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Letzter IP-Adressblock für Europa

Das Ende einer Ära

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Die RIPE NCC, die für die Vergabe von IP-Adressen in Europa zuständig ist, bricht den letzten Block mit 16,8 Millionen IP-Adressen an. Damit nähert sich das Zeitalter der jetzt weltweit fast ausschließlich verwendeten IP-Adressen der Version 4 (IPv4) seinem Ende.
RIPE-President Axel Pawlik sieht mit dem schwindenden Vorrat an IPv4-Adressen das Ende einer Ära kommen.
RIPE-President Axel Pawlik sieht mit dem schwindenden Vorrat an IPv4-Adressen das Ende einer Ära kommen.
Foto: RIPE NCC

Dass der Vorrat an IPv4-Adressen nicht unbegrenzt ist, war schon lange klar. Rund vier Milliarden Zahlenkombinationen lassen sich in dem 128-Bit-Adressfeld (Beispiel:192.168.112.108) unterbringen. Und dieser Vorrat nähert sich seinem Ende: Letzte Woche gab das RIPE NCC (Réseaux IP Européens Network Coordination Centre) bekannt, dass es mit der Vergabe von Adressen aus dem letzten verfügbaren Block von 16,8 Millionen IP-Adressen begonnen hat.

Inklusive einer Reserve für „besondere Umstände“ belief sich der Vorrat letzte Woche auf 17,3 Millionen IP-Adressen. Das RIPE NCC ist für die Adressvergabe in Europa, dem Mittleren Osten und Teilen Zentralasiens zuständig. Zwar klingt die Zahl von 17 Millionen recht eindrucksvoll; allerdings belief sich der Adressvorrat zwei Wochen vorher noch auf gut 20 Millionen Adressen.

„Das ist das Ende einer Ära und gleichzeitig der Beginn der nächsten Stufe in der Entwicklung des Internets“ postete Axel Pawlik, Präsident von RIPE NCC, in einem Blog. Das europäische RIPE NCC ist eine von fünf Organisationen, die die weltweite Vergabe von IP-Adressen regelt – und nicht die erste, die kurz vor dem Ausverkauf steht. Schon im April hatte das für den Raum Asia-Pacific zuständige APNIC (Asia Pacific Network Information Centre) gemeldet, dass es mit der Vergabe von IP-Adressen aus dem letzten Block begonnen hat. ARIN (American Registry for Internet Numbers), das die amerikanischen IP-Adressen verwaltet, rechnet damit, dass der letzte Block im Juni nächsten Jahres erreicht sein wird.

Abhilfe soll das zukünftige IP-Protokoll in der Version 6 (IPv6) schaffen, das mit 32-Bit-Adressen einen nahezu unbegrenzten Adressraum schafft, aber bisher nur für etwa 0,15 Prozent des Internet-Traffics genutzt wird. Ebenso wie schon APNIC wird das RIPE NCC die Vergabe von IP-Adressen jetzt sehr viel restriktiver handhaben als bisher. Zwar würden nach wie vor Blöcke von jeweils 1024 IP-Adressen an Antragsteller vergeben, aber nur, wenn diese den Bedarf begründen könnten und bereits über eine IPv6-Kennung verfügen.

Laut RIPE NCC müssten Netzwerk-Anbieter und IT-Verantwortliche sich der Tatsache bewusst werden, dass es unausweichlich ist, ihre Netzwerk IPv6-tauglich zu machen, um auch zukünftig für jedermann den Zugang zum Internet zu ermöglichen.