Das riskante Spiel mit dem Outsourcing

08.07.2004
Das Auslagern von Wissen und Know-how in andere Länder könnte die wirtschaftliche Krise hierzulande weiter verschärfen. Neue internationale Prozesse werden definiert, die oft schwierig zu kontrollieren sind. Ob deutsche Manager, die sich zuletzt vor allem als Sparfüchse und Controller hervorgetan haben, dieser Aufgabe gewachsen sind, ist fraglich.

Warum, so fragt man sich, wissen Manager über Outsourcing bestens Bescheid, sind aber bei technischen oder sozialen Innovationen eher fantasielos?

Nehmen wir eine im Management verbreitete Geiz-ist-geil-Mode: das Auslagern von Arbeiten in Billiglohnländer. Es sind ja mittlerweile nicht nur einfache Fließbandarbeiten. Siemens, Deutsche Bank, Daimler-Chrysler, SAP wollen in nennenswertem Umfang gut bezahlte Jobs in Forschung und Entwicklung nach Polen, Tschechien, China oder Indien verlagern.

Der Mythos von den Kernkompetenzen

Die häufig vom Management zur Beruhigung angekündigte Strategie, beim Outsourcing des Wissens werde man nicht die Kernkompetenzen auslagern, also die Kompetenzen, die Werte generieren, schwer imitierbar sind und das besondere Know-how der Firma und damit einer Volkswirtschaft ausmachen, ist ein riskantes Spiel. Erstens kann die Beteuerung nicht stimmen, wenn ganze Forschungs- und Entwicklungsabteilungen ausgelagert werden. Und zweitens sind Kernkompetenzen nur schwer zu fassen und hoch dynamisch; sie entwickeln sich permanent weiter. Oft werden sie erst im Nachhinein, im Erfolgsfall sichtbar. Das scheinbar beruhigende Konzept der Kernkompetenzen zählt zu den unwägbarsten Mythen der Management-Literatur. Es ist nicht nur nebulös, sondern eine hochgradig riskante Illusion.

Manager, die Betriebswirtschaft studiert haben, beherrschen in der Regel ihre Kernkompetenzen wie Controlling, Rechnungswesen oder Marketing ganz gut. Ihnen fehlt aber eine ganzheitliche Bildung, wie sie amerikanische Eliteuniversitäten anbieten. (Foto: Photodisc)
Manager, die Betriebswirtschaft studiert haben, beherrschen in der Regel ihre Kernkompetenzen wie Controlling, Rechnungswesen oder Marketing ganz gut. Ihnen fehlt aber eine ganzheitliche Bildung, wie sie amerikanische Eliteuniversitäten anbieten. (Foto: Photodisc)

Erfahrungsberichte zeigen, dass Outsourcing häufig nur unzureichend geplant wurde. Zuweilen kann man sich auch nicht des Eindruckes erwehren, dass Tageszeitungen mal wieder ein Thema gefunden haben, es aufblasen und Managern suggerieren, sie würden einen wichtigen Zug verpassen.

Dabei wird der Blick oft allein auf schnelle Einsparungen durch geringere Lohnkosten geworfen. Der Verlust an wichtigem Know-how oder Prozessqualität im eigenen Unternehmen durch zusätzliche Kommunikations- und Anlernarbeiten wird übersehen.

Erst viel später kommt zum Vorschein, dass man sein Business und seine Prozesse nicht mehr beherrscht. Man hat niemanden mehr, der sich noch auskennt.

Volkswirtschaftlich wird das Outsourcing des Wissens dann problematisch, wenn ganze Wissenskomplexe wie Forschungseinrichtungen verschwinden und nicht mehr weiterentwickelt werden.

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