Der Konkurrent fürs iPad tritt an

Das WeTab im Test

Thomas Rau ist Ressortleiter Hardware bei der PC-WELT. Sein Spezialgebiet sind Notebooks: Seit 1998 testet er Business- und Consumer-Laptops sowie andere mobile Geräte für unsere Schwesterpublikation. Zu seinen Themenbereichen gehören außerdem WLAN und Netzwerke.
Das WeTab hatte einen schlechten Start: Der deutsche iPad-Herausforderer erwies sich in ersten Vorführungen als Rohrkrepierer. Kann das fertige Produkt die Scharte auswetzen? Der Test zeigt es.

Das WeTab war im Frühjahr noch als WePad angetreten, um Apples Tablet Konkurrenz zu machen. Doch nach misslungenen Präsentationen erster Vorseriengeräte wurde das deutsche Tablet zur Lachnummer.

Jetzt kommt das WeTab tatsächlich auf den Markt: Und der Hersteller gibt offen zu, dass vieles, was versprochen war, noch nicht funktioniert: Zum Beispiel funktionieren Eingaben per Multitouch noch nicht. Android Apps sollte das WeTab ursprünglich in einer virtuellen Maschine unterstützen: Auch diese Funktion fehlt noch.

Aktuell steht das WeTab 3G bei Amazon in zwei Varianten zur Verfügung:
- WeTab 16GB (Bluetooth 2.1 + EDR, Wi-Fi) für 449.- €
- WeTab 32GB (UMTS, Bluetooth 2.1 + EDR, Wi-Fi, GPS) für 569.- €

WeTab verspricht zwar, dass ein Update diese Mängel beseitigen soll. Außerdem ist für Anfang Oktober ein weiteres Update angekündigt, das unter anderem das Mailprogramm verbessern soll. Im Dezember will WeTab dann ein umfassendes Update mit Bugfixes und neuen Funktionen ausliefern – sozusagen ein Service Pack. Doch diese Ankündigungen verstärken den Eindruck, dass das WeTab noch unfertig ist.

Die Rückseite des WeTab: Rechts oben der Einschaltknopf
Die Rückseite des WeTab: Rechts oben der Einschaltknopf

Das gilt aber nur für die Software: Die Verarbeitung des Magnesiumgehäuses ist gut, das WeTab fühlt sich stabil und wertig an. Drückt man allerdings etwas fester auf die Rückseite, knarzt das Tablet. Die Vorderseite nimmt der berührungsempfindliche Bildschirm ein: Display und Displayrahmen liegen wie beim iPad hinter einer Glasscheibe. Unten ist der Rahmen breiter als oben: So weiß man immer, wie man das WeTab halten muss. Dreht man das Tablet aber ins Hochformat, sticht der asymmetrische Rahmen sofort unangenehm ins Auge.

Vorteil: Offene Plattform
Das WeTab gibt sich offener und flexibler als das Apple iPad und auch als die meisten Android-Geräte. Das beginnt schon bei den Schnittstellen: Das WeTab hat zwei USB-Buchsen: Diese unterstützen zum Beispiel USB-Sticks und Festplatten. Allerdings zeigte der Dateibrowser des WeTab keine Inhalte auf NTFS-formatierten Speichern an. Fotos lassen sich einfach per SD-Kartenleser auf das WeTab befördern. Eine Internetkamera bringt das WeTab ebenfalls mit.
Über einen Mini-HDMI-Ausgang an der linken Gehäuseseite kann man Filme und Fotos vom Tablet auf einem Fernseher ausgeben: Das passende Kabel liefert WeTab aber nicht mit.
Unser Testgerät war das WeTab mit 32 GB internem Flash-Speicher und 3G-Modem: Das Mobilfunkmodem arbeitet mit einer Standard-SIM-Karte. Allerdings erkannte das Tablet eine eingelegte SIM-Karte erst nach einem Neustart. Danach ist man aber schnell online: Im Menü sind die Zugangsinformationen für 17 deutsche Mobilfunkprovider hinterlegt – man muss nur den passenden auswählen. Die Surfgeschwindigkeit über HSDPA war ordentlich.

Außerdem bietet das WeTab WLAN und Bluetooth zum Anschluss an ein kabelloses Netzwerk. Das WLAN-Modul unterstützt WPA/WPA2-Verschlüsselung und merkt sich auch Funknetzwerke, mit denen es schon einmal verbunden war. Allerdings baut es die Verbindung zu bekannten Routern nicht automatisch auf, sondern erst nachdem man den „Verbinden"-Knopf drückt.

Software
Ein Basis-Software-Paket ist auf dem WeTab bereits vorinstalliert. Darunter finden sich ein Musik- und Videoplayer, ein Kalender und ein Adressbuch. Außerdem kann man mit dem WeTab vom Start weg Office-Dokumente wie Texte und Tabellen erstellen und bearbeiten, denn OpenOffice ist installiert. Als Ebook-Reader ist FbReader installiert: Allerdings kann das WeTab bei diesem Programm das Bild nicht ins Hochformat drehen. Als Ebook-Reader kann das WeTab daher nicht überzeugen. Dazu kommt, dass es derzeit noch keine Zeitungs- und Zeitschriften-Apps für das WeTab gibt.

Im Startmenü – der so genannten Pinnwand – befinden sich neben den Icons für die installierten Programme noch weitere Verknüpfungen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Apps, sondern nur um Links auf Webseiten, zum Beispiel Youtube. Ähnlich sieht es im WeTab Market aus: Im speziellen Online-Software-Angebot für das Tablet gibt es derzeit nur sehr wenige echte Programme, etwa den Acrobat Reader, den Google-Browser Chromium oder den Messenger Empathy. Fast alle anderen Angebote sind wieder nur Web-Links. Hier muss WeTab unbedingt noch nachbessern: Einen Zugriff auf den Android Market wird es zwar nicht geben, denn das WeTab erfüllt dafür nicht die Bedienungen von Google. Doch es soll möglich sein, auf andere Android-App-Verzeichnisse zuzugreifen. Außerdem wird das WeTab Zugriff auf Intels AppUp-Markt bekommen. Doch dort sind die meisten Apps noch auf Netbooks und nicht auf Tablets zugeschnitten.
Ob das WeTab schon bald mit mehr Software verpflegt wird, ist unklar: Ein Entwicklerkit für das Tablet wird es erst im Dezember geben.

Das WeTab unterstützt auch Multi-Tasking: In einem Menü zeigt das Tablet alle geöffneten Programm- und Browserfenster verkleinert an. So kann man sie bequem schließen oder zwischen ihnen wechseln.