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Bedrohung und Chance

Das Internet der Dinge als Krise für Unternehmen

Rüdiger Spies widmet sich als Ind. VP Software Markets beim Analystenhaus PAC überwiegend dem Themenbereichen Enterprise Applications und zugehörige Infrastrukturen. Dazu gehören erweiterte ERP-Systeme (CRM, SCM), Business Analytics (Big Data), Cloud-Technologien, Mobile Technologien und IT-Architekturen. Vor seiner Tätigkeit bei PAC konnte er über 30 Jahre Erfahrung bei anderen Analystenunternehmen (META Group/heute Gartner, Experton, IDC) und Industrieunternehmen (IBM, Informix, GEI-Rechnersystem/heute T-Systems) sammeln. Spies wurde zwei Mal zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten in der deutschen IT-Szene gewählt und ist als Keynote-Speaker und aus den Medien (z.B. ntv) bekannt. Darüber hinaus ist Rüdiger Spies als Patentanwalt bei LifeTech IP tätig.
Krise bedeutet Bedrohung und Chance zugleich. Zur Bedrohung kann das Internet der Dinge für analoge Wertschöpfungsketten und Unternehmensmodelle werden. Zur Chance wird es für diejenigen, die fähig sind, neue Services und Produktangebote umzusetzen.

Nichts beschreibt das Phänomen IoT (Internet of things) besser als die chinesischen Schriftzeichen für Krise, welches sich aus den Zeichen für Chance und Bedrohung zusammensetzt. Zur Bedrohung kann es für viele analoge Wertschöpfungsketten und Unternehmensmodelle werden, da das IoT mit seinen allgegenwärtigen Sensoren nur ein Hilfsmittel für eine vollständige digitale Durchdringung jeder Unternehmensaktivität als auch jedes Aspektes der menschlichen Existenz wird. Zur Chance wird es für diejenigen, die fähig sind, neue Services, Produktangebote und Unternehmensmodelle umzusetzen.

Das explosionsartige Wachstum von digitalisiert vorliegenden Informationen und die gleichzeitig wachsende Fähigkeit zur Speicherung und Auswertung bei kontinuierlich sinkenden Kosten stellt ein sich selbst beschleunigendes System dar. Gesichtserkennung ist inzwischen zur Standardfunktionen auf Internet-Plattformen geworden. Die Spracherkennung macht gerade einen entwicklungstechnischen Sprung nach vorn.

Eine Verknüpfung beider digitaler Fähigkeiten wird wohl die übernächste Hardware- und Software-Generation bringen. Dabei wird das IoT bisher praktisch nur als Sensornetzwerk wahrgenommen. Die automatisierte Verknüpfung von digitalen Messdaten, Bild- und Sprachdaten wird aber dazu führen, dass das IoT die Parallelverarbeitung und damit die Datenverarbeitungs­geschwindig­keit durch eine Einbeziehung der "Sensor-Intelligenz" im Vergleich zu klassischen Servern stark beschleunigen wird. Andererseits wird der aktive Part des IoT bisher vernachlässigt. Diesen stellt man sich am besten als ein aktives Einwirken jedweder digitaler Systeme mithilfe von Aktoren auf die physikalischer analoge Welt vor.

Mehr Sicherheit und Vernetzung gefragt

Kurz gefasst ergeben sich daraus mindestens zwei Folgen: Zum einen müssen die Unternehmens-Enterprise-Systeme à la SAP als digitales Unternehmens-Backbone neue Aufgaben übernehmen, zu denen zunehmend nicht nur transaktionale Elemente zählen sondern auch steuernde Aufgaben aktiv unterstützen: Eine große Chance!

The Next Now! - Foto: shutterstock.com - SFIO CRACHO

The Next Now!

Andererseits sind Consumer gut beraten, ihr digitales Pendent im Netz besser zu schützen. Letztlich wird es nicht mehr genügen, sein personen- und persönlichkeitsbezogenes Image zu pflegen, zu entwickeln und zu schützen, sondern das Gleiche wird in zunehmendem Maße auch für seine(n) netzbasierenden Avatar(e) gelten. Beides wird in Zukunft nur noch schwer voneinander zu unterscheiden seien. Jeder braucht also praktisch eine "Personal Firewall" sowohl in der realen wie auch in der virtuellen Welt.

Herstellern von Enterprise-Software ist allerdings angeraten, sich möglichst zügig mit Herstellern von Komponenten des IoT zusammenzuschließen. Auf diese Weise können sie sich in die Lage versetzen, nicht nur "in-bound"-Daten aus dem IoT - neben den klassischen Transaktion- zu sammeln, auszuwerten und aufzubereiten, sondern neuen Funktionalitäten über Aktuatoren auch "out-bound" aktiven Einfluss auf die analoge physikalische Welt zu erlangen. Dabei wird schnell klar, dass eine derartige Fähigkeit weit über eine aktive Steuerung von Unternehmensprozessen hinausgeht. Angesichts dieser Möglichkeiten, die das IoT bietet, scheint es eine unmittelbare Notwendigkeit zu werden, das Verhältnis von Mensch und Maschine neu auszuloten.