Mangelnde Standards bremsen noch

Das intelligente Haus wird langsam Realität

15.02.2002
MÜNCHEN (ave) - Das intelligente Haus nimmt allmählich Gestalt an. In aktuellen Projekten arbeitet in Deutschland eine ganze Reihe von Herstellern an Lösungen, die per Computer die zentrale Steuerung vieler Funktionen in Gebäuden ermöglichen sollen.

7.30 Uhr, der Wecker klingelt. Gleichzeitig beginnt in der Küche der Kaffee durchzulaufen, kurz darauf öffnen sich die Jalousien. Im Badezimmer läuft das Wasser in die Wanne ein - und alles, ohne dass der Bewohner selbst Hand anlegen muss. Bislang gehörte ein solches Szenario in den Bereich der technischen Spielereien - nur Einzelpersonen wie etwa Bill Gates war es vorbehalten, in einem so genannten intelligenten Haus zu leben.

Doch das ändert sich. Aktuell laufen in Deutschland verschiedene Projekte mit dem Ziel, Technologien für smarte Gebäude zu entwickeln, die für die Allgemeinheit zu erschwinglichen Preisen verfügbar sein sollen. Dazu gehört das Innovationszentrum Intelligentes Haus Duisburg (Inhaus). Insgesamt 17 Hersteller untersuchen dort gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft, wie das Zusammenspiel von Technik in schlauen Häusern aussehen kann. Die Lösungen der Firmen Ackermann (Kommunikationsanlagen), Geberit (Sanitäranlagen), Burgwächter (Sicherheit), Liebherr (Gefriertechnologie), Merten (Schalt- und Steuerungssysteme), Miele (Hausgeräte), Honeywell, Siedle (Tür- und Gebäudekommunikation), Viessmann (Heizungs- und Lüftungstechnik), Volkswagen (PKW), Henkel (Home Care), Deutsche Telekom (Kommunikationsdienstleistung), Honeywell (Heiztechnik), Kaldewei (Sanitäranlagen) und Winkhaus (Beschlagtechnik) decken dabei nahezu sämtliche Bereiche des täglichen Lebens ab.

Grundlage der Kommunikation ist das Bussystem "Instabus EIB", das die einzelnen Lösungsbausteine miteinander verbindet. Dazu gehört etwa der Gefrierschrank "Cool-Logic" von Liebherr, der mittels Funketiketten die eingelagerten Lebensmittel registriert und verwaltet. Von Kaldewei stammt eine Badewanne mit am Wannenrand integrierter Tastatur, über die sich unter anderem Wassermenge und -temperatur regeln lassen. Diese Funktionen können aber auch per Fernbedienung oder über eine zentrale Anlage gesteuert werden.

Fenster öffnen sich automatischEine weitere Lösung ist "Miele-Info-Control", ein Kommunikationsinstrument, das es dem Anwender ermöglicht, über eine tragbare Fernsteuerung den Status von Geräten wie Waschmaschine, Trockner, Herd oder Geschirrspüler drahtlos abzufragen. Winkhaus realisiert bei Inhaus motorenbetriebene Fenster, die automatisch geöffnet und geschlossen werden können. Von der Firma Burgwächter stammt ein intelligentes Schließsystem, das das Öffnen der Haustür über Zifferncode, Transponder oder aber auch einen Autoschlüssel ermöglicht.

Mit dem intelligenten Haus befasst sich auch Tobit Software. Der Hersteller baut im Rahmen des Projekts "Easy Living" gemeinsam mit einer Gruppe von Schülern ein Einfamilien-Referenzhaus, in dem der Messaging-Server "David" verschiedene Funktionen zentral steuert. Das Gerät benötigt dazu ein spezielles Modul, den "DvISE Event and State Processor". Die Schüler wählen die ergänzenden Techniken aus, installiert das Bussystem und programmiert die Intelligenz. Der Spatenstich erfolgte bereits, nach einer zweimonatigen Bauphase soll eine Testgruppe das Haus beziehen, um Erfahrungen sammeln.

Ein Problem bei der Realisierung von intelligenten Häusern stellen allerdings fehlende beziehungsweise zueinander inkompatible Standards dar. Die meisten Systeme basieren noch immer auf proprietärer Technologie.