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Das "neue" HP: Analyst erwartet radikale Produktbereinigung

06.05.2002
Ein Gartner-Analyst befürchtet, dass die neue Roadmap von HP einige Kunden schockieren könnte. Er rechnet mit einem "radikalen Hausputz" im Produktportfolio.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Hewlett-Packard (HP) seine Akquisition von Compaq am vergangenen Freitag unter Dach und Fach gebracht hat, richten sich alle Augen auf den morgigen Dienstag, an dem der fusionierte Konzern offiziell an den Start gehen wird und erste Einzelheiten zu seiner künftigen Strategie bekannt geben will. HP und Compaq haben nach eigenen Angaben rund eine Million Arbeitsstunden in die Planung der Integration gesteckt, um den bislang größten Merger in der IT-Geschichte möglichst reibungslos zu vollziehen. Von dieser gründlichen Vorbereitung zeigen sich auch die Analysten beeindruckt, sind jedoch teils skeptisch, was die Produktpläne des fusionierten Unternehmens anbelangt.

Paul McGuckin, Analyst bei dem US-Marktforschungsunternehmen Gartner, befürchtet, dass die neue Roadmap von HP einige Kunden schockieren könnte. Er rechnet damit, dass der Konzern die Akquisition für einen "radikalen Hausputz" im Produktportfolio nutzen und einige redundante Lösungen abschaffen wird. Besonders gefährdet seien Compaqs "OpenVMS" und "Tru64"-Unix-Software sowie HPs "Netaction"-Infrastruktursoftware. McGuckin rät allen bisherigen HP- und Compaq-Kunden, diese Situation für hartnäckige Preisverhandlungen zu nutzen. HP werde bemüht sein, seine Kundenbasis zu fast jedem Preis zu behalten. Das eröffne den Anwendern eine ausgezeichnete Verhandlungspostition. Der Gartner-Analyst geht zudem davon aus, dass der kalifornische IT-Konzern weitere Preissenkungen bei Highend-Servern vornehmen wird.

Jonathan Eunice, Analyst bei Illuminata, hält IBM für den klaren Gewinner der Fusion von HP und Compaq. HP und Compaq hätten seit der Ankündigung ihres umstrittenen Mergers vor acht Monaten nur deswegen bislang wenig Kunden verloren, weil die Konjunkturflaute diese von der Anschaffung neuen Equipments abgehalten habe. Wenn die Wirtschaft wieder anziehe, werde Big Blue durch seine Beständigkeit neue Kunden gewinnen, vermutet Eunice.

Unsicher ist derzeit, mit welcher Personaldecke HP künftig arbeiten will. Das Unternehmen wird im Rahmen der Fusion laut Ankündigung rund 15.000 Mitarbeiter entlassen. Die einzelnen Stellenstreichungen sollen nach und nach im Laufe der kommenden zwölf Monate vorgenommen werden.

HP-Chefin Carleton Fiorina hingegen kann sich ihres Postens nun sicher sein. Die Managerin, die den Merger gegen die Opposition von fast 49 Prozent der HP-Anleger durchgeboxt hat, hätte bei einem Scheitern wohl ausscheiden müssen. "Sie war wirklich haarscharf daran, überall ihr Ansehen zu verlieren", kommentierte Illuminata-Analyst Eunice. "Aber so erging es auch Lou Gerstner in seinen Anfangszeiten bei IBM. Wenn Fiorina erfolgreich ist, wird sie zu einem neuen Vorbild."

Bereits am heutigen Montag werden die Compaq-Aktien vom US-Börsenhandel ausgesetzt. HP hat sein Tickersymbol von "HWP" auf "HPQ" geändert, um die Fusion auch nach außen zu demonstrieren (Computerwoche online berichtete). (ka)