Priorität für Übernahme von Bändern
Datenträger gehören in die Staatsarchive
MAINZ - Arbeitsteilige Spezialisierung zwischen den einzelnen Archiven der öffentlichen Verwaltung, den Aufbau von maschinellen Verfahren, mit denen die laufende Archivierungs-Arbeit wirksam unterstützt wird, und Priorität für die Archivierung maschinenlesbarer Daten der Verwaltung forderte der Koblenzer Archivoberrat W. Buchmann beim 50. Deutschen Archivtag in Mainz.
Archivverwaltungen in den USA, Kanada und Dänemark haben maschinenlesbare Daten bereits in größerem Umfang übernommen. Zu den für Dateien freigegebenen Magnetband-Dateien hat das US-Nationalarchiv 1975 sogar einen Index veröffentlicht, der Inhalt der Dateien, deren technische Daten sowie Bedingungen und Kosten ihrer Benutzung aufführt. Für Auswertungen stehen spezielle Programmpakete wie SPSS (Statistical Package for the Social Sciences) zur Verfügung.
In der Bundesrepublik sind dagegen Buchmann - maschinenlesbare Daten (insbesondere Magnetbänder) bisher nicht in nennenswertem Umfang archiviert worden. Für die Bundesverwaltung besteht wenigstens die Verpflichtung, Magnetbänder dem Bundesarchiv anzubieten und sie auf Anforderung auch abzugeben. "Jedes staatliche oder kommunale Archiv wird in absehbarer Zeit entscheiden müssen, ob man sich um dieses neuartige Archivgut bemüht oder ob man seine Bewertung und Übernahme anderen Institutionen, beispielsweise wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen, überlassen will", erklärte Buchmann.
Zu den vor allem seit 1973 angelaufenen zahlreichen DV-Projekten in bundesdeutschen Archiven meinte Buchmann, es handle sich immer nur um Einzelvorhaben.
Buchmann kritisierte: "Die bisherige Abwicklung von EDV-Projekten war aus personellen Gründen unrationell. Ein Archivar ist durch Ausbildung und Tätigkeit ein hochspezialisierter Fachmann. Wenn er beispielsweise eine Programmiersprache lernen soll, ist das nicht effektiv." - py
