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Das ist digitale Transformation

15.10.2015
Besser entscheiden, mehr Zusammenhänge erfassen, mit Regeln brechen: Die digitale Transformation verändert Unternehmen. Erfahren Sie hier, wie sich die Digitalisierung auf Geschäftsprozesse, Kundenbeziehungen und IT-Strategien auswirken wird.

Daten gelangen in neue Kontexte

Es ist gut sämtliche interne Daten eines Unternehmens für immer zu speichern. Besser ist es, Balken- und Tortendiagramme auf Basis der Umsatzentwicklungen machen zu können, möglichst ohne Zeitverzögerung. Am besten ist es jedoch, externe Daten hinzuzuziehen. Denn schon Wetterdaten helfen, Verkaufsschwankungen besser zu deuten und Angebote präzise zu verändern. Externe Daten ermöglichen neue Abläufe und Entscheidungen.

Quantensprung durch Disruption möglich

Es gibt jedoch noch radikalere Ansätze, die nicht auf bestehenden Strukturen aufsetzen. "Die aggressive Nutzung von Daten verändert Geschäftsmodelle, ermöglicht neue Produkte und Dienstleistungen, schafft neue Prozesse, stiftet mehr Nutzen und sorgt für eine neue Führungskultur", sagt Professor Walter Brenner von der Uni St. Gallen. Die Voraussetzung: Eine innovative - disruptive - Nutzung der Technologie. "Zerstörung" von bestehenden Strukturen ist zwar nicht unbedingt gewollt, ergibt sich manchmal jedoch nebenbei. Während bisher jeweils "nur" eine neue Technologie wie die SQL-Datenbank, der PC, SAP und das Internet die Unternehmen beschäftigt haben, sind es nun diverse Themen wie das Internet der Dinge, Social Media, das E-Business der dritten Generation, Tablets und Smartphones. Das bewirkt bei jeder guten Idee einen "Quantensprung mit Datenaspekt", meint Brenner.

Der Kunde bestimmt das Angebot

Seit knapp sieben Jahren gibt es eine App, über die Kunden online Taxifahrten bestellen und bezahlen können. My Taxi wurde damals zunächst in Berlin eingeführt. Keine Warteschleife beim Anruf in der Taxizentrale, Bezahlen per Kreditkarte, Unabhängigkeit der Taxifahrer von Vermittlungszentralen. Die Analyse der Nutzerdaten ermöglicht zudem neue Services. "Erfolgreiche Modelle sind auf den Kundennutzen ausgerichtet", erläutert Uni-Professor Brenner, "alles andere ist erst einmal Nebensache." Die Privattaxi-Vermittlung Uber ist ein Stück radikaler. Sie übergeht die gesamte Taxibranche und heuert Privatpersonen an, ihr Auto über eine Plattform als Taxi zur Verfügung zu stellen.

Digitalisierung wirkt auch jenseits der Generation Y

In fast jeder Branche bewirkt die Digitalisierung Veränderungen. Händler werden nicht umhin kommen, ihre Verkaufskanäle miteinander zu vernetzen - Stichwort Omnichannel. BMW, Mercedes und Audi tun sich zusammen und kaufen den Digitalkartendienst HERE, um ihre Datenservices so attraktiv wie möglich zu halten. Maschinenbauer bestücken ihre Geräte mit Sensoren, um Ausfallzeiten zu verringern und Produkte weiter zu verbessern. "Die individuellen Potenziale oder auch Bedrohungen entscheiden darüber, wie sich die Unternehmen der Digitalisierung nähern", erläutert Walter Brenner. Die Services werden zudem nicht "nur" der Generation Y zugute kommen, die eine gewisse Grundaffinität für digitale Ansätze mitbringt. "Denken Sie an Einparkhilfen im Auto oder gar automatisches Einparken, was besonders älteren Menschen entgegenkommen wird", meint Brenner.

Der Chief Digital Officer ist kein Da Vinci

Den Weg in die digitale Zukunft bewirkt das gesamte Unternehmen, und nicht ein CEO, ein Marketing- oder IT-Chef. Und auch kein Chief Digital Officer (CDO) alleine, obwohl er als Einflüsterer und Antreiber für digitale Modelle wirkt und wichtig sein kann. Einen Verantwortlichen für Digitalisierung in den Vorstand eines Dax-Konzerns zu berufen, hält Professor Brenner für geradezu absurd: "Da müsste schon ein neuer Da Vinci oder Leibnitz geboren werden - das kann kein Mensch leisten." In jeden Fachbereich gehöre das Thema. Der CIO begibt sich weder in Konkurrenz zum CDO noch nimmt er eine gehobene Position in der digitalen Transformation ein. Neue Datenbanken wie SAP HANA oder Hadoop einsetzen, Sensordaten nicht nur technisch, sondern auch kommerziell nutzbar machen: Das sind die Aufgaben, die künftig den CIO beschäftigten werden.