Apple-Chef Jobs

Das iPhone war urspünglich ein Tablet

02.06.2010
Das iPad war eigentlich vor dem iPhone da: Apple-Chef Steve Jobs gab das populäre Smartphone erst in Auftrag, als er den größeren Prototypen eines Tablet-Computers gesehen hatte.

"Dann haben wir den Computer zunächst einmal ins Regal getan und uns auf das Handy konzentriert", sagte Jobs bei der Technologie-Konferenz D8 in Kalifornien. Das iPhone kam 2007 auf den Markt, das größere Gerät startete Apple unter dem Namen iPad vor zwei Monaten.

Steve Jobs auf der D8 (Fotos: Asa Mathat, All Things Digital)
Steve Jobs auf der D8 (Fotos: Asa Mathat, All Things Digital)
Foto: All Things Digital

Am Anfang sei seine grundsätzliche Idee gewesen, einen Gerät ohne Tastatur zu entwickeln, das sich bequem mit dem Finger bedienen lasse, sagte Jobs am Dienstagabend (Ortszeit). Es habe sechs Monate gedauert, bis der erste Prototyp vorlag. "Als ich die Bedienung gesehen habe, dachte ich: Daraus kann man wunderbar ein Mobiltelefon machen", erinnerte sich der Apple-Chef.

Jobs ging bei seinem Podiumsgespräch auf diverse aktuelle Streitthemen um Apple ein. Eher widerwillig nahm er Stellung zur immer schärferen Rivalität mit dem Internet-Konzern Google. "Sie wollten mit uns konkurrieren. Wir sind nicht ins Suchmaschinengeschäft eingestiegen", gab er dem Wettbewerber die Schuld an der heutigen Eskalation.

Auf dem iPhone werde es aber auch weiterhin Google-Dienste geben, sagte Jobs. "Nur weil man miteinander konkurriert, muss man nicht grob zueinander sein", sagte er. Google-Manager hatten jüngst bei einer Produktvorstellung mehrere Seitenhiebe gegen Apple losgelassen. Als die Gastgeber der Konferenz, die von einem Blog des "Wall Street Journal" veranstaltet wird, wissen wollten, ob sich Apple von Google betrogen fühle, beendete Jobs die Diskussion mit dem Satz: "Mein Sexleben ist sehr gut."

Foto: Asa Mathat, All Things Digital

Die einstigen Partner Apple und Google beharken sich seit Monaten. Das Fass zum Überlaufen brachte Googles Vorstoß auf den boomenden Markt der multifunktionalen Handys, der sogenannten Smartphones. Das iPhone ist einer von Apples größten Gewinnbringer. In der Branche wurde spekuliert, der Elektronikkonzern könnte sich mit dem Erzrivalen Microsoft verbünden und dessen Suchmaschine Bing auf das iPhone bringen. Diese Theorie war bei der D8 kein Thema. Jobs sagte lediglich, Apple habe sich nie in einem Krieg um die Dominanz bei Computer-Plattformen gesehen. "Vielleicht haben wir deswegen verloren", fügte er augenzwinkernd hinzu.

Jobs verteidigte auch ausdrücklich die Entscheidung, die Multimedia-Technik Flash des Software-Unternehmens Adobe von iPhone und iPad fernzuhalten. Der Beschluss sorgte für heftige Diskussionen, weil ein großer Teil von Videos und Werbung im Internet bisher die Software nutzt. Adobe sprach von einer Diskriminierung. Apple begründet den Schritt unter anderem damit, dass Flash den Prozessor überlaste und die Batterielaufzeit verringere. Jobs bekräftigte die Ansicht, Flash sei eine auslaufende Technologie. Sollte der Markt aber danach verlangen, würde Apple reagieren.

Der Apple-Chef nahm den chinesischen Elektronik-Produzenten Foxconn in Schutz, der nach einer Selbstmord-Serie unter den Mitarbeitern in der Kritik steht. "Foxconn ist kein Ausbeuterbetrieb", sagte Jobs. Apple sei gleichwohl besorgt und führe auch eigene Untersuchungen durch. Bei Foxconn werden iPhones und iPads gefertigt. (dpa/tc)