Warum der Hype den Unternehmenserfolg gefährdet

Das Digitalisierungsdilemma

26.01.2016
André Kiehne ist Sales Director Transformational Business IT Sales bei Dimension Data Germany.
Es ist ein bekanntes Phänomen: Ein Thema wird zum Hype - und schon formiert sich der Widerstand. Überbewertet, reine Medienpropaganda, nicht ernst zu nehmen. Ein ähnlicher Trend zeigt sich derzeit bei der Digitalisierung. Und der kann zur Gefahr für den gesamten Unternehmenserfolg werden.

Ist die Digitale Transformation nur etwas für Hochtechnologieunternehmen? Geht das Leben für den Mittelstand weiter wie bisher - vielleicht, als Zugeständnis, mit einem kleinen, neuen Online-Shop? Die Hälfte der Unternehmensentscheider im deutschsprachigen Raum scheint das zu glauben. Die Studie "Digital Leader - Leadership im digitalen Zeitalter", die das IT-Beratungsunternehmen Crisp Research im Auftrag von Dimension Data durchgeführt hat, zeigt: Jeder Zweite glaubt, sein Unternehmen sei maximal peripher von der Digitalisierung betroffen - mit der Reaktion auf den vermeintlichen Wandel könne man sich also getrost Zeit lassen.

Nicht jedes Unternehmen ist aktuell bereit, den Sprung in Richtung Digitale Transformation zu wagen.
Nicht jedes Unternehmen ist aktuell bereit, den Sprung in Richtung Digitale Transformation zu wagen.
Foto: Romolo Tavani - www.shutterstock.com

Ein Grund: Genau derselbe Anteil der Befragten glaubt, die Digitale Transformation sei ein Medienhype, dessen Aussagen überbewertet werden. Es ist denkbar, dass die derzeit unbestritten hohe Dichte und die Schlagzahl von Nachrichten und Meldungen zu diesem Trend dieses Ergebnis womöglich negativ beeinflussen. Dennoch zeigt es auch, dass die Unternehmenslenker nicht in der Lage sind, das Für und Wider von IT der nächsten Generation für das eigene Unternehmen objektiv und unabhängig von der öffentlichen oder medialen Meinung abzuwägen.

Business-Entscheider sind oft der Hemmschuh

Während nach Aussage der Studie fast drei Viertel der IT-Entscheider überzeugt sind, die Digitalisierung mache eben nicht vor ihrem Betrieb halt, sind wiederum ganze 65 Prozent der Business-Entscheider sicher, sie bleibe vor den Unternehmenstoren einfach stehen. Geht man davon aus, dass die IT-Abteilung die Entwicklung moderner Technologien im Auge behält, digitale Vorreiter beobachtet und Best-Practice-Cases kennt, so spricht man ihr auch eher die Kompetenz zu, diese Technologien gewinnbringend im eigenen Unternehmen einsetzen zu können.

Denn, auch das zeigt die "Digital Leader"-Studie: Während mehr als zwanzig Prozent der 503 Befragten derzeit an keinem Digitalisierungsprojekt arbeiten, treiben etwa genauso viele die Entwicklung gänzlich neuer Geschäftsmodelle auf Basis neuer Technologien voran oder bauen ihre IT-Infrastruktur mit hybriden Cloud-Lösungen komplett um. Die Kluft zwischen denjenigen, die von den Vorteilen wie Agilität, Flexibilität und Skalierbarkeit profitieren, und denjenigen, die im Angesicht des Hypes verharren wie das Kaninchen vor der Schlange, wird sich weiter öffnen und kann den Geschäftserfolg nachhaltig gefährden.

Lenker und Macher vereinigen

Dennoch, auch das muss klar sein, eine innovative IT-Abteilung allein reicht nicht aus, um das Unternehmen fit für die Digitalisierung zu machen, die auch ganz abseits vom Hype Kunden- und Mitarbeiterverhalten sowie ganze Prozesse und Industrien nachhaltig beeinflusst. Einem, der gleichzeitig Lenker und Macher ist, dem Digital Leader, ist bewusst, dass insbesondere das eigene Unternehmen stark von der Digitalisierung betroffen ist und über die Unternehmensbereiche hinweg ein hoher Transformationsbedarf besteht.

So ist sie aus seiner Perspektive sowohl Grundlage zur Lösung ökologischer und ökonomischer Herausforderungen als auch Basis für mehr Innovationskraft, Produktivität und Kundennähe im Unternehmen. Es geht darum, die Lösungen, die die IT-Abteilung identifiziert, auf ihren Nutzen für das ganze Unternehmen hin zu prüfen, also Technologie und Strategie zu integrieren.
Allein abteilungsübergreifende Ansätze, die das Silodenken auflösen, beschleunigen sowohl Unternehmenstransformation als auch Unternehmenserfolg. Umso schneller, je früher die technologische Neuorientierung unabhängig von Hypes und öffentlichen Forderungen ganz nach dem Bedarf des Unternehmens gelingt. (bw)

 

SmartServiceWelt

Interessanter Beitrag. Allerdings sind IT-Abteilungen oftmals eher Hemmschuhe und denken kaum in Business-Opportunities. Eine "Ticket-Zieh-Kultur" (Verwalten statt Innovieren) ist meist stärker ausgeprägt als in öffentlichen Bürgerämtern. Der operative Alltag lässt ihnen keine Luft - Abarbeiten ist die Devise. Das prägt Mindsets (wie im eigenen Start-up erlebt!).

Man sollte in der Tat aufeinander zugehen und IT aus dem Silo holen (auch bereits in der Ausbildung/Studium). Dafür braucht es in Unternehmen aber erst einmal Foren und Zeit, um gemeinsame spannende Projekte zu launchen. In denen dürfen ebenso wenig IT-Kompetenz, technische Möglichkeiten und sozial exkludierende IT-Sprachstile wie Kennzahlen geleitete Business Case-Denke und End-To-End-Sprech dominieren. Mut und Kreativität für spannende, branchenübergreifende Geschäftsmodelle (inkrementell wie disruptiv) sollten die Maxime bilden. Dafür braucht es aber einen Impuls, ja eine Kampagne des Top-Managements, die alle (vom Kantinenmitarbeiter bis zum CIO) beteiligt und die Rahmenbedingungen (einen Kulturwandel) schafft. Für einen echten Aufbruch in das digitale Zeitalter - die gemeinsame unternehmerische Erneuerung.

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