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Das war 1999 - Oktober bis Dezember

30.12.1999
COMPUTERWOCHE-Jahresrückblick (4)

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Jahr-2000-Problem, der Microsoft-Prozeß, Compaqs Geschäftseinbruch, Fujitsus Computerfusion mit Siemens - das alles und noch viel mehr geschah im Jahr 1999, auf das wir im folgenden zurückblicken möchten (Teil 4).

OKTOBER

IBM und Direktanbieter Dell schließen einen Sechs-Milliarden-Dollar-Deal. Die Armonker sollen in den nächsten sieben Jahren die Unternehmenskunden des texanischen PC-Herstellers betreuen. Der IBM-Geschäftsbereich Global Services wird sich um Installations-, Reparatur- und Wartungsarbeiten bei den Dell-Kunden kümmern. Die Partnerschaft wurde gesucht, weil IBM eine international einheitliche Servicedienstleistung anzubieten hat, so die Erklärung der Dell-Verantwortlichen. Bestehende Verträge mit Servicepartnern wie Wang und Unisys würden jedoch weiter erfüllt. Das ist das zweite Milliardengeschäft zwischen beiden Konzernen in diesem Jahr. Bereits im März hatte Dell den Wettbewerber damit beauftragt, PC-Komponenten im Wert von 16 Milliarden Dollar zu liefern.

Intel kommt ins Schleudern. Der Prozessorhersteller mußte die für Ende September geplante Vorstellung des "Camino"-Chipsatzes ein zweites Mal verschieben. Grund: technische Probleme. Die für die Verwendung von Rambus-Arbeitsspeichermodulen notwendigen Bausteine weisen Fehler auf, die zu Datenverlusten führen könnten. Dieses Problem tritt dann auf, wenn alle drei Speicherbänke mit Modulen belegt werden. Das hätte zur Folge, daß der Speicherausbau in zwei Bänken auf 512 MB limitiert wird. Für Unmut sorgt diese Mitteilung bei Board-Herstellern, die bereits Tausende von Hauptplatinen mit drei Speicherbänken produziert haben. Auch unter den PC-Herstellern macht sich Verärgerung breit, da sich dadurch die bereits angekündigten Termine für die Auslieferung der neuen Rechnergeneration weiter nach hinten verschieben.

Intel-Chairman Andy Grove philosophiert über die Zukunft des Internets. In wenigen Jahren wird es keine Internet-Firmen mehr geben, weil dann alle Unternehmen E-Commerce betreiben werden, so die Einschätzung des Intel-Obersten. Die Chip-Company will schon im laufenden Jahr 42 Prozent ihres Umsatzes über das Internet abwickeln.

163 000 Mark verdient ein Multimedia-Chef pro Jahr. Damit erreichen die Gehälter in diesem Segment noch nicht IT-Niveau. Das ergab die jüngste Kienbaum-Vergütungsstudie. Allerdings können sich gefragte Spezialisten den Arbeitgeber immer noch aussuchen. Auf der anderen Seite herrscht in der Multimedia-Branche das altbekannte Chaos. Standards, was Ausbildung und Gehaltsstrukturen betrifft, liegen noch in weiter Ferne.

Revolution im Web: Der erste Netzaufstand der Geschichte ist von Erfolg gekrönt. Nachdem Tausende von IBM-Mitarbeitern einen neuen Pensionsplan des Unternehmens auf einer eigenen Web-Seite scharf kritisiert hatten, macht Big Blue zahlreiche Zugeständnisse an seine Belegschaft.

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Diese Binsenweisheit erfahren zahlreiche HP-Manager am eigenen Leib. Die erst seit wenigen Wochen amtierende Chefin Carleton Fiorina will einen neuen Konzern formen. Die ersten, die sie dabei ins Visier nahm, waren die Verkäufer im Server-Business. 250 Mitarbeiter mußten gehen beziehungsweise in eine andere Abteilung wechseln. In Zukunft sollen sich die Gehälter der Sales-Leute stärker an ihrer Verkaufsleistung orientieren. Bis zu 90 Prozent des Gehalts sollen davon abhängig gemacht werden.

Aus nach 40 Jahren: Die IBM-User-Group wird sich auflösen. Als Grund gab die Anwendervereinigung mangelndes Interesse von Herstellern und Usern sowie die geringe Teilnahme an Konferenzen an.

Sun will den Sourcecode seines Unix-Derivats "Solaris" freigeben. Allerdings wird der Schritt in die Open-Source-Gemeinde nur halbherzig vollzogen. Alle Änderungen am System müssen von Sun als Eigentümer von Solaris abgesegnet werden, und sobald aus den Entwicklungen ein kommerziell verwertbares Produkt entsteht, verlangt die McNealy-Company Lizenzgebühren. Vor diesem Hintergrund bewerten viele Analysten Suns Schritt als reine Marketing-Taktik, um Solaris eine breitere Basis zu verschaffen. Ungeklärt bleibt vorerst auch, wer die Rechte an den Solaris-Erweiterungen besitzen wird: Sun oder die Entwickler? Außerdem steht noch nicht fest, welche Teile des Sourcecodes offen gelegt werden sollen.

Das schwere Erdbeben in Taiwan läßt die IT-Branche aufstöhnen. Aber weniger wegen der 1750 Todesopfer als vielmehr aufgrund von Lieferausfällen: Die PC-Hersteller fürchten Produktionsausfälle in der taiwanischen Halbleiterindustrie, die auch die Preise wieder nach oben treiben könnten. Doch die Insel-Chinesen geben schnell Entwarnung. Obwohl zahlreiche Fabrikationsanlagen wie der Hsinchu-Industriepark nahe am Epizentrum lagen, sei es nicht zu schwereren Beschädigungen gekommen. Die Produktionsausfälle seien leicht zu verkraften.

Das Ergebnis der COMPUTERWOCHE-Vergütungsstudie ist da. Zum Teil bringt die in Zusammenarbeit mit der Uni Saarbrücken erarbeitete Untersuchung erstaunliche Ergebnisse. So verdient der zuvor teuer gehandelte Wirtschaftsinformatiker im Durchschnitt 25 Prozent weniger als der klassische Informatiker mit Zusatzausbildung. Großen Einfluß auf das Gehalt hat die Position in der Hierarchie. Wer ein paar Jahre Personalerfahrung nachweisen kann, verdient gut und gern zwischen 150 000 und 250 000 Mark im Jahr. Mitarbeiter ohne diese Erfahrung wie zum Beispiel Techniker müssen sich mit 130 000 Mark begnügen. Regional gesehen liegt München vom Gehaltsspiegel an der Spitze, gefolgt von Frankfurt. Die beiden Städte bilden die IT-Hochburgen Deutschlands.

SAP sucht nach Web-Strategie. Da mit dem Verkauf von Software kein großer Umsatz mehr zu machen ist, müssen neue Einnahmequellen her. Und die haben die Walldorfer im Applikations-Hosting-Geschäft ausgemacht. Aus diesem Anlaß wurde das Internet-Softwarehaus E-SAP.de gegründet, das ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Softwareschmiede sein wird. Auf der Systems 99 machte SAP deutlich, daß das Unternehmen in Zukunft seinen Fokus stärker auf Service und Beratung richten möchte.

Microsoft hält an seinem alten Geschäftsstiefel unbeirrbar fest. In einem Gespräch mit der COMPUTERWOCHE zeigt sich Microsoft-Chef Bill Gates völlig unbeeindruckt vom immer stärker werdenden Druck von Seiten der Open-Source-Gemeinde. Microsoft werde sein Geschäftsmodell mit Lizenzgebühren beibehalten, auch wenn die Nutzung der Programme via Internet läuft. Gates betont, es gebe prinzipiell keine Unterschiede zwischen Microsoft und Unternehmen wie Red Hat. "Das sind genauso Softwarefirmen wie wir, Anwender müssen für ihre Produkte ebenfalls bezahlen." Keinen Zweifel will er daran lassen, daß die Microsoft-Produkte ebenfalls für das Geschäft mit Application-Service-Providing (ASP) geeignet seien.

