75 Prozent CGI

Das sind gar keine Fotos im Ikea-Katalog

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Ikea ist vermutlich das fähigste Special-Effects-Studio der Welt.

Oder haben Sie bemerkt, dass drei von vier Dingen, die im neuen Ikea-Katalog abgebildet sind, nicht mehr von der Wirklichkeit abgelichtet sind? Dass es sich um am Computer generierte Bilder (Computer Generated Imagery, kurz CGI) handelt und nicht länger um Fotos?

Das Bild von 'Bertil' war 2006 Ikeas erste CGI im Katalog.
Das Bild von 'Bertil' war 2006 Ikeas erste CGI im Katalog.
Foto: Ikea

Bereits 2006 hatte Ikea ein erstes computergeneriertes Bild im Katalog, und zwar von dem Kiefernholzstuhl "Bertil", berichtet "Fast Company". 2012 kam laut "Wall Street Journal" dann schon ein Viertel der Katalogbilder aus dem Computer statt aus der Kamera. Und mittlerweile sind es schon 75 Prozent.

Der Fachdienst "CGSociety" hat kürzlich einen ausführlichen Bericht über Ikeas In-house-Produktionsstudio veröffentlicht - mit interessanten Details, die erahnen lassen, warum Ikeas Computerbilder so fotorealistisch wirken: Gerendert werden die 25.000 Modelle in Ikeas Möbel- und Ausstattungsdatenbank in 4000 x 4000 Bildpunkten; Texturen werden in der wirklichen Welt gescannt und dann im Maßstab 1:1 (und nicht irgendwie komprimiert) auf die virtuelle Entsprechung übertragen.

Ob dieses Bild im Computer gerendert oder fotografiert wurde? Wir wissen es nicht...
Ob dieses Bild im Computer gerendert oder fotografiert wurde? Wir wissen es nicht...
Foto: Ikea

Nach Angaben des zuständigen IT-Managers Martin Enthed ist es vor allem moderne Raytracing-Technik, deren Beleuchtungs- und Lichteffekte die CGI-Illusion so überzeugend machen. Den internen Umstieg binnen nur acht Jahren habe ein interdisziplinärer Ansatz ermöglicht - anfangs lernten die CG-Künstler Studiofotografie und die Fotografen arbeiteten sich in 3D-Rendering-Software ein. Das Ergebnis sind inzwischen am Computer erzeugte Bilder, die trotzdem nicht kalt oder leblos wirken.