Praxistest

Das leistet der Mobilfunk-Turbo LTE tatsächlich

19.04.2012 | von 
Harald Karcher ist freier Autor in München. Dr. Harald Karcher testet mobile Geräte vom Handy bis zum Laptop und mobile Netze von WLAN bis zu LTE.
Der Highspeed-Nachfolger für UMTS, LTE, ist nicht mehr nur auf dem Land, sondern auch in immer mehr Städten verfügbar. Wir haben den mobilen Datenfunk ausprobiert.

Um es vorwegzunehmen: An sehr gut per Funk versorgten Standorten kann Internet over LTE schon mit den schnellen leitungsgebundenen VDSL-50-Internet-Zugängen der Telekom konkurrieren. Allerdings mit einer Einschränkung: Es müssen die teuersten LTE-SIM-Karten von Telekom und Vodafone verwendet werden, um die maximale Leistung zu bekommen. Für unsere Tests haben wir verschiedene LTE-Geräte benutzt. Die Palette der Testkandidaten reichte vom stationären LTE-Router über LTE-Sticks bis hin zum vollmobilen LTE-Handy.

Im Download erreichten wir mit den besten LTE-Routern und LTE-Sticks in der Praxis schon einen Nettodurchsatz von 30 bis 45 Mbit/s. Und der Upload ist mit 20 bis 30 Mbit/s sogar dreimal schneller als bei VDSL 50. Bei den Ping-Zeiten haben wir in vielen Messungen Resultate von 30 bis 60 Millisekunden erhalten. An bestversorgten Messpunkten kamen wir auf Spitzenwerte von 20 bis 25 Millisekunden. Damit geht das Surfen oder Online-Arbeiten über das Highspeed-Netz flott von der Hand.

Business-Anwendungen via LTE

Obige Messwerte belegen klar: LTE taugt auch für anspruchsvolle Business-Anwendungen bis hin zur Standortvernetzung mittels VPN over LTE. Hohe LTE-Datenraten und kurze LTE-Ping-Zeiten sind noch unter einem anderen Aspekt von Bedeutung: Cloud-Anwendungen lassen sich auf den Endgeräten auch unterwegs reibungslos zum Arbeiten nutzen. Doch unsere Messwerte lassen noch einen weiteren Schluss zu: An gut versorgten Standorten reicht LTE für Voice over IP, Videotelefonie, Videoconferencing oder Videoüberwachung aus. Bei aller Freude über die in unserer Versuchsreihe gemessenen Werte gibt es jedoch einen Vorbehalt zu bedenken: Die dabei genutzten Netze werden noch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit betrieben. Deshalb können sich die Ergebnisse später im Regelbetrieb mit vielen Usern ändern, auch wenn LTE technisch besser für große Benutzerzahlen gerüstet ist als der Vorgänger UMTS.

LTE-800-Router dominieren

Da die Mobilfunk-Provider, politisch gewollt, erst die weißen Flecken ohne Breitband-zugänge mit LTE zu versorgen hatten, dominierte LTE 800 anfangs den Markt als alternativer Internet-Zugang - die Zahl bezeichnet das Megahertz-Frequenzband der jeweiligen LTE-Variante. Dabei holen die LTE-Router quasi das Internet aus der Mobilfunkluft und geben es per LAN oder WLAN an die lokalen Surfgeräte weiter.

Die ersten LTE-800-Router kamen und kommen von Huawei. Das Modell "B390s-2" wird seit 2011 von Vodafone, Telekom und O2 in Deutschland vertrieben. Der B390 beherrscht nur LTE 800, das jedoch ziemlich gut, denn dafür ist er optimiert.

Telekom- und O2-Kunden erhalten den schwarz-weißen LTE-Router Huawei B390s-2 optisch fast unverändert.
Telekom- und O2-Kunden erhalten den schwarz-weißen LTE-Router Huawei B390s-2 optisch fast unverändert.
Foto: Harald Karcher

Wer in der Firma oder im Home Office also "nur" eine stabile LTE-800-Versorgung hat und den Huawei-Router auch nur dort verwenden will, kann damit sehr gut fahren. Bei einer LTE-800-Kanalbandbreite von 10 Megahertz schaffen die B390-Router-Varianten schon seit 2010 ungedrosselt in leeren LTE-Netzen fast 50 Mbit/s im Download. In der Praxis werden die Huawei-B390-Router von O2, Telekom und Vodafone aber meist nur als stationärer DSL-Ersatz vermarktet, mit bezahlbaren Tarifen, die nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein gutes DSL-6000-Feeling vermitteln sollen. Die LTE-Geschwindigkeit wird hier von den Providern künstlich gebremst.

LTE 800 in der Praxis

Bei Messungen im März 2012 brachte der O2-LTE-Router im O2-LTE-800-Vorzeigenetz in Pfaffing bei Ebersberg extrem stabile Downloads von 7,2 bis 7,3 Mbit/s. Auch bei den Uploads zeigten sich nur geringe Schwankungen um einen stabilen Mittelwert von 6,8 Mbit/s herum. Die in den O2-Router seitlich eingesteckte SIM-Karte hatte dabei einen Tarif von bis zu 7,2 Mbits im Download und bis zu 2,0 Mbit/s im Upload. Offenbar bekommt der ländliche O2-Kunde in der Senderichtung also das Dreifache der vertraglichen LTE-Leistung - zumindest in der näheren Umgebung der LTE-Basisstation. Residiert der LTE-Kunde jedoch am Rande der LTE-800-Funkzelle, bei ungehinderter Funkausbreitung also in sechs bis zehn Kilometer Entfernung zur LTE-Basisstation, dann geht das Netto-Tempo natürlich stark herunter und versiegt am Rand der Zelle völlig.

Telekom LTE 800 mit stabilen Raten

Bei diesem Screenshot stand der Telekom Speedport LTE Router in Neufinsing bei Markt Schwaben im Auto auf dem Armaturenbrett.
Bei diesem Screenshot stand der Telekom Speedport LTE Router in Neufinsing bei Markt Schwaben im Auto auf dem Armaturenbrett.
Foto: Harald Karcher

Bei den LTE-800-Messungen mit dem "Telekom Speedport LTE" alias Huawei B390s-2 in Neufinsing bei Markt Schwaben steckte eine SIM-Karte mit dem Tarif "Telekom Call & Surf Comfort via Funk" im Router. Auch damit kamen die Messwerte stabil knapp über den angekündigten Telekom-Wert von 7200 Kbit/s im Download und 1400 Kbit/s im Upload. Die Telekom scheint die Beschneidung des Durchsatzes gut zu beherrschen. So will der Bonner Carrier erreichen, dass das Netz länger stabil bleibt, wenn viele Nutzer darauf zugreifen.