CeBIT

Datev goes SOA

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Der IT-Dienstleister Datev auf Nürnberg baut seine Windows-Software in Richtung .NET und SOA aus. Komponenten der zahlreichen Programme sollen sich einfacher kombinieren und wieder verwenden lassen.

Neben Datenverarbeitungsdienstleistungen wie Lohn- und Gehaltsabrechnungen beschäftigt sich die Datev intensiv mit der Softwareentwicklung. Dazu zählen etwa 230 verschiedene Windows-Programme für Steuerberater sowie für Lohnbuchhalter. Derzeit modernisiert die Datev die Applikationen in Richtung .NET. Das Ziel dabei: Aus monolithischen Programmen sollen Softwarebausteine entstehen, die sich flexibel miteinander kombinieren lassen. Dazu zählen Buchungsmodule, die es heute in verschiedenen Ausprägungen gibt. Künftig will man Buchungslogik kapseln können, um sie sowohl für Lohn- als auch für Steuerberechnungen nutzen zu können.

Datev-Baukasten auf dem .NET-Framework

Die Datev ist bestrebt, die Applikationen in puncto Bedienbarkeit zu harmonisieren. Die "Datev Framework Library" stellt Workflow- und Präsentationstechnik zur Verfügung. Diese Bibliothek setzt auf dem .NET-Framework 2.0 von Microsoft auf. Die aktuelle Version 3 der Microsoft-Plattform war zum Start des groß angelegten Modernisierungsprojekts noch nicht verfügbar.

Einerseits erhalten die Anwender so neue und leichter bedienbare Programme. Zu einem großen Teil ist die Initiative aber Selbstzweck: Die Softwarepflege und die Entwicklung neuer Funktionen will der IT-Dienstleister mit Hilfe der auf Service-orientierte Architekturen (SOA) ausgelegten Produktstrategie vereinfachen.

Die ersten Programme sind bereits umgestellt. Dazu zählt eine Steuerberatersoftware, die ein integriertes Management-Informationssystem sowie eine auf Rollen basierende Benutzerschnittstelle bietet. Je nach Rolle (Kanzleichef, Steuerberater oder Buchhalter) erhält der Anwender eine unterschiedliche Funktionsauswahl. Die Masken präsentieren zahlreiche Informationen auf einem Blick. Über grafische Symbole ist ersichtlich, ob es sich im Ist- oder Planwerte handelt. Ebenso sind Über- und Unterdeckungen farblich gekennzeichnet.

Bis zum Jahr 2010 sollen alle Datev-Programme umgestellt sein. Dazu zählen auch die Software für das Rechnungswesen und die Materialwirtschaft. Diese Programme sind dann unter dem künftigen Betriebssystem "Windows 7" lauffähig, versichert Wolfgang Schumacher, Direktor Entwicklung.

Steuerberechnung als Web-Service

Schumacher zufolge gestatte es die .NET-Umstellung, Software und netzbasierende Services leichter zu verbinden. Beispielsweise wäre die Datev in der Lage, die Steuerberechnung als Service bereitstellen, der von den lokal installierten Programmen genutzt wird. Auf diese Weise, so der Entwicklungschef, könnte die Datev den Firmen die aktuellen Steuerverordnungen über einen Softwaredienst gleich zum Jahresanfang bereitstellen. Somit sind Firmen nicht mehr wie bisher gezwungen, gleich zu Jahresbeginn eine neue Programmversion einzuspielen.

Anbieter von Geschäftssoftware haben im Winter meist alle Hände voll zu tun, um ihren Kunden nach dem Jahreswechsel eine aktuelle Lohn- und Gehaltssoftware bereitstellen zu können. Dass das in der Eile auch mal schief gehen kann, haben viele Kunden der Softwarefirma Lexware schmerzlich feststellen müssen (siehe auch "Softwarepanne bei Lexware").

Auf der CeBIT präsentierte die Datev ein neues Werkzeug, mit dem Unternehmen eine Vorschau auf Zahlungsströme erzeugen können. Anwender sollen so Einblick in ihre Liquidität für die nächsten 90 Tage gewinnen. Das Programm richtet sich an Datev-Kunden, die das Rechnungswesen und die Toolbox des Dienstleisters sowie Microsoft Excel einsetzen.

Eine Reihe anderer Softwarehäuser, darunter Wilken, Sage und SAP, präsentierten auf der CeBIT ebenfalls Ergänzungen oder neue Software für das Liquiditäts-Management. Sie reagieren damit auf die wirtschaftliche angespannte Situation (siehe auch "ERP-Trends auf der CeBIT").