Bürokommunikation steht noch am Anfang:

DEC-Konzept propagiert die Rundum-Beratung

08.04.1982

MÜNCHEN (hh) -"Ausführliche Planung hat eine Schlüsselfunktion bei der Einrichtung eines modernen Bürokommunikationssystems", sagt Jürgen Marialke, Marketingleiter Industrieanwendungen der Digital Equipment GmbH. Anläßlich einer Pressevorstellung der drei Säulen des DEC-Konzeptes für ein Büroverbundsystem gestand Marialke allerdings auch zu, daß man sich in Deutschland auf der Anwenderseite erst am Anfang der Integrierten Büroautomatisierung befinde.

Den technischen Trend der nächsten Jahre sieht das Unternehmen im Zusammenrücken der Datenverarbeitung mit Textverarbeitung, intelligenten Kopierern, Grafik und Faksimile zu einem Kommunikationssystem. Daraus resultieren auch die drei Säulen des Münchner Konzeptes: Textverarbeitung, elektronische Post und ein "elektronischer Schreibtisch". Die Textverarbeitung - realisiert mit Dectext - umfaßt die Bereiche "elektronisches Schreiben", "Korrespondenz mit Bausteinbriefen" und die programmierte Textverarbeitung. Verwirklicht sind automatische Silbentrennung, Layout, Editierungsfunktionen, um nur einige der Möglichkeiten aufzuzählen. Wichtig zur Integration ist die Nutzung des EMS-Files (Electronic Mail System).

Electronic Mail als Subsystem

DEC versteht ein EMS als Subsystem, das die Funktionskreise Abfassen, Lesen, Senden, Ablegen und Wiederauffinden von Schriftstücken beinhaltet. Über Schnittstellen und die entsprechende Software ist es nach Angaben des Hardware-Herstellers realisierbar, sich in andere, auch öffentliche Netze einzuschalten.

Der "elektronische Schreibtisch" als dritte Säule ist für Routinearbeiten konzipiert. Er verwaltet Terminkalender, die Wiedervorlage, übt Funktionen als Tischrechner aus und

dient als Planungssystem.

Bei der Entwicklung dieses Konzeptes ist Digital von der Basis der VAX-VMS-Betriebssoftware ausgegangen, auf die allgemeine Unterprogramme und spezielle Anwendungspakete gelegt werden, Übergreifend arbeitet als Klammer die "Steuerfunktion Büroautomation". Das Angebot der Münchner auf diesem Sektor orientiert sich nach eigenen Angaben stark am vorliegenden Projekt. Marialke sieht einen Trend der Hardwarehersteller, als die sich DEC weiterhin verstehen möchte, hin zu einem Dienstleistungsanbieter, der von der Organisationsanalyse bis hin zur Projektplanung, Implementierung und Schulung dem Kunden flankierend zur Seite steht.

Probleme bei der Einführung eines solchen Bürokommunikationssystems liegen nach Meinung des Marketingleiters in den Einführungsstrategien, den Auswirkungen auf die

Organisationsstruktur, Akzeptanzproblemen und Kosten-/Nutzenrelationen begründet.

Aufsetzen auf Bestehendem

Die Politik des Unternehmens ist es, in Koexistenz zu bereits eingeführten Informationssystemen mit Hilfe einer Matrixstrategie ein solches System aufzubauen. Hierbei werden ein bis zwei Funktionen über den gesamten Unternehmensbereich gelegt, wobei innerhalb der Bereiche dann zusätzliche Funktionen vertikal implementiert werden.

Der Einsatz von Arbeitsgruppen und die Installation von Testsystemen, deren Ergebnisse in das Konzept einfließen gilt als wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Projektabschluß.

Dennoch, ganz billig wird das Vorhaben nicht: Man komme bei einer ausgereisten Lösung leicht in den Millionenbereich, erwartet Marialke. Zu dem Kostenschreck geselle sich eine psychologische Barriere. Viele Manager hegten noch immer eine gewisse Scheu vor dem Umgang mit einem Terminal. Anders stelle sich die Situation in Amerika dar, wo ein "Werkzeug-Approach" die Einstellung zum Bildschirm kennzeichne.

Marialke konstatiert jedoch, daß in den meisten Organisationsabteilungen größerer deutscher Unternehmen intensiv über die Möglichkeiten der neuen Technik diskutiert werde.

In den nächsten Jahren, so leitet das Unternehmen aus dieser Erkenntnis ab, werde deshalb die Bürokommunikation in zunehmendem Maße automatisiert. Dadurch änderten sich vor allem die Arbeitsinhalte der Sekretärinnen und Sachbearbeiter, die komplexere Tätigkeiten übernehmen könnten. Eine Freisetzungswelle von Büroangestellten erwarte man nicht, so die Zukunftsprognose.