Cisco-Geschäftsführer im Interview

"Das Internet of Things muss in Deutschland ein Knaller werden"

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Mit dem deutschen Cisco-Geschäftsführer Oliver Tuszik diskutierte Jürgen Hill über das Internet of Things (IoT), Smart Cities und die Rolle der IT.
Mit Oliver Tuszik, Geschäftsführer von Cisco Deutschland, diskutierte Redakteur Jürgen Hill über die Chancen des IoT.
Mit Oliver Tuszik, Geschäftsführer von Cisco Deutschland, diskutierte Redakteur Jürgen Hill über die Chancen des IoT.
Foto: Cisco

Cisco engagiert sich bei der Smart City Hamburg. Was ist das?


Oliver Tuszik: Die Smart City Hamburg lässt sich in drei Bereiche aufteilen. Ganz klassisch gibt es das "Smart City Portfolio" mit Services wie Smart Meter, intelligenter Müllabfuhr oder Intelligent Lightning. Auch wenn diese Modelle immer ähnlich aussehen, sind sie doch unterschiedlich, da unterschiedliche Geschäftsbeziehungen abzubilden sind. Der Hauptreiber des Smart City Hamburg ist jedoch der Smart Port. Der Hafen war mit folgender Herausforderung konfrontiert: Bei gleicher Fläche sollte er mehr Ladevolumen schaffen, womit wir auch schon beim Internet der Dinge sind.

Wir erleben gerade eine neue Welle der Digitalisierung. Letztendlich ist es am Ende eigentlich nur BI: Wir kombinieren die verschiedensten Daten, etwa aus der Vergangenheit und sammeln neue Daten. Damit haben wir aber nichts Intelligentes geschaffen, sondern lediglich einen Datenhaufen kreiert. Dazu braucht es letztlich nur ein oder zwei kleine Apps, die aus Daten Wissen generieren - also mir helfen, Entscheidungen zu treffen.

Um was geht es beim Smart Port konkret?

Oliver Tuszik: Beim Smart Port messen wir die Bewegungen der LKWs, Schiffe und Container. Wenn wir diese Logistikströme effizienter managen, erzielen wir eine höhere Produktivität. So kann ich eine echten Mehrwert generieren, wenn ein Schiff am bestgeeigneten Kai anlegt und schneller be- und entladen wird. Die anderen Systeme der Smart Cities sind teilweise gar nicht so komplex. Denken sie nur an die intelligente Parkplatzsuche. Hier werden lediglich Real-Live-Traffic-Daten mit den Informationen über die Parkplätze verknüpft. Diese Systeme gibt es schon heute.

Oder nehmen Sie ein anderes Beispiel: Sie sind jeden Tag von 8 bis 18 Uhr im Büro und Ihre Garage steht leer. Vor dem Garagentor könnte also jemand parken. Warum nehmen wir diese Daten nicht, pflegen sie in ein Portal und vermitteln den Platz für einen Euro die Stunde. Ist das eine hochintelligente Anwendung? Nein, aber Sie haben einen Mehrwert geschaffen, indem Sie den Parksuch-Verkehr reduzieren und damit die Abgase. Gleichzeitig haben Sie eine neue Einnahmequelle generiert. Darum geht es letztlich beim Internet of Things.

Licht-Management ist ein Aspekt einer Smart City.
Licht-Management ist ein Aspekt einer Smart City.
Foto: Philips

Aber zurück zu Hamburg. Warum ist die Stadt so gut geeignet? Hamburg ist über den Bürgermeister in der Lage die verschiedensten Bereiche zusammenzubringen. Da sitzen dann die städtischen Betriebe, die Forschung und Wissenschaft sowie die Wirtschaft an einem Tisch. Und wenn alle an einem Strang ziehen, können Sie Dinge bewegen, die vorher unvorstellbar waren. Das ist die Stärke einer Stadt wie Hamburg,

Und wie sieht es in anderen Städten aus?

Oliver Tuszik: Eine ganz andere Situation haben wir in Berlin, der anderen Smart City in Deutschland. Hier treffen Sie auf viele junge Leute, die etwas bewegen wollen. Daraus entstehen die unterschiedlichsten Projekte. Ohne viel zu verraten, wir werden in den nächsten 12 Monaten weitere Städte suchen und mit ihnen zusammenarbeiten. Was wir gelernt haben, ist, dass wir auf Seiten der Städte jemanden brauchen, der Themen voranbringt.

Er muss kein Geld mitbringen, denn das ist nicht das große Thema, da wir ja neue Geschäftsmodelle aufbauen. Bleiben wir beim Beispiel Parkplätze: Wenn jemand weiß, dass er später die Parkplätze in der Stadt vermitteln darf, dann wird er gerne das Geld mitbringen, um die Infrastruktur aufzubauen. Wir müssen diese Art von Logik aufbauen. Wenn ich ein WLAN über eine ganze Stadt aufbauen will, dann hat derjenige der das WLAN baut erst einmal gar nichts davon. Das ist ja unser großes Breitbandproblem. Warum sollen die Telekoms dieser Welt ein Netz ausbauen, wenn nachher Google, Facebook, Netflix und andere das Geld daran verdienen.

Ich bin zuversichtlich, dass wir in Deutschland das Thema Smart Cities zum Fliegen bringen, wenn es uns gelingt engagierte Bürgermeister und -innen zu finden. Zudem adaptiert es unsere kritischsten Fragen wie Parkplätze, Energie oder Gesundheitsversorgung. Hier benötigen wir neue Ideen und Ansätze. Meine Hoffnung ist, dass sie aus Deutschland kommen. Wir sollten uns bewusst sein, dass wir in Deutschland so viel bewegen können. Stattdessen diskutieren wir aber, ob wir eine chinesische oder amerikanische Infrastruktur einsetzen dürfen. Viel besser ist es doch, auf dieser Infrastruktur die entsprechende Wertschöpfung mit eigener Software zu kreieren.