Linux als E-Commerce-Plattform

Das Herz von Mobile.de schlägt Open Source

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Die E-Commerce-Plattform Mobile.de setzt für ihre geschäftskritische IT-Infrastruktur komplett auf Open-Source-Komponenten unter dem Betriebssystem Debian Linux.

Seit der Gründung im Jahr 1996 hat sich der Online-Fahrzeugmarkt Mobile.de zu einem der meistbesuchten E-Commerce-Portale in Deutschland entwickelt. Im vergangenen Jahr zählte das Unternehmen aus Dreilinden/Berlin erstmals mehr als eine Milliarde Page Impressions pro Monat, inzwischen ist die Zahl auf 1,5 Milliarden gestiegen. Auf den Webseiten finden Benutzer rund 1,4 Millionen Fahrzeuge, im September 2008 besuchten 47 Millionen Interessenten die Site. Für die IT-Organisation erwachsen daraus extreme Anforderungen an die Verfügbarkeit und Skalierbarkeit der zugrunde liegenden Plattform. Von Anfang an stemmte der Anbieter die Last mit Open-Source-Systemen wie der Datenbank MySQL und der freien Linux-Distribution Debian.

Technische Gründe für Linux

Technologie ist für Mobile.de eine Kernkompetenz, sagt IT-Chef Philip Missler.
Technologie ist für Mobile.de eine Kernkompetenz, sagt IT-Chef Philip Missler.

"Wir wollten ein Betriebssystem, bei dem wir sehr viel selbst machen können und die Kontrolle darüber haben, was wir tun", begründet Philip Missler, Director Technology, die Entscheidung für die quelloffene Plattform. "Nach unserer Erfahrung sind die Unix-artigen Betriebssysteme für unsere Anwendungsfälle klar die bessere Alternative." Zwar spielten auch Aspekte wie Herstellerunabhängigkeit und Lizenzkostenstruktur eine Rolle. Ausschlaggebend für Mobile.de seien aber technische Aspekte gewesen. Missler nennt unter anderem die Leistung, Effizienz und Stabilität bei der Verarbeitung sehr großer Anfragevolumina, aber auch die Wartbarkeit durch leichtgewichtige Werkzeuge sowie den modularen Aufbau des Betriebssystems, der unnötigen Ballast vermeide. Last, but not least habe auch die Anpassbarkeit für Linux gesprochen.

Ideologie spielte keine Rolle

Die Vorliebe für das Open-Source-Prinzip sei keineswegs "ideologisch" bedingt, sondern habe ganz praktische Gründe, betont Missler: "Unser Geschäft beruht zu 100 Prozent auf unserer IT-Systemlandschaft. Gerade deshalb halten wir es für eine gute Idee, keine wirklich kritischen Komponenten einzusetzen, die wir nicht vollständig kontrollieren und im Ernstfall anpassen könnten. Kein User möchte sich den Kauf oder Verkauf eines Fahrzeugs durch einen Systemausfall entgehen lassen." Kommerzielle Linux-Distributionen, wie sie etwa Red Hat oder Novell offerieren, kamen für die Verantwortlichen dabei nicht in Frage. Diese hätten zwar ihre Berechtigung, so der IT-Chef, adressieren nach seiner Einschätzung aber eher IT-Management-Probleme. Auf der Engineering Ebene böten sie kaum bessere Lösungen als die bei Mobile.de eingesetzte freie Distribution Debian GNU (Version Sarge). "Debian hat sich für uns bewährt", erklärt Missler. "Ein Grund dafür ist das Paket-Management und die Modularität, die eine genaue Anpassung an den Einsatzzweck leicht macht."