Bewerbertipp

Das erfolgreiche Vorstellungsgespräch

16.03.2013 | von Jürgen Hesse
Wer im Vorstellungsgespräch überzeugen will, muss an vieles denken: angemessene Kleidung, Pünktlichkeit und die richtigen Fragen stellen. Eine kleiner Wegweiser für Bewerber vor dem entscheidenden Gespräch.
Geschafft! Das Vorstellungsgespräch ist erfolgreich gelaufen.
Geschafft! Das Vorstellungsgespräch ist erfolgreich gelaufen.
Foto: Picture-Factory/Fotolia.com

Jedes Vorstellungsgespräch hat etwas von einer klassischen Prüfung und ist eine Art Ritual in der Berufswelt. Ziel ist es, die angeblich besten Bewerber für die jeweilige Position auszuwählen, weshalb im Gespräch gewisse Hürden zu überspringen sind. Darum empfiehlt es sich, sich gut vorzubereiten oder auch die Hilfe eines Beraters hinzuzuziehen.

Persönlichkeit zählt mehr als Fachwissen

Im Vorstellungsgespräch spielen nicht nur fachliche Aspekte eine Rolle: Die Beurteilung des Bewerbers ist zu ungefähr 70 Prozent von dessen Persönlichkeit geprägt. Etwa 20 Prozent machen dann die Leistungsmotivation und lediglich zehn Prozent die fachliche Kompetenz aus. Letztere wurde bereits durch die Bewerbungsunterlagen ausführlich begutachtet und steht deshalb nicht im Vordergrund. Ein wichtiger Punkt, der sehr viel über die Persönlichkeit aussagt, ist der passende Auftritt. Je nach Branche und Unternehmen sind gewisse Dresscodes üblich, die ja bereits beim Bewerbungsfoto beachtet werden sollten und im Vorstellungsgespräch besonders relevant sind. Wer hier unsicher ist, der kann vielleicht mit einem Blick auf die Firmenhomepage und die Mitarbeiterfotos eine gewisse Orientierung bekommen.

Die angemessene Pünktlichkeit

Beim Gesprächstermin ist Pünktlichkeit nicht nur eine Zier, sondern eine unerlässliche Tugend. Jedoch: Bitte nicht auf die Minute genau! Am besten melden Sie sich ungefähr fünf bis zehn Minuten vor Gesprächsbeginn ohne hektische Schweißflecken am Empfang. Wenn Sie allerdings bereits 30 Minuten vor Gesprächsbeginn zum Termin erscheinen, so machen Sie sich wenig Freunde. Schließlich hat Sie noch keiner erwartet, und irgendwo müssen Sie für die nächsten 30 Minuten möglichst störungsfrei untergebracht werden.

In vielen Unternehmen gehört es zum guten Ton, dem Gast eine kleine Erfrischung anzubieten. Kaffee, Tee, Mineralwasser - alles kein Problem, solange Sie keine Sonderwünsche wie Grapefruit- oder Tomatensaft äußern. Sie sind nervös und Ihre Hände zittern ein wenig? Dann verzichten Sie lieber auf den Balanceakt mit der Kaffeetasse und greifen zum Wasserglas. Werden Ihnen alkoholische Getränke angeboten, dann sollten Sie auf jeden Fall ablehnen. Alkohol und auch Zigaretten haben im Vorstellungsgespräch nichts verloren.

Die Gesprächsphasen

Der allgemeine Ablauf eines Vorstellungsgesprächs kann typischerweise in folgende Abschnitte unterteilt werden:

  1. Begrüßung,

  2. Bewerbungsmotive,

  3. beruflicher Werdegang,

  4. persönlicher Hintergrund,

  5. berufliche Kompetenz,

  6. Informationen für den Bewerber,

  7. Arbeitskonditionen,

  8. Fragen des Bewerbers und

  9. Verabschiedung.

Generell sind unzählige Fragen im Vorstellungsgespräch möglich, weshalb an dieser Stelle nur eine Auswahl an besonders wichtigen Themen folgt.

"Bitte erzählen Sie doch etwas über sich.": Diese Aufforderung hinterfragt die Persönlichkeit des Bewerbers. Zugeschnitten auf die jeweilige Firma gilt es hier, mit einer kurzen, prägnanten Botschaft wichtige Aspekte zur eigenen Kompetenz, Leistungsmotivation und persönlichen Eigenschaften zu kommunizieren.

"Warum bewerben Sie sich bei uns?": Bei der Frage empfiehlt es sich, die Positionierung der Firma sowie die eigenen Stärken/Kompetenzen als ideal ergänzend darzustellen.

"Warum sollten wir uns für Sie entscheiden?": Hier sollte der Bewerber zunächst kurz an die Stellenbeschreibung anknüpfen und dann wichtige fachliche sowie berufsbezogene persönliche Eigenschaften (Soft Skills) als Argumente benennen.

"Was erwarten Sie von einer Mitarbeit bei uns?": Darauf gilt es, authentisch die Vorzüge der Firma zu nennen und dann moderat bestimmte Entwicklungs- beziehungsweise Zukunftsperspektiven aufzuzählen.

"Was sind Ihre Stärken?": Hier sollten zwei, drei wichtige Punkte kompetent und gleichzeitig glaubwürdig - also mit kurzen Beispielen, nennenswerten Erfolgen, überzeugenden Argumenten - aufgeführt werden.

Fragen des Bewerbers

Es ist wichtig, zum richtigen Zeitpunkt auch eigene Fragen zu stellen. Denn an klugen Fragen erkennt man den interessierten und motivierten Bewerber. Hierzu gehören: Aufgabengebiet, Zuständigkeit, Verantwortung oder Kooperationspartner. In Zeiten vielfältiger Flexibilität sollte bei Firmen mit mehreren Standorten beziehungsweise Filialen nach dem konkreten Einsatzort oder auch möglichen Wechseln von Niederlassung zu Niederlassung gefragt werden. Wem hier, beispielsweise durch familiäre Verpflichtungen, bestimmte Grenzen gesetzt sind, der sollte dieses Problem vor Dienstbeginn ausführlich besprechen. Generell gilt: Der Abschnitt mit den Bewerberfragen sollte nie mit Erkundigungen zum Umfang der Urlaubsansprüche oder gar der Gehaltsfrage begonnen werden.

Abschied und Ausblick

Am Ende des Vorstellungsgesprächs folgt die Verabschiedung. Gestalten Sie dieses Ritual nicht nur freundlich und sympathisch, sondern erkundigen Sie sich auch über den konkreten weiteren Ablauf. Formulierungen wie "Sie hören von uns." sollten höflich hinterfragt werden: "Wann genau höre ich von Ihnen?". Es gilt, den weiteren Austausch zeitlich zu koordinieren und nicht auf eine wage Andeutung blind zu vertrauen.

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