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Größter Knoten weltweit

DE-CIX - deutsche Drehscheibe des Internets

27.04.2010
Internet-Knoten sind die zentralen Umschlagplätze für Daten im globalen Netz. In Frankfurt steht seit 15 Jahren DE-CIX, heute ist er gemessen am Datenaufkommen der weltweit größte dieser Knoten.
Im DE-CIX fließen alle Daten über Glasfaser.
Im DE-CIX fließen alle Daten über Glasfaser.

Für den Notfall stehen Dutzende große Flaschen mit Löschgas bereit, um ein Feuer gleich im Keim zu ersticken. Auf dem Dach des Rechenzentrums brummen die Klimaanlagen für die Kühlung der Computer, daneben stehen große Notstromaggregate. Und der Weg ins Innerste führt nur durch die streng bewachte Personenschleuse.

Der Frankfurter Internet-Knoten DE-CIX ist der wichtigste Umschlagplatz für Daten von zig Millionen Nutzern in Zentral- und Osteuropa. Weltweit ist er damit auf den Spitzenplatz gerückt und hat Amsterdam verdrängt. Selbst in den USA, dem Heimatland des Internets, sind die Knoten nach Angaben des Betreibers DE-CIX kleiner, da sie stärker dezentral verteilt sind.

Entstanden ist der Internet-Knoten vor 15 Jahren, erinnert sich Mitbegründer Arnold Nipper (51), verantwortlich für Betrieb und Weiterentwicklung. Damals ging es einfach darum, die Netze von drei Internet-Providern zu verbinden, damit die Daten auf direktem Weg von einem Netz zum anderen geschickt werden können. Denn vor der Gründung von DE-CIX war der Umweg über die USA notwendig - über den Atlantik rüber und wieder zurück. Das brauchte Zeit und kostete damals viel Geld.

Heute hat die DE-CIX Management GmbH - eine Tochter des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft (eco) - mehr als 350 Kunden. Dazu gehören nicht nur Internet-Anbieter aus Deutschland, Osteuropa und Asien, sondern viele Unternehmen, die auf sehr schnelle Leitungen und große Datenmengen angewiesen sind. Das sind zum Beispiel Spezialfirmen wie Akamai, die für Firmen wie Microsoft bei Software-Updates massenhafte Downloads ermöglicht. Auch einige TV-Stationen "senden" direkt an den Knoten. Und auch Rechner von Internet-Suchmaschinen sind direkt angeschlossen. "Google möchte so eng am Endkunden sein wie möglich", sagt Nipper. Dagegen sei die Deutsche Telekom kein großer Kunde, weil sie die Anbindung anderer Netze stärker auf eigene Faust betreibe.

Wie ein großer Flughafen

Marketing-Chef Frank Orlowski vergleicht den Knoten mit einem großen Airport. "Wir sind der Flughafen-Betreiber. Und die Internet-Daten können dort umsteigen." Und wie am Flughafen gibt es auch den Transit: 60 Prozent der Kunden haben kein Geschäft in Deutschland, sondern wollen vor allem die internationale Drehscheibe nutzen. DE-CIX ist damit ein wichtiges Teil der Infrastruktur für das gesamte Internet. Die Abkürzung steht für Deutschland und "Commercial Internet Exchange", übersetzt etwa: deutscher kommerzieller Internet-Austauschplatz.

Der innerste Kern des Frankfurter Internet-Knotens besteht aus einem unscheinbaren Computer in einem grauen Montageschrank. Aus Sicherheitsgründen ist hier alles doppelt ausgelegt - zum Beispiel für den Fall, dass ein Netzteil ausfällt. In Nachbarschränken stehen weitere Rechner, die Daten von großen Kunden wie Yahoo! annehmen und weiterleiten.

Doch DE-CIX hat eigentlich nicht einen Kern, sondern zwei Kerne, von denen einer immer als Reserve läuft, an getrennten Standorten. In nur zehn Millisekunden lassen sich die beiden Kern-Rechner umschalten, wenn es doch mal eine Panne geben sollte. Hinzu kommen noch untergeordnete Daten-Drehscheiben - insgesamt ist der Knoten heute auf zwölf Rechenzentren im Frankfurter Stadtgebiet verteilt.

Ein Terabit pro Sekunde

Der immense Aufwand hat einen schlichten Grund: Die gigantische Datenmenge, die über die Frankfurter Rechner geschleust wird. Pro Sekunde wird teils mehr als ein Terabit Daten vermittelt. Das sind eine Billion Bit, eine Zahl mit zwölf Nullen. Das entspricht dem Inhalt von etwa 25 DVDs, erläutert Nipper. Pro Tag sind es dann schon mehr als zwei Millionen DVDs. Der früher gern genutzte Vergleich mit der Datenmenge eines Buches bringe heute nichts mehr, sagt Nipper. Dafür sind es viel zu viele Daten.

Und die Menge steigt weiter immens an. In den vergangenen Jahren gab es alle zwölf Monate eine Verdoppelung, innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich die Menge mehr als vertausendfacht. Und die Verdoppelung pro Jahr dürfte sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen - wenn auch nicht unendlich. "Die Jahre des starken Wachstums werden sich abschwächen", erwartet Nipper.

Lichtsignale statt Stromimpulse

Technisch möglich ist das heutige Internet mit seinen gigantischen Datenmengen nur durch Glasfaser. So gelangen in den Frankfurter Internetknoten DE-CIX alle Daten per Lichtimpuls und werden so auch wieder herausgeschickt.

In den dünnen Leitungen am Frankfurter Knoten - jeweils eine pro Richtung - können nahezu unbegrenzte Mengen an Daten transportiert werden. Durch die Nutzung von unterschiedlichen Frequenzen sind auch mehrere Ströme mit nur einer Leitung möglich. Im Rechner werden die Lichtsignale dann in elektrische Signale gewandelt, verarbeitet und wieder als Lichtsignale ausgesendet.

Glasfaseranschlüsse für private Haushalte (Fibre To The Home, kurz FTTH) gelten als die Zukunft des Internets. In Deutschland sind sie noch nicht üblich, auch in Europa kommen andere Länder wie einige skandinavische auf diesem Gebiet schneller voran.

Heute hat die CE-CIX Management GmbH einen Jahresumsatz von rund zehn Millionen Euro und ist laut Orlowski profitabel. Angaben zu dem Gewinn, von dem der Internet-Verband eco profitiert, will das Unternehmen mit heute 15 Mitarbeitern allerdings nicht machen.

Die Betreiber des Knotens unternehmen einen erheblichen Aufwand, damit das System immer verfügbar ist. Und was wäre, wenn der Knoten doch mal komplett abstürzt? Das dezentrale Internet würde in Deutschland wohl auch dann nicht komplett zum Stillstand kommen - doch massive Engpässe wären wahrscheinlich. (dpa/tc)