Das globale Dorf ist eine Fata Morgana

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Arbeiten Softwareentwickler aus unterschiedlichen Ländern zusammen an einem Projekt, birgt diese Kooperation Chancen und Risiken. Führungskräfte brauchen neben Fingerspitzengefühl vor allem interkulturelle Kompetenzen, um das Team erfolgreich zu leiten.

Technische Standards, Programmiersprachen oder die international übliche Geschäftssprache Englisch suggerieren zwar gleiche Voraussetzungen, doch die Menschen, die in einer Arbeitsgruppe zusammenarbeiten sollen, entziehen sich oft diesem kleinsten gemeinsamen Nenner. Mythen wie "Die Welt wird immer kleiner", "Wir leben in einem globalen Dorf" oder "Management folgt überall dem gleichen Muster" ignorieren mindestens die halbe Wahrheit.

Das Fachwissen der Teammitglieder macht nur einen Teil des Erfolgs aus. Entscheidend zum Gelingen oder auch Scheitern eines Projekts trägt die verantwortliche Führungskraft bei. Fehlen ihr soziale Kompetenzen und Fingerspitzengefühl, dann weht ihr bereits im eigenen Haus/Kulturkreis oft ein eisiger Wind entgegen, und sie fühlt sich überfordert. Kommen kulturelle Barrieren und Sprachhürden hinzu, kann ein Projekt schnell in einem Fiasko enden.

In Würzburg diskutierten die Teilnehmer der Konferenz "Interkulturelle Zusammenarbeit in internationalen Projekten" über die Tücken und Chancen weltweiter Teams. Ob Unternehmensfusion, ein ausgelagertes Entwicklungsprojekt, Green-Card-Mitarbeiter oder eine internationale Unternehmensstrategie - Gründe gibt es viele, weshalb auch mittelständische oder kleinere Firmen sich plötzlich mit interkulturellen Fragen beschäftigen müssen.

Organisiert hatte die zweitägige Veranstaltung das Fast-Institut an der Fachhochschule in Würzburg zusammen mit den Beratern von Step Process Management aus Darmstadt. In den Vorträgen und Diskussionsbeiträgen wurde deutlich: Der kulturelle Hintergrund spielt in internationalen Teams eine entscheidende Rolle. "Die Unterschiede zu leugnen und sich nur auf technische Fragen zu konzentrieren, hilft nicht weiter", erklärte Günther Thoma, Geschäftsführer von Step Process Management.

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