Gartner-Studie

Das SOA-Wachstum schwächt sich ab

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Gartner konstatiert einen "dramatischen Rückgang" der Unternehmen, die zum ersten Mal eine SOA planen und einführen wollen.

Das amerikanische Marktforschungs- und Beratungshaus stützt sich auf mehrere internationale Umfragen unter Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern. Demnach wollen nur noch 25 Prozent erstmals eine Service-orientierte Architektur (SOA) aufbauen. Im Jahr 2007 lag der Wert noch bei 53 Prozent. Dazu passt, dass sich die Zahl der Unternehmen, die keinerlei SOA-Pläne verfolgen wollen, im Jahresvergleich von sieben auf 16 Prozent mehr als verdoppelt hat.

Gartner organisiert die SOA-Studie bereits seit fünf Jahren. Zum ersten Mal seien die Wachstumszahlen nun zurückgegangen, erläuterte der Analyst Dan Sholler: "Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmen, die aus unterschiedlichen Gründen im nächsten Jahr nichts in Sachen SOA unternehmen wollen." Vor allem zwei Gründe sprechen aus Sicht der Befragten gegen ein SOA-Engagement: der Mangel an qualifizierten Experten und das Fehlen eines tragfähigen Business Case (siehe auch: Wie sich SOA-Projekte rechnen). Vielen Unternehmen sei nicht klar, wie sie die wirtschaftlichen Vorteile einer SOA darstellen können, so Sholler. Er beobachte diesbezüglich eine gewisse "Konfusion" unter den Verantwortlichen. Eine nicht ganz unbedeutende Rolle dürfte nach seiner Einschätzung aber auch die schwierige gesamtwirtschaftliche Situation in den Überlegungen der Entscheidungsträger spielen.

Generell sind Unternehmen laut der Studie vorsichtiger geworden, wenn es um das Thema SOA geht. Mit zunehmender Erfahrung gelinge es ihnen besser, Aufwendungen und Nutzen von SOA-Initiativen gegeneinander abzuwägen. Häufiger als bisher falle die Entscheidung auf dieser Grundlage gegen ein SOA-Engagement.

Gegenwärtig nutzen 53 Prozent der Befragten zumindest in Teilen ihrer Organisation eine Service-orientierte Architektur. Weitere 25 Prozent planen dies innerhalb der nächsten zwölf Monate. Rund 16 Prozent haben demgegenüber keinerlei SOA-Ambitionen. Immerhin rund 20 Prozent sind dabei, eine Even-driven Architecture (EDA) aufzubauen; weitere 20 Prozent verfolgen entsprechende Pläne. Immer häufig setzen IT-Verantwortliche in ihren SOA-Vorhaben auf moderne Entwicklungsumgebungen. Laut Sholler zählen dazu etwa Java- oder Microsofts .NET-Frameworks, aber auch Skriptsprachen wie Perl, Python, PHP oder Ruby.

Die Verbreitung von SOA-Konzepten ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt, so ein weiteres Studienergebnis. Europäische Unternehmen liegen demnach mit einem "nahezu durchgängigen" Einsatz deutlich vor nordamerikanischen Firmen. In Asien fänden sich dagegen nur halb so viele SOA-Installationen wie in anderen Regionen.

Mehr zum Thema SOA finden Sie im CW-Experten-Blog SOA meets BPM.