Strukturierte Infrastruktur für neue Multimedia-Anwendungen

Das Netz als Einnahmequelle

05.06.2008
Von Detlef Flach
Dass ein modernes Netz nicht nur ein Kostenfaktor ist, sondern auch neue Geschäftsmodelle ermöglicht, zeigt das Beispiel des dänischen Energieversorgers Himmerlands Elforsyning.

Zu Beginn sah es für den dänischen Energieversorger HEF alles andere als rosig aus: Die schweren Herbststürme, die Ende der 90er Jahre tobten, verdarben den Dänen die Freude am Geschäft. Immer wieder mussten sie ihre Leitungen für teures Geld reparieren. Das Unternehmen, das im dünn besiedelten nördlichen Dänemark rund 80 000 Haushalte versorgt, zog deshalb die Notbremse. Trotz der hohen Kosten entschied sich HEF dafür, seine Stromleitungen zu vergraben, um weniger störanfällig zu sein.

Dabei machte HEF aus der Not eine Tugend: Der Versorger traf zu einer Zeit, als noch niemand über Triple Play sprach, die Entscheidung, mit diesen Erdarbeiten gleichzeitig Glasfaser - oder aber zumindest die entsprechenden Leerrohre - zu verlegen. Seit 2004 zahlt sich diese frühe Entscheidung zugunsten der Lichtwellenleiter aus. Das Tochterunternehmen HEF Broadband offeriert den Kunden Triple-Play-Dienste wie TV, Telefonie, Internet sowie andere Dienste. Dabei genießen die Endbenutzer selbst in der dünn besiedelten Region den Luxus einer breitbandigen Glasfaseranbindung - hiervon können die Einwohner zahlreicher deutscher Metropolen nur träumen. "Mit dem Glasfasernetz wollten wir langfristig die Zukunft unserer Kinder und Enkel in der digitalen Gesellschaft sicherstellen", erklärt Kjeld Jensen, Manager bei HEF Broadband.

Doch hinter dem Projekt steckt mehr als das hehre Ziel der Zukunftssicherheit. Bis 2015 will HEF mit seinem Projekt den Breakeven erreichen. Hierzu stützt sich der Energieversorger auf ein zweistufiges Geschäftsmodell: Zum einen generiert HEF dadurch Umsatz, dass das Unternehmen von allen Kunden eine monatliche Anschlussgebühr verlangt, zum anderen ist man an den Umsätzen der Content- und Service-Provider beteiligt, die über die Infrastruktur ihre Inhalte verbreiten.

Um dieses Business-Modell auf technischer Ebene zu realisieren, setzt HEF auf die Multiservie-Access-Plattform von Allied Telesis. Dabei erlaubt es das Netzdesign, Inhalte und Dienste von dritter Seite direkt auf der Netzebene 2 in das Glasfaser-Backbone einzuspeisen. Das Distribution-Management, also die Verteilung des Contents an die Endkunden, erfolgt dann auf der Netzebene 3. Durch diese Untergliederung ist HEF laut Projektleiter Jensen in der Lage, Inhalte und Services am Rand des Netzes, sehr nahe bei den Endkunden, zu administrieren. Das Performance- und Kapazitäts-Management findet dagegen direkt im Kern auf der Netzebene 2 statt. Jensen zufolge sichert diese Infrastruktur einen hohen Datendurchsatz für die durchaus kritischen Triple-Play-Applikationen wie etwa Fernsehen.

Gerade auf diese Kombination ist man bei HEF stolz, erlaube sie doch das zweigeteilte Business-Modell. Der Rest des Netzes, so die Dänen bescheiden, entspreche eigentlich dem Lehrbuch für modernes Netzdesign und -betrieb.

Die Endkunden selbst bekommen von dieser Komplexität nichts mit. Sie sollen per Zero Touch Configuration Zugang zur breitbandigen Triple-Play-Welt erhalten. Dazu müssen sie lediglich - wie HEF verspricht - ihre Endgeräte an die entsprechende Steckdose anschließen - pardon, an den passenden Triple-Media-Connector, wie der Zugang zur Glasfaserwelt im Wohnzimmer nun auf Neudeutsch heißt. Die eigentliche Anbindung an das Glasfasernetz erfolgt dann über ein Residential Gateway, auch als intelligentes Multiservice Gateway bezeichnet. Dieses können die HEF-Techniker aus der Ferne administrieren und so nicht nur den Betrieb sicherstellen, sondern auch für jedes Gateway das entsprechende Service Provisioning einstellen.

Dabei beschränkt sich der Konvergenzgedanke bei HEF nicht auf das Netz und die Verbindung von Telefon, TV und Internet, sondern setzt sich auch im CRM-System fort: Alle Daten des ehemaligen einfachen Stromkundens sind auf einen Blick erkennbar. (hi)