Business-Tablet im Test

Das CL910 ist endlich ein Tablet zum richtigen Arbeiten

Jürgen Hill
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
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Unterwegs sicher ins Enterprise-Netz gehen? Dokumente mobil ohne großen Konvertierungsaufwand bearbeiten? Unternehmen, die solche Ansprüche an ein Tablet haben, sollten das CL910 von Motion Computing in die engere Wahl ziehen.

Um es gleich vorwegzunehmen: Wer ein Tablet sucht, mit dem er sich in den Straßencafés der Prachtalleen dieser Republik sehen lassen kann, braucht nicht weiterzulesen. Das CL910 von Motion Computing ist weder sexy, noch hat es einen hohen Coolness-Faktor. Alle anderen, die auf der Suche nach einem Tablet sind, mit dem sie vernünftig arbeiten können, sollten weiterlesen.

Mit dem CL910 Tablet PC von Motion Computing erhalten Anwender ein Tablet auf Intel-Basis und Windows Professional als Betriebssystem. Damit steht dem Anwender die gesamte Welt seiner gewohnten Office-Anwendungen offen, und ein konsistentes Weiterverarbeiten von Dokumenten ist möglich. Beim Arbeiten darf es auch einmal etwas härter zur Sache gehen. Im Gegensatz zu den eher zartbesaiteten Diven aus dem Android- und Apple-Lager ist das CL910 hart im Nehmen. Es ist gemäß MIL-STD-810G und IP52 getestet und zertifiziert.

Für Rechen-Power sorgt ein Atom-Dual- Core-Prozessor N2600, der auf 2 GB RAM zurückgreifen kann. Als Massenspeicher dient eine 128-GB-SSD. Zudem ist ein TPM-Modul für sicherheitskritische Anwendungen verbaut. Kontakt zur Außenwelt nimmt das Tablet per Bluetooth, WLAN 802.11a/b/g/n oder 3G-Mobilfunknetz auf. Ein USB- sowie ein Videoanschluss und ein SD-Karteneinschub runden die Ