Mobiles Büro für Verkaufsleiter

Das iPad bei Lidl

30.04.2012
Von 
Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategischen und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.

Die Komponenten der Lösung

Das Projekt "Lidl Mobile Office" (Limo) wurde im Herbst 2010 auf den Weg gebracht. Mitte 2011 stand ein Pilot zur Verfügung, den eine Gruppe von Verkaufsleitern im Raum Freiburg einem Praxistest unterzog. Nach dem Feinschliff nahm im November desselben Jahres der Rollout in der Breite seinen Lauf. Mittlerweile ist er in vollem Gang. Etwa 300 Geräte seien bereits Im Einsatz, so Dirk Fust, Leiter des Geschäftsbereichs Vertriebsorganisation bei Lidl Deutschland.

Bis zum Herbst 2012 sollen rund 800 Verkaufsleiter, alle ihnen vorgesetzten Vertriebsleiter und die Geschäftsführer der 37 Vertriebs-GmbHs mit iPads ausgerüstet sein. Dann steht der internationale Rollout an: Innerhalb der kommenden zwei Jahre werden laut Plan zusätzliche 3000 Geräte in den europäischen Lidl-Niederlassungen ausgerollt.

Heute hat der Verkaufsleiter alle Informationen auf dem Tablet.
Heute hat der Verkaufsleiter alle Informationen auf dem Tablet.
Foto: Joachim Wendler

Die Limo-Lösung umfasst zwei Komponenten: zum einen die mobile Informationsteilung ("VL mobil"). Die hat sich Lidl nach eigenen Vorgaben von dem auf Business-Apps spezialisierten Dienstleister Excelsis Business Technology AG aus Stuttgart entwickeln lassen. Diese Anwendung nutzen die Verkaufsleiter beispielsweise, um den Warenaufbau in den Filialen zu checken. Auf dem Tablet können sie sich die Verkaufsflächen-Planung anzeigen lassen und mit dem vorgefundenen Aufbau abgleichen, um eventuell Korrekturen vorzunehmen.

Bei den damit verbundenen Entscheidungen hilft ihnen die andere Softwarekomponente: Das "Cockpit" eröffnet den Zugriff auf das Date-Warehouse, wo die Abverkaufsdaten zentral und auf vortagesaktuellem Stand gespeichert sind. Aus vordefinierten Berichten kann sich der Verkaufsleiter die für ihn relevanten Kennzahlen herauszuziehen - bis hinunter auf die Artikelebene, für jede einzelne Filiale sowie bei Bedarf auf für denselben Zeitraum des Vorjahres. Auf dieser Grundlage passt er dann gegebenenfalls die Verkaufsflächenplanung an.

Die IT-Komponenten

  • Tablet-PCs: Apple iPad2;

  • Mobile-Device-Management-Software von MobileIron;

  • Entwicklung der In-house-App ("VL mobile)": Excelsis, Stuttgart;

  • App für den Zugriff auf Kennzahlen von Microstrategy;

  • Virtual Private Network von Cisco.

  • Warenwirtschaft derzeit noch eine Eigenentwicklung, Umstieg auf SAP Retail geplant.

Konsistente Daten für alle

Dirk Fust: "Wir wollen nicht die Verkaufsleiter zu ITlern erziehen."
Dirk Fust: "Wir wollen nicht die Verkaufsleiter zu ITlern erziehen."
Foto: Joachim Wendler

Darüber hinaus bietet das Tablet dem Verkaufsleiter einen Vorteil, der Büromenschen trivial erscheinen mag: Erstmals kann er E-Mails nutzen. Dafür habe man sich aber erst einmal "auf gewisse Spielregeln einigen" müssen, berichtet Fust. Beispielsweise darauf, dass das gesprochene Wort bei der Informationsabstimmung für Lidle immer noch Vorrang habe.

Im Rahmen des Projekts wurde auch die Pflege der Daten neu geregelt. Wie der Vertriebs-Manager erläutert, geschieht sie jetzt arbeitsteilig: Sofern es sich um deutschlandweit einheitliche oder konsolidierte Daten handle, zeichne die zentrale Vertriebsorganisation verantwortlich. Sie fungiere auch als "Schleusenwärter" für die Informationen, lege also fest, wer welche Daten sehen muss oder darf. Die konkreten Warengeschäftsinformationen, beispielsweise der Abverkaufsplan beim Auslaufen eines Artikels, werden hingegen von den Gesellschaften aktuell gehalten.

Dadurch, dass die Dateneingabe so streng reglementiert ist, lässt sich sicherstellen, dass alle Beteiligten auf konsistente und aktuelle Informationen zugreifen. Der Verkaufsleiter muss sich nicht mehr darum kümmern, die Daten zusammenzubringen, sondern kann sich darauf konzentrieren, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.

"Wir wollen die Verkaufsleiter nicht zu ITlern erziehen, sondern die IT so einfach machen, dass der Verkaufsleiter damit umgehen kann", sagt Projektleiter Saul. "Eine unserer Hauptaufgaben in dem Projekt besteht darin, die Komplextität der IT vor den Anwendern zu verstecken." Auch von daher habe das für seine einfache Bedienbarkeit gerühmte iPad gut zu der Strategie gepasst.