Mehr Spiele- als Business-Handy

Das iPhone lernt Muh

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Das neue Apple iPhone 3G erweist sich vor allem softwareseitig als innovativ - Business-Applikationen sind allerdings noch Mangelware.

Mit Pauken und Trompeten, aber auch einer Reihe von Pannen, ist das lang ersehnte Apple iPhone 3G in den Handel gegangen. Insgesamt verkaufte der Mac-Anbieter am ersten Wochenende in 21 Ländern nach eigenen Angaben eine Million Geräte - ein Zehntel des für das Gesamtjahr geplanten Absatzes. Bei T-Mobile, erneuter Exklusivpartner für das Kultgerät in Deutschland, wurden binnen Stunden 15 000 iPhones unter das Volk gebracht. Die meisten davon veräußerte die Telekom-Tochter allerdings online, während die einzelnen T-Punkt-Filialen nur wenige Geräte vorhielten - sehr zum Ärger der Wartenden.

Ein Plastikrücken kann auch entzücken: iPhone 3G auf dem Bauch
Ein Plastikrücken kann auch entzücken: iPhone 3G auf dem Bauch

Darüber, ob sich das Schlangestehen rentiert hat, kann man vortrefflich streiten. Selbst hartnäckige Kritiker müssen jedoch anerkennen, dass das neue iPhone mit UMTS/HSDPA-Unterstützung nun hardwareseitig weitgehend in der Jetztzeit angekommen ist. War der im Vorgängermodell verbaute GPRS-Turbo Edge bislang das höchste der Gefühle, werden nun Web-Seiten beim Aufruf doppelt so schnell geöffnet. Ein klarer Gewinn ist auch das integrierte A(ssisted)-GPS, wenngleich es derzeit nur für die Positionsbestimmung in Google Maps und anderen Applikationen genutzt werden kann. Navigationssoftware, etwa von Tom Tom, ist jedoch in Arbeit. Sieht man von Kleinigkeiten wie einem Plastikrückdeckel (statt Metall), den metallenen Tasten (statt Plastik) oder der nun standardkonformen Kopfhörerbuchse ab, war's das dann im Groben auch schon an Hardwareneuerungen. Nutzer, denen eine Zwei-Megapixel-Kamera nicht mehr zeitgemäß ist, sich einen größeren und vor allem austauschbaren iPhone-Akku oder gar einen stärkeren Prozessor wünschen, müssen (mindestens) auf das Folgemodell warten.

Innere Werte entscheidend

Wesentlich wichtiger sind jedoch die Neuerungen auf der Softwareseite. Dazu zählt vor allem das Firmware-Upgrade, von dem auch die Besitzer eines "alten" iPhone (oder iPod Touch) profitieren. Das Update auf iPhone 2.0 bügelt nicht nur einige Bugs und Kinderkrankheiten des Erstlings aus, es liefert auch wichtige Funktionen für den Einsatz in der Geschäftswelt - einen Bereich, in dem Apple-CEO Steve Jobs das Gerät künftig fest etablieren will. Um Unternehmen eine ernsthafte Alternative zu Blackberrys, Windows-Mobile- und Symbian-Geräten zu bieten, kommen im iPhone nun unter anderem Microsofts Activesync (Push-E-Mail und Anbindung an Exchange-Server) und ein VPN-Client von Cisco zum Einsatz. Außerdem können IT-Administratoren mit der "iPhone Configuration Utility" Konfigurationsprofile erstellen und verteilen - äußerst sinnvoll für den Rollout, etwa wenn gleich mehrere iPhones als Firmen-Handys zum Einsatz kommen sollen. Die Profil-Dateien im XML-Format bieten sich nicht nur zur Durchsetzung von Kennwort- und Code-Richtlinien an, sondern können auch einzelne Netzeinstellungen wie WLAN- und VPN-Zugangsdaten, Mail-Accounts oder Zertifikate für Business-Applikationen umfassen. Laut Apple lassen sich die Konfigurationsprofile vom Benutzer einfach per Fingertipp auf einen sicheren Weblink installieren oder als E-Mail-Anhang beziehen.