Michael Schulte, Capgemini

"Das SaaS-Geschäft ist noch sehr gering"

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Eine wachsende Präsenz indischer Provider sowie neue Trends krempeln den IT-Markt um. Michael Schulte, Sprecher der Geschäftsführung der Capgemini Deutschland Holding, erläutert CW-Redaktuer Joachim Hackmann die Auswirkungen auf das Consulting-Geschäft.
Michael Schulte: " Capgemini ist auch ein Cloud-Anbieter."
Michael Schulte: " Capgemini ist auch ein Cloud-Anbieter."
Foto: Capgemini

CW: Wie verläuft das Geschäft im deutschen IT-Servicemarkt?

Schulte: In Deutschland entwickelt sich der Markt stabil bis leicht wachsend. Die Nachfrage ist insgesamt konstant, wir spüren weder etwas von einer Krise noch einer Sonderkonjunktur aufgrund der verhältnismäßig guten allgemeinen Wirtschaftslage in Deutschland. Der Wettbewerb hat sich in den vergangenen Jahren intensiviert, weil weitere Anbieter hier investieren.

CW: Sind das Neueinsteiger?

Schulte: Nein, nicht primär. Diejenigen, die schon da sind, stocken ihre Kapazitäten auf, sowohl im Business Development als auch im Service-Delivery.

CW: Gilt das insbesondere für die indischen Provider?

Schulte: Wir nehmen diese Herausforderung sehr ernst. Die indischen Wettbewerber werden immer präsenter, unter anderem weil zwei Provider in Deutschland zugekauft haben. Damit haben sie ein Zeichen gesetzt, dass sie den deutschen Markt ernst nehmen. In den indischen Medien kann man derzeit lesen, dass für fast alle großen Anbieter der deutsche Markt im Fokus steht, wenn sie ihre Investitionen planen. In Großbritannien, Skandinavien und in den Niederlanden sind sie bereits sehr präsent, Frankreich gilt bisher als uneinnehmbar und Südeuropa ist noch uninteressant, weil die Kostendifferenzen nicht so enorm sind. Also ist Deutschland der Markt, den sie ins Auge fassen.

Soweit die Theorie, ich muss aber fairerweise sagen: Wir begegnen ihnen nicht tagtäglich. Wir wissen, die Konkurrenz kommt wohl irgendwann verstärkt auf uns zu. Stand heute sind die indischen Wettbewerber jedoch noch keine permanente Herausforderung.

CW: Seit über zehn Jahren ist die Rede davon, dass die Inder kommen. Was hat sich nun geändert?

Schulte: Geändert haben sich die klaren Hinweise darauf, dass sie jetzt tatsächlich investieren. Aber wenn Sie mich fragen, wie viel Geschäft wir an indische Wettbewerber verloren haben, dann kann ich antworten: Unerheblich. Dennoch mag es nur eine Frage der Zeit sein, bis wir ihre Aktivitäten deutlicher spüren werden.

CW: Sie sagten, das Geschäft von Capgemini in Deutschland ist stabil. Ist das in allen Bereichen so oder gibt es Segmente, die besser und schlechter laufen?

Schulte: Wir sehen zwei sehr unterschiedliche Nachfragemuster. Zum einen trägt die Nachfrage durchaus auch Anzeichen einer Wirtschaft, die sich auf schlechtere Zeiten einstellt, weil es ganz wesentlich darum geht, die Kosten zu senken. Wir unterstützen auf der anderen Seite unsere Kunden dabei, aus Investitionen in Technologie tatsächlichen Geschäftsnutzen zu generieren. Wir nennen dies Digital Transformation. Also Geschäftsmodel und -prozesstransformation basierend auf Innovationen im Bereich "Digital". Und hier wird die Dynamik weiter zunehmen.

CW: Hinterlassen neue und aktuelle Themen wie etwa Cloud, Digitalisierung und Mobility somit Spuren?

Schulte: Keine Frage, dem ist so. SMAC, also Social, Mobile, Analytics und Cloud sind in aller Munde. Die Automobilindustrie investiert beispielsweise kräftig in das Connected Vehicle - als Beispiel für ein Mobile Device -, in Innovation bei der Kundenbindung und somit in den After Sales. In anderen Branchen ist dies nicht anders. Hierbei kommt dem Thema Business Analytics besondere Bedeutung zu.

CW: Mit dem Cloud Computing verändern sich die Delivery-Modelle von IT-Diensten hin zu standardisierten, einfachen Angeboten. Wie geht Capgemini mit diesem Trend um?

Schulte: Zunächst haben wir ein infrastrukturnahes Angebot herausgebracht namens "SkySight" zur Orchestrierung von SaaS-Lösungen. Sie macht Public-Cloud-Angebot so nutzbar, dass die Daten in der privaten Cloud verbleiben können. Das ist unsere Antwort auf die aktuelle Diskussion um Data-Security. Zudem haben wir im vergangenen Jahr das Unternehmen Prosodie gekauft, das SaaS-Lösungen für Call Center betreibt. Seit längerem haben wir eine Cloud-Lösung für Procurement-Leistungen im Portfolio. Diese Beispiele zeigen, dass Capgemini auch ein Cloud-Anbieter ist.

Darüber hinaus sind wir stärker gefordert, Cloud-Dienste für unsere Kunden zu integrieren, indem wir besondere IT-Architekturen entwerfen, in denen SaaS-Lösungen eine Komponente darstellen. Der Anteil am realen Geschäft ist noch gering, aber er wird sich schnell entwickeln.

Michael Schulte

Dr. Michael Schulte ist seit 2011 Sprecher der Capgemini Gruppe in Deutschland und zudem seit Februar 2013 für die Application Services verantwortlich, größter Geschäftsbereich der deutschen Niederlassung.

Schulte kam 1993 zu Capgemini und bekleidete Management-Funktionen in Deutschland und den USA. Zuletzt leitete er Capgemini Consulting in der Region Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Schulte studierte an der Bochumer Ruhr-Universität sowie an der A&M University in Texas, USA, Maschinenbau und promovierte anschließend im Bereich Produktionstechnik. Er verfügt über Projekterfahrung in informationstechnologienahen Themenfeldern sowie in der Strategieberatung.