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"'Dinosaurier müssen tanzen lernen"

Das Internet verändert Konzerne

24.01.2012
Das Internet beherrscht immer stärker auch traditionelle Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.
Vijay Vaitheeswaran vom "Economist" bei DLD12
Vijay Vaitheeswaran vom "Economist" bei DLD12
Foto: Hubert Burda Media (CC BY-NC-SA 2.0)

"Die Dinosaurier müssen jetzt tanzen lernen", sagte Vijay Vaitheeswaran, Autor des britischen "Economist" bei der Internet-Konferenz DLD (Digital, Life, Design) in München. Lufthansa-Chef Christoph Franz erinnerte am Montag daran, dass seine Gesellschaft den Passagier heutzutage erst beim Betreten der Maschine zu Gesicht bekomme. Im Zeitalter von Online-Buchung und Web-Check-In seien die Kunden autonomer denn je.

Franz kündigte einen weiteren Ausbau der Lufthansa-Aktivitäten in den sozialen Netzwerken an. Allerdings habe das Unternehmen entschieden, Facebook, Twitter & Co lediglich zur Kommunikation und nicht als zusätzlicher Vertriebskanal zu nutzen.

Nach Einschätzung von Audi-Chef Rupert Stadler wird das Internet das Autoerlebnis der Zukunft bestimmen. Audi sehe das Auto schon heute als "intelligentes Netzwerk", den Fahrer als immer vernetzten "connected driver". Dabei gehe es um weit mehr als den Zugang zu E-Mail und Facebook oder die Navigation mit Google Maps und Google Street View. Audi werde die Sprachsteuerung ausbauen, den Einsatz von Apps ausweiten und Service- oder Unterhaltungsangebote auf die Frontscheibe projizieren.

Der Chef und Gründer des amerikanischen Schnäppchenportals Groupon, Andrew Mason, nutzte das DLD-Podium, um das Geschäftsmodell seines Unternehmens zu verteidigen. Drei Jahre nach seiner Gründung beschäftige Groupon 10.000 Menschen in 47 Ländern. Die Zahl der Kunden, die vor Ort in Läden oder Restaurants mit Groupon auf Schnäppchenjagd gehen, sei in nur einem Jahr von 21 auf 150 Millionen gewachsen. "Wir sind keine perfekte Firma, aber wir lernen und verbessern uns ständig", sagte Mason. Er kündigte zugleich mehrere Verbesserungen des Dienstes an.

Groupon war im November 2011 an die Börse gegangen und hatte 700 Millionen Dollar eingesammelt. Kritiker des Unternehmens verweisen vor allem auf die hohen Kosten für den Aufbau eines internationalen Außendienstes.

Microsoft-Manager Dean Hachamovitch betonte die Bedeutung des Datenschutzes für die Entwicklung des weltweiten Netzes. "Er bringt ähnlich wie technische Standards und die Performance das Internet voran", sagte Hachamovitch am Montag der dpa. Auch wenn der Schutz der Privatsphäre weltweit gefordert werde, lasse sie sich meist nur auf lokale Gegebenheiten bezogen realisieren. Ob Microsoft sich den Forderungen von EU-Justizkommissarin Viviane Reding nach einem neuen EU-weiten Datenschutzrecht vorbehaltlos anschließen werde, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, so Hachamovitch. (dpa/tc)