RZ-Entwicklung im Wandel

Das sind die Anforderungen an ein Rechenzentrum der Zukunft

Dr. Ferri Abolhassan ist promovierter Informatiker, langjähriges Mitglied der Geschäftsführung und Leiter der IT Division der T-Systems International GmbH. Als Autor und Herausgeber einschlägiger Fachliteratur befasst er sich mit den aktuellsten Trends innerhalb der Branche und berichtet aus der Praxis – so u. a. in Hinblick auf die Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien in der Industrie.
Um optimale Bedingungen für eine leistungsstarke und zukunftssichere IT im Rechenzentrum zu schaffen, müssen Entwickler folgende Aspekte im RZ-Bau berücksichtigen.

Rechenzentren sind die Basis der IT. Sie sind die Biotope, in denen moderne Server- und Rechenanlagen den digitalen Betrieb ganzer Länder aufrechterhalten. Doch dieser Betrieb wird immer komplexer. Die Anforderungen an die Rechenzentren steigen mit der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft. Entscheidend ist, ob es auch in Zukunft gelingt, optimale Bedingungen für eine leistungsstarke IT zu schaffen.

Die Infrastruktur eines Landes besteht aus Strom- und Telefonnetzen, der Energieversorgung, dem Straßen-, Schienen- und Luftverkehr und unzähligen anderen Dingen. Sie ist nicht nur die Grundlage für eine stabile Wirtschaft, sondern zugleich selbst ein bedeutender Teil dieser. Die gesamte Wirtschaft ist mittlerweile abhängig von IT-Infrastrukturen. Dabei nutzen mehr als 30 Prozent der mittleren und großen Unternehmen bereits heute Cloud Computing für Dokumentenmanagement und Geschäftssoftware. Tendenz steigend.

Ohne eine funktionierende Infrastruktur steht das Land still. Dasselbe trifft inzwischen auch auf die IT zu: Ausfälle oder Störungen von IT-Systemen haben massive wirtschaftliche Folgen innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette. Diese reichen von einigen Tausend Euro bei kleinen Unternehmen bis zu mehreren Millionen Euro beim Wertpapierhandel. Auch deshalb kamen die Innovationsforscher von Borderstep 2014 zu dem Schluss, Rechenzentren als Basis der IT seien mittlerweile eine völlig unverzichtbare Infrastruktur, vergleichbar mit dem Stromnetz oder mit Verkehrswegen. Ihre Betreiber stehen nun vor der Aufgabe, den sich ständig wandelnden, zunehmend komplexen Anforderungen der Wirtschaft gerecht zu werden.

In Sachen IT sind diese Anforderungen klar: Neben der Kosteneffizienz haben vor allem Ausfall- und Datensicherheit, Datenschutz, volle Skalierbarkeit und die Verfügbarkeit von Daten und Systemen absolute Priorität. Gleichzeitig gewinnen Fragen zur Nachhaltigkeit angesichts steigender Energiekosten auch im Rechenzentrumsbetrieb immer mehr an Bedeutung. Um den geeigneten Rahmen für eine leistungsstarke IT zu bieten und für die Zukunft gerüstet sein, müssen heutige Rechenzentren all diese Aspekte in sich vereinen. Es reicht nicht aus, nur die aktuellen Pflichtanforderungen zu erfüllen.

Smart: Der Zukunft gewachsen durch Modularität und Automatisierung

Beim Bau eines Rechenzentrums müssen deshalb bereits heute die Grundlagen geschaffen werden, um künftigen IT-Anforderungen bei der Digitalisierung der Wirtschaft unmittelbar begegnen zu können. Hierfür entscheidend sind ein modularer, in allen Komponenten flexibler Aufbau sowie automatisierte Strukturen und Prozesse. Als Plattform angelegte IT-Architekturen sorgen dafür, dass notwendige Änderungen auch ohne grundlegende Eingriffe in die Infrastruktur des Rechenzentrums schnell und effizient implementiert werden können. Insbesondere die künftig noch viel rasanter steigenden IT-Lasten machen einen solchen anpassungsfähigen Aufbau als Plattform notwendig.

Einer der wichtigsten Treiber dieser Entwicklung ist Cloud Computing, das Borderstep zufolge weiterhin an Bedeutung gewinnen wird: Allein mit Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS) sollen bereits im Jahr 2016 mehr als sechs Milliarden Euro in Deutschland umgesetzt werden. Noch 2012 lag diese Zahl bei gerade einmal einer Milliarde. Moderne Rechenzentren müssen in der Lage sein, dieses Wachstum - also diese Inanspruchnahme durch die Wirtschaft - mitzutragen. Das bedeutet: Sie müssen bereits heute in Dimensionen geplant sein, die erst in Zukunft benötigt werden. Und genau wie die Cloud müssen sie voll skalierbar sein, um jegliche Transformationsgröße zu bewältigen.

Hersteller berücksichtigen immer mehr diese Anforderungen und bieten Lösungen, die schon mit 150 virtuellen Maschinen arbeiten, aber schnell auf 500 virtuelle Maschinen aufzurüsten sind und Cloud-Dienste vom Infrastructure-as-a-Service (IaaS) bis Software-as-a-Service (SaaS) bieten. Dabei dürfen diese Rechenzentren jedoch weder an Effizienz verlieren noch an Wirtschaftlichkeit einbüßen. Dieser Balanceakt kann nur auf Basis einer ausgeprägten Modularität und Plattform-Architektur gelingen.

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CHaertl

Welche dubiosen Sponsoren haben denn diese "Studie" bezahlt!!! Was da im Ranking über Südkorea steht, ist überwiegend falsch und leicht widerlegbar: 1) "Gefahr von Fluten und Wirbelstürmen": Nur an ganz wenigen bekannten Stellen gibt es Überflutungsgefahr, und man muss ja sein RZ nicht in das ausgetrocknete Flussbett eines gebirgigen Nationalparks stellen! Wirbelstürme??? Japanische Taifune touchieren alle 10 Jahre mal nennenswert die Südostspitze des Landes, lächerlich wenig im Vergleich zu den Verwüstungen in D oder in den USA. 2) "der Konflikt mit dem nördlichen Nachbarn (sorgt) für chronische Unruhe"??? - Seit Ende der 90er gibt es da nur "strategisch-verbale Unruhe", faktisch ist die Lage viel sicherer und entspannter als in vielen anderen von Terrorismus gefährdeten Länder Europas. "Energieversorgung auf wackligen Beinen"??? Einmal, im Sept 2011, gab es einen von KEPCO herbeigeführten, gesteuerten Blackout für wenige Stunden und ein Bruchteil des Landes. Da haben die USA weitaus massivere Probleme.

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