CW-Kolumne

Das große Versprechen

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Mit Macht und viel Geld versucht Intel, eine neue Geräteklasse in den Markt zu drücken. Ultrabooks sollen die Vorteile leichtgewichtiger Tablets mit denen klassischer Notebooks kombinieren und das dümpelnde PC-Geschäft ankurbeln.
"Ultrabooks sollen die Vorteile leichtgewichtiger Tablets mit denen klassischer Notebooks kombinieren und das dümpelnde PC-Geschäft ankurbeln." Wolfgang Herrmann, Stellvertretender Chefredakteur CW.
"Ultrabooks sollen die Vorteile leichtgewichtiger Tablets mit denen klassischer Notebooks kombinieren und das dümpelnde PC-Geschäft ankurbeln." Wolfgang Herrmann, Stellvertretender Chefredakteur CW.

Doch die flachen Rechner legten keinen guten Start hin. Im Vergleich zu herkömmlichen Notebooks waren sie teuer und zudem ausschließlich auf Privatnutzer zugeschnitten. Die ersten Ultrabooks verkauften Hersteller für 800 bis 1000 Dollar, berichtet die Gartner-Analystin Tracy Tsai. Um die Verkäufe anzukurbeln, müssten die Preise nach ihrer Einschätzung auf 500 bis 700 Dollar sinken.

Inzwischen haben die Hersteller dazugelernt. Viele der auf der Computex 2012 präsentierten Systeme sind mit Features für professionelle Nutzer ausgestattet. Nur von den vielfach erwarteten und insbesondere von Intel wiederholt in Aussicht gestellten Preissenkungen ist bislang nichts zu spüren. Die Hoffnungen der Ultrabook-Protagonisten ruhen nun auf den neuen Ivy-Bridge-Prozessoren von Intel, die mit einer auf 22 Nanometer verringerten Strukturbreite mehr Leistung bei einem geringeren Energieverbrauch bringen sollen. Erste Tests der PC-Hersteller bestätigten die versprochenen Leistungssteigerungen zum großen Teil. Kaum Veränderungen brachte die neue Prozessorgeneration aber an der Preisfront. Die meisten der auf Business-Kunden zugeschnittenen Ultrabook-Modelle mit Ivy- Bridge-CPUs liegen deutlich über der 1000-Dollar-Marke.

Selbst für die neuen Consumer-Modelle müssen Kunden noch immer das Zwei- bis Dreifache eines Einstiegs-Notebooks auf den Tisch legen. Kommt ein Touchscreen in Verbindung mit Windows 8 hinzu, mit dem die Ultrabooks weitere Vorzüge eines Tablets böten, dürfte das den Preis noch einmal um mindestens 100 Dollar erhöhen, schätzt Gartner-Expertin Tsai. Ob die Ultrabooks damit den weiter erstarkenden Tablet-Konkurrenten Paroli bieten können, ist aus heutiger Sicht völlig offen. Den Beweis, dass Ultrabooks dem PC-Markt zu neuem Wachstum verhelfen, ist Intel bislang schuldig geblieben.