3Com kann einen ersten Erfolg seiner aggressiveren Lizenzierungspolitik für das Palm-OS-Betriebssystem verzeichnen. Nokia wird das System für seine zukünftige Handy-Generation in Lizenz nehmen. Einen Interessenkonflikt befürchtet der skandinavische Hersteller nicht, der zugleich Mitglied von Symbian ist, das auf Basis des Palm-OS-Konkurrenten "Epoc 32" neue Handy-Betriebssysteme entwickelt. Nokia will beide Systeme einsetzen. Grundlage der neuen Handy-Generation soll Epoc 32 sein. Darauf soll ein modifiziertes Palm-OS laufen. Der Handy-Hersteller favorisiert in erster Linie die kompaktere Benutzeroberfläche des Palm-Betriebssystems, die sich leichter auf den kleineren Displays der Mobiltelefone integrieren läßt. Diese Nachricht ist ein weiterer Rückschlag für Microsoft und dessen Handheld-Betriebssystem Windows CE. Auch die Redmonder haben gehofft mit dem Schmalspur-Windows im Handy-Markt landen zu können. "Für Microsoft wird es schwer", glaubt IDC-Analyst Alison McKenzie.

Messen sind schlichtweg zu teuer. Das glauben laut einer Umfrage des Emnid-Instituts 72 Prozent aller Aussteller. Allerdings zahlten sich diese Investitonen meist auch wieder aus. Nach Meinung vieler Unternehmen sind Messen das zweiteffektivste Kommunikationsinstrument auf Business-to-Business-Ebene. Nur das persönliche Verkaufsgespräch sei noch effektiver, so das Ergebnis der Umfrage.

Die Übernahmewelle erreicht die Netzwerkbranche. Die kanadische Netz-Company Nortel Networks übernimmt für 2,1 Milliarden Dollar die Softwareschmiede Clarify, einen Anbieter von Customer-Relationship-Management-(CRM-)Software. Selbst für Insider kommt diese Nachricht völlig überraschend. Rätselraten herrscht vor allem darüber, welche Strategie Nortel mit diesem Deal verfolgt, insbesondere da die Kanadier über eine eigene Call-Center-Lösung verfügen. Ferner überrascht der hohe Kaufpreis. Peoplesoft, das sich vor wenigen Wochen mit Vantive einen anderen CRM-Anbieter gegönnt hat, mußte nur 433 Millionen Dollar auf den Tisch legen.

Um die BS2000-Sparte von Fujitsu-Siemens kursieren böse Gerüchte in der Branche. Immer wieder werden Spekulationen laut, der frisch fusionierte Hersteller werde den eigenen Mainframe-Bereich sterben lassen und in das S/390-Lager wechseln. Fujitsu-Siemens versucht die Bedenken zu zerstreuen. "Wir stehen zu unserem BS2000-Kurs", sagt Herbert Schweikl, Verantwortlicher für die Produkt-Kommunikation. Außerdem arbeite man zur Zeit zusammen mit Anwendervertretern an einer Drei-Jahres-Roadmap für die BS2000-Plattform. Darüber wissen jedoch nur wenige Anwender Bescheid.

Die Schatten des Jahrtausendwechsels lasten weiter auf den Hardwareherstellern. So klagt IBM über einen kräftigen Dämpfer für seinen seit Jahren andauernden Aufschwung. Big Blue überrascht die Branche mit einer Gewinnwarnung für das laufende und das kommende Quartal. Den Grund für diese Misere sehen die Armonker im Jahrtausendwechsel. So seien momentan viele Kunden mit drohenden Y2K-Problemen beschäftigt und hätten keine Zeit für neue Projekte, die den Geldfluß wieder in die Kassen von Big Blue umleiten würden. Besondere Sorgen bereite die andauernde Schwäche im Hardwaregeschäft, klagt IBM-CEO Louis Gerstner. Demgegenüber konnten der Software- und der Servicebereich gesunde Umsätze verbuchen. Analysten rechnen jedoch damit, daß Big Blue im Jahr 2000 wieder dicke Gewinne einfahren wird. Die momentanen Schwierigkeiten seien nur temporärer Natur.

Intel überschwemmt den Markt mit einer Flut neuer Pentium-III-Prozessoren. Mit neun CPUs für den Desktop-Markt sowie je drei für Mobilrechner und Server meldet sich die Chipschmiede aus Santa Clara eindrucksvoll zurück. Mit dem auf 733 Megahertz getakteten Pentium-III-Prozessor übernehmen die Kalifornier auch wieder die Führung im Rennen um den schnellsten Chip im PC-Markt.

Die Systems ist aus ihrem Tief heraus. Nach den Problemen Mitte der 90er Jahre kann die Messe auf dem neuen Gelände in München-Riem Rekordzahlen vermelden. 2700 Aussteller und 136 000 Besucher fanden den Weg dorthin. Eine Umfrage des Veranstalters ergibt, daß 89 Prozent des Publikums und immerhin noch 75 Prozent der Aussteller die Messe mit "gut" bis "ausgezeichnet" bewerteten. Vereinzelt ist Kritik an der Organisation zu hören. So seien einige Stände zu spät fertig geworden, klagen manche Hersteller. Mit den Besuchern zeigen sich die Hersteller sehr zufrieden. Zwar erreiche der Publikumsansturm bei weitem nicht das Niveau der CeBIT, die Qualifikation der Besucher sei aber sehr gut. Auf besonders reges Interesse stießen die so genannten Fokustage, von denen jeder unter einem bestimmten Motto stand. Insbesondere der Jobtag am Montag löste einen regelrechten Run auf die Stände aus. Im Zentrum stand dabei die Kontaktbörse der COMPUTERWOCHE "Job & Karriere".

NOVEMBER

Im Softwaregeschäft herrschen rauhe Sitten. Das bekommen Anfang November vor allem die Novell-Kunden zu spüren. Das Unternehmen kündigt an, die Preise für die älteren Versionen seines Netz-Betriebssystems Netware 3 und 4 um bis zu 17 Prozent anzuheben. Ziel dieser Strategie: Die Anwender sollen dazu gedrängt werden, gleich auf die neueste Netware-Version 5 umzusteigen. Horst Nebgen, Chef der deutschen Novell-Niederlassung wiegelt ab: "Das ist nicht unser primäres Ziel, allerdings sind wir nicht traurig, wenn sich dieser Effekt einstellt." Novell wolle mit der neuen Preispolitik ein vereinfachtes Lizenzmodell installieren, lautet die schwammige Rechtfertigung für die Preiserhöhungen.

Toshiba hat Ärger. Ein Fehler im Floppy-Controller seiner Notebooks kommt den japanischen PC-Hersteller teuer zu stehen. Eine Sammelklage von US-Kunden will der Konzern mit einer Vergleichszahlung von zwei Milliarden Dollar abwenden. Der Fehler könnte im schlimmsten Fall zu Datenverlusten führen, argumentieren die Kläger. Besonders ärgerlich dabei: Der Fehler ist bereits seit Jahren bekannt. Doch offensichtlich sah sich beim Hersteller keiner dafür zuständig, etwas zu ändern. Toshiba versucht den Skandal mit dem Hinweis darauf einzugrenzen, daß der Fehler praktisch nie auftrete.

Nur noch wenige Wochen bis zum Silvesterabend. Im letzten Moment versucht die Bundesregierung noch etwas in Richtung Y2K-Problemlösung zu bewegen. Zehn Millionen Broschüren, die allen großen Regionalzeitungen beiliegen werden, sollen die Leser aufklären. Doch mehr als Allgemeinplätze hat das Papier nicht zu bieten. Informationen über die DV-Sicherheit bei Energieversorgern oder Krankenhäusern beruhen auf Eigenaussagen oder Stellungnahmen der Hersteller. Tests gab es nur in sehr wenigen Fällen. Die Kosten dafür seien zu hoch, heißt es lapidar. Ob ein paar Info-Nummern und der Hinweis auf eine Web-Seite noch großartig etwas bewegen werden, darf bezweifelt werden.

Über der Softwarebranche schwebt das Application-Service-Provider-(ASP-)Gespenst. Selten wurde ein Softwarekonzept kontroverser diskutiert. Die Hersteller wollen alle mit an Bord sein und verkünden im Wochenrhythmus neue Produkte und Allianzen. Die Marktforscher sind sich uneins, wie das neue Konzept zu bewerten ist. Während die Gartner Group für das Jahr 2003 ein Marktvolumen von 22,7 Milliarden Dollar voraussagt, begnügt sich die International Data Corp. (IDC) mit zwei Milliarden Dollar. Auch bei den Anwendern herrscht noch Skepsis. Viele Firmen wollen ihre unternehmenskritischen Daten nicht so ohne weiteres an Dienstleister auslagern - und wenn, dann bitte nur auf den eigenen Maschinen. Man darf gespannt sein, wie sich dieses Modell im nächsten Jahr entwickelt.

Der Riese wankt. In seiner Tatsachenfeststellung (Finding of Facts) kommt Richter Thomas Jackson zu dem Schluß, Microsoft habe sich im Markt für Betriebssysteme ein Monopol verschafft und seine Macht gegenüber Kunden und Verbrauchern mißbraucht. Damit entspricht Jackson im Wesentlichen den Vorwürfen der Anklage, die sich aus dem US-Justizministerium und 19 US-amerikanischen Bundesstaaten zusammensetzt. Die Forderungen der Kläger reichen von Geldstrafen über die Freigabe des Windows-Sourcecodes bis hin zur Zerschlagung des Konzerns. Microsoft versucht, Jacksons Äußerungen herunterzuspielen. Dabei handle es sich nur um den ersten Schritt in einem andauernden juristischen Prozeß, so Firmenchef Bill Gates. Die am 5. November vorgelegten Findings of Facts gelten nicht als abschließendes Urteil, sondern lediglich als Tatsachenfeststellung. Allerdings geben sie eindeutige Hinweise darauf, in welche Richtung das Urteil ausgehen wird.

Aus für Packard Bell. Der traditionsreiche PC-Hersteller wird vom japanischen Mutterkonzern NEC fallengelassen. Mit dieser Maßnahme ziehen die Japaner die wirtschaftliche Notbremse. Der hoch verschuldete Hersteller, der noch vor wenigen Jahren ganz oben in der Gunst der Kunden stand, hat in den letzten Jahren kontinuierlich Verluste gemacht. In den USA soll die Produktion komplett eingestellt und ein Großteil der Mitarbeiter entlassen werden. Der europäische Geschäftsbereich sei vorerst nicht betroffen, heißt es in der Stellungnahme aus Tokio.

Krisenstimmung in der DVD-Industrie. Norwegische Hacker haben den sorgsam gehegten Verschlüsselungscode geknackt. Schuld daran ist eine Schlamperei des Softwareherstellers Xing Technologies. Das Unternehmen hat es versäumt, einen Abspielschlüssel zu sichern. Mit diesem Schlüssel gelang es den Hackern, weitere Codes zu knacken. Die Filmindustrie hat nun ein ernsthaftes Problem, gibt ein Sony-Sprecher zu. Mit den Ländercodes konnte die Industrie die DVD-Freigabe von Filmen weltweit zeitlich steuern. Insider vermuten jedoch, daß die Hersteller sogar Vorteile aus dem geknacken Code ziehen könnten. So dürfte der Markt für DVD-Player durch Filmpiraten einen kräftigen Anschub erfahren, so die Einschätzung von Branchenkennern.

Der COMPUTERWOCHE-Wettbewerb "Anwender des Jahres" hat einen Sieger. Nach einer Analyse durch die Gartner Group gebührt der Siegerkranz der Herlitz PBS AG. Insgesamt 30 Unternehmen hatten sich den Benchmark-Tests der Marktforscher gestellt. In der knappen Entscheidung überzeugte letztendlich die umfassende DV-Strategie der Berliner. Dem Unternehmen sei es gelungen, Geschäftsvorgänge beim Kunden mit der eigenen Informationstechnologie zu verknüpfen und so einen optimalen Materialfluß zu gewährleisten, so die Laudatio der unabhängigen Richter.

Es ist nicht alles E-, was glänzt. Auf ihrem 11. Europa-Symposium "IT Expo 99" in Cannes warnen die Analysten der Gartner Group vor überzogenen Erwartungen im E-Business. Zwar gingen alle Strategien, Trends und Technologien in diese Richtung, aber viele der momentan noch so hochgejubelten Dot.coms verschwänden wieder vom Markt und viele der ehrgeizigen E-Business-Projekte scheiterten kläglich, so die Analysten.

Baan is back. Mit E-Commerce-Produkten, Supply-Chain-Management-(SCM-) sowie Front-Office und ERP-Lösungen klopft die Softwareschmiede Baan wieder an die Tür der ersten Liga. Doch angesichts magerer Umsatzzahlen und hoher Verluste hängen die goldenen Äpfel für die Niederländer momentan noch zu hoch, glauben viele Insider. Die Hoffnungen des kränkelnden Unternehmens richten sich in erster Linie auf E-Commerce-Produkte. Doch hier bekommt es Baan mit Gegnern wie SAP und Oracle zu tun, die ebenfalls auf diesen Zug aufgesprungen sind. Das schlechte Image will die niederländische Software-Company mit einer 50 Millionen Dollar teuren Marketing-Kampagne aufpolieren.

Happy Birthday! Die COMPUTERWOCHE wird 25 Jahre alt. Anläßlich eines Vierteljahrhunderts Berichterstattung aus der IT-Branche lädt die COMPUTERWOCHE zum großen Kongreß. 300 Teilnehmer erörtern bei "IT meets Business" Fragen und Probleme von Herstellern wie Anwendern. Fragen, ob deutsche Manager die E-Business-Revolution verschlafen haben oder ob IT- und Business-Manager nach wie vor aneinander vorbeireden, werden heftig und sehr kontrovers diskutiert.

Mannesmann in Gefahr. Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone Airtouch rüstet zur feindlichen Übernahme von Mannesmann. Nachdem die Mannesmann AG ein Übernahmeangebot der Briten abgelehnt hat, rechnet die Branche nun mit dem Versuch einer feindlichen Übernahme. Diese dürfte Vodafone nach Aussage von Insidern die Kleinigkeit von 117 Milliarden Euro kosten. Doch die Düsseldorfer wehren sich mit Händen und Füßen. Zu Hilfe kommt dem Konzern eine patriotische Aktionärshaltung. Appelle, die Papiere nicht herauszurücken, zeigen Wirkung. Der Übernahmeversuch scheitert. Mannesmann bleibt fest in deutscher Hand.

Freispruch für Ex-Compuserve-Chef Felix Somm. Das Urteil des Münchner Landgerichts läßt die Internet-Service-Provider aufatmen. Der Vorwurf der bewußten Verbreitung pornografischer Inhalte sei nicht aufrechtzuerhalten, erklärt der Richter in seiner Urteilsbegründung. Somm sei nicht für die Inhalte verantwortlich zu machen, zu denen er lediglich den Zugang hergestellt habe. Damit wird das erste Urteil, das Somm zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und 100 000 Mark Geldstrafe verdonnerte, außer Kraft gesetzt. Mit dem Urteil folgt das Gericht den einträchtigen Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Sachverständige hatten zuvor argumentiert, das Internet sei nicht mehr kontrollierbar. Darin liege jedoch auch eine große Gefahr, warnt der Richter.

Auch die Großen in der Branche sind gegen Viren nicht gefeit. Dell muß seine irische Fabrikationsanlage für fünf Tage herunterfahren, nachdem ein Virus 500 Maschinen lahmgelegt hat. Der Direktanbieter produziert im irischen Cork 12 000 PCs am Tag.

Der PC ist tot - lang lebe der PC! Die Aussteller auf der diesjährigen Comdex präsentieren verschiedene bunte, nett verpackte Rechner und versuchen diese unter dem Motto: "Das ist das neue Internet-Rechner-Modell!" an den Mann zu bringen. Doch im Grunde bleibt alles beim Alten. Im Innern der Computer arbeiten die gewohnten Komponenten, und nach dem Einschalten strahlt dem Anwender der gewohnte Windows-Dektop entgegen. Viel Neues haben die Großen der Branche nicht zu bieten. Die CEOs philosophieren über die Zukunft des Internet und dessen Bedeutung für die ganze Menschheit. Allerdings bleibt es vorerst bei Lippenbekenntnissen. Jetzt ist es an den Herstellern, zu beweisen, daß wirklich ein neues Computerzeitalter anbricht.

Im Anti-Trust-Verfahren gegen Microsoft hat Richter Thomas Jackson überraschend einen Vermittler beauftragt, eine außergerichtliche Einigung herbeizuführen. Richard Posner, Vorsitzender des Bundesberufungsgerichts in Chikago soll zwischen den Fronten vermitteln. Damit bestätigt sich der Eindruck, daß Jackson darauf baut, die Parteien könnten sich außergerichtlich einigen. Beide Seiten begrüßen Posners Berufung. Währenddessen verstärkt sich der Druck auf Microsoft weiter. Drei kalifornische Anwälte haben eine Sammelklage gegen die Softwareschmiede eingereicht.

DEZEMBER

Droht den deutschen Kliniken zum Jahreswechsel der DV-Kollaps? Obwohl die Krankenhäuser immer wieder beteuerten, ihre Computer seien auf den Jahrtausendwechsel bestens vorbereitet, befürchten Experten das Gegenteil. Jörg Robbers, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft reagiert auf Nachfragen sehr aggressiv, nachdem er zuvor ein eher rosiges Bild der Vorbereitungsarbeiten gezeichnet hat. Gerhard Brink, Y2K-Spezialist von Unisys, malt ein düsteres Bild, was die Silvesternacht in deutschen Krankenhäusern betrifft: "Da sieht es schlimm aus. Die meisten Kliniken sind sich des Problems viel zu spät bewußt geworden." Viele Verantwortliche hätten sich nur mit der Gesundheitsreform beschäftigt und für andere Probleme kein Ohr gehabt.

Fujitsu-Siemens verkauft seine Paderborner Server-Produktion an den US-Auftragsfertiger Flextronics. Flextronics übernimmt demnach die komplette Fertigung und Logistik einschließlich der 630 Mitarbeiter. Als Grund für den Verkauf nennen die Verantwortlichen die mangelnde Auslastung des Werks. "Wir konnten auf lange Sicht keine wirtschaftliche Fertigung mehr in Paderborn garantieren," erklärt Robert Hoog, President für den Bereich Product and Supply Operations bei Fujitsu-Siemens. Außerdem gibt Siemens bekannt, das gesamte Computergeschäft in den USA an die Fujitsu-Tochter Amdahl zu übergeben.

Microsoft macht Ernst. Obwohl vielfach dementiert, will die Redmonder Softwareschmiede nun doch für die zukünftigen Versionen ihres Windows-Betriebssystems einen Kopierschutz einführen. Die OEM-Versionen sollen mit einem integrierten Schutzmechanismus an den dafür vorgesehenen Rechner gekoppelt werden. Der Kunde bekommt statt der vollwertigen Windows-CD nur eine Recovery-CD, mit der er Schäden am System beheben kann. Microsoft will mit dieser Maßnahme verbotene Geschäfte mit OEM-Lizenzen unterbinden. In der Vergangenheit hatten Händler wiederholt OEM-Lizenzen, die eigentlich an den Verkauf eines PCs gebundelt sind, frei verkauft.

SAP sagt Oracle den Kampf an. War bislang die Oracle-Datenbank der favorisierte Informationsspeicher für die Walldorfer Softwareschmiede, soll in Zukunft IBMs "DB2 Universal Database" diesen Platz einnehmen. Ein weltweites Vertriebs-, Marketing-, und Entwicklungsabkommen soll die Allianz untermauern. Big Blues Datenbank wird in erster Linie im Umfeld der neuen Internet-Produkte "Mysap.com" von SAP zum Einsatz kommen. Es sei jedoch nicht beabsichtigt, Kunden, die Oracle-Datenbanken in Betrieb haben, zu einer Migration auf IBM-Produkte zu bewegen, erklärt Stephan Rossius, Leiter des SAP IBM Competence Center. SAP-Kenner Helmuth Gümbel interpretiert diesen Schritt auch als Seitenhieb gegen Oracles Boß Larry Ellison, der zur Zeit in den USA Stimmung gegen SAP mache.

Eine schöne Weihnachtsbescherung hält Compaq für seine Distributoren parat. Der texanische PC-Hersteller plant, in Zukunft seine Produkte unter Umgehung des Distributionskanals direkt via Internet zu verkaufen. Das gilt für Privat- wie für Geschäftskunden. Die Lieferung der Produkte soll über einen noch nicht bestimmten Logistikpartner abgewickelt werden. Schwindende Margen zwangen Compaq das bestehende Geschäftsmodell zu überdenken. Der Zeitplan sieht vor, daß Kunden ab dem dritten Quartal 2000 direkt auf Compaqs Web-Seite einkaufen können. Compaqs Partner schauen erst einmal in die Röhre. Nach dem Willen der Texaner soll dieser Kanal nicht mehr daran verdienen, Hardware durchzuschleusen. Neue Einnahmequelle des ehemaligen Distributionskanals sollen Dienstleistungen und Auftragsakquise sein.

Jetzt wird es Ernst. Nur noch wenige Tage bis Silvester. IT-Manager, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, müssen mit Konsequenzen rechnen. Der IT-Chef haftet für Schäden, die durch Y2K-Probleme entstehen, wenn ihm grob fahrlässiges Handeln nachgewiesen werden kann. Dies muß nicht einmal explizit im Arbeitsvertrag festgelegt sein. Wenn er grob fahrlässig handelt, verletzt er seine Fürsorgepflicht gegenüber seinem Arbeitgeber, erläutert Rechtsanwalt Jürgen Schneider. Deshalb gilt: Wer bis jetzt Däumchen gedreht hat, muß bis Silvester nachsitzen, will er seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen.

R/3-Panne bei VW. Der Automobilhersteller ist aufgrund einer Softwarepanne während der vergangenen Wochen nicht in der Lage, Ersatzteile auszuliefern. Die Einführung von R/3 im Ersatzteillager Kassel geht gründlich in die Hose. Statt weniger Tage brauchen Bestellungen zum Teil mehrere Wochen, bis sie abgewickelt werden. Federführend bei der R/3-Einführung war Andersen Consulting. Die genaue Ursache der Panne, konnte bislang noch nicht genau eingegrenzt werden. SAP weist Fehler in der Software weit von sich. Bei Andersen spricht man von den üblichen Anlaufschwierigkeiten. Prinzipiell funktioniere ja alles, so die laxe Antwort eines Pressesprechers.

IBM plant den Umbau seiner Server-Sparte. Alle fünf Plattformen sollen zukünftig unter einem Dach zusammengefaßt werden. Dem Umbau werden einige hundert Stellen zum Opfer fallen. Mit dieser Maßnahme reagiert Big Blue auf stagnierende Zahlen im Server-Markt. Der Hersteller hält sich vorerst noch sehr bedeckt, was Informationen zu diesem Thema anbetrifft.

Der PC an der Tankstelle. Auch BP will sich am lukrativen Computergeschäft beteiligen. Neben Diesel und Bleifrei super gibt es im Vorweihnachtsgeschäft an den 431 Tankstellen auch PCs, Monitore, Handhelds und Drucker. Damit erobern die Tankstellenshops, die mittlerweile deutschlandweit die höchsten Umsätze pro Quadratmeter erzielen, eine weitere Domäne des herkömmlichen Einzelhandels.

Jetzt, kurz vor Weihnachten, läuft der Countdown für die Vorbereitungen auf mögliche Y2K-Probleme ab. Wer bislang noch nicht aktiv geworden ist, braucht 14 Tage vor der Deadline auch nicht mehr anzufangen. Da hilft nur noch hoffen und beten.