mit dem Thema Liebe zu tun. Dafür alles mit intelligenten, analytisch arbeitenden Systemen.
Das Thema künstliche Intelligenz bei Computern, die sich dann auch noch gegen den Menschen aufwerfen, thematisierte Stanley Kubrick in seinem Film von 1968 "2001 - A Space Odyssey" (deutsch: 2001: Odyssee im Weltraum). Das Kameraauge von HAL9000 wurde seitdem zum Synonym des (fast) unfehlbaren Computers.
Das Thema künstliche Intelligenz bei Computern, die sich dann auch noch gegen den Menschen aufwerfen, thematisierte Stanley Kubrick in seinem Film von 1968 "2001 - A Space Odyssey" (deutsch: 2001: Odyssee im Weltraum). Das Kameraauge von HAL9000 wurde seitdem zum Synonym des (fast) unfehlbaren Computers.
Foto: Wikipedia/Cryteria

Anders als der Computer "HAL9000" in dem Sci-Fi-Film "2001 - Odyssee im Weltraum" von Stanley Kubrick, in dem sich Maschine und Mensch einen Showdown liefern, ist IBMs Fernsehstar Watson zwar noch nicht scheinbar allwissend. Aber seine Fähigkeit, natürlichsprachliche Eingaben zu verstehen, dabei auch semantische Tricks und Finessen wie beispielsweise Ironie richtig einzuordnen, haben die Öffentlichkeit aufgeweckt. Sie stellen einen Durchbruch in der Verarbeitung und Analyse von unstrukturierten Daten dar.

Was ist nun Liebe? Die amerikanische Quizshow Jeopardy zeichnet sich dadurch aus, dass die Kandidaten eine Antwort eingespielt bekommen, zu der sie die richtige Frage finden müssen. Watson zeigte sich in Liebesdingen ziemlich sattelfest. Konfrontiert mit der Aussage, die übrigens von Ambrose Bierce stammt, "Vorübergehendes Irresein, das durch eine Ehe geheilt werden kann", fand Watson die richtige Frageantwort: "Was ist Liebe?"

Kein Entscheidungsfindungs-, Decision-Support- oder BI-System könnte auf die natürlichsprachliche Bierce-Formulierung diese (zumindest für manche) sinnvolle Antwort finden. Das aber macht Watson gerade für Analysen von unstrukturierten Daten so interessant.

"IT-Manager müssen ihre Strategie, wie sie mit Daten umgehen, ganz grundsätzlich überdenken", sagt Mark Beyer, Research Vice President bei Gartner. Es gebe den Wunsch - und Anspruch -, sich die in vielfältiger Weise und auf unterschiedlichen Kanälen bereitstehenden Datenmassen nutzbar zu machen. Darüber intensiv nachzudenken, berge einerseits große Chancen. Wie Informationen genutzt würden, lasse sich nämlich entscheidend beeinflussen. Andererseits könne eine falsche Strategie in Sachen Big Data ins Chaos führen. Damit verbunden seien dann etwa Compliance-Risiken und erhöhte Kosten. Es sei der falsche Weg, sich nur auf den vordergründigen Aspekt der wachsenden Datenmengen zu fokussieren, mahnt Beyer.

Fakt ist aber, dass die Datenmengen explodieren. Allein die noch nicht gehobenen Informationsschätze, die schon heute in sozialen Netzen, Blogs, Foren etc. lagern und ihrer Auswertung harren, sind immens. Hinzu kommen unterschiedliche Anwendungsfelder und Informationskanäle, aus denen Massendaten gesaugt werden können. Neben den Inhalten aus dem Web werden die Datenspeicher mit Informationen aus sämtlichen denkbaren Industrie- und Lebensbereichen gefüttert. Lieferanten können so unterschiedliche Quellen sein wie RFID-Tags und Sensoren. Sie können aus Finanzanalyse- oder Geoinformationssystemen etc. stammen. Theoretisch lassen sich all diese Daten analysieren und zu Entscheidungen heranziehen - sei es für die Produktentwicklung, für Forschungsvorhaben, für Trend- oder Marktprognosen.

Gartner schätzt, dass die weltweit anfallende Menge an Daten jährlich um mindestens 59 Prozent ansteigt. IDC geht davon aus, dass bis Ende dieses Jahrzehnts die gesamte weltweite Datenflut auf 35 Zettabyte (ZB) anschwillt. Ein ZB ist eine Eins mit 21 Nullen.

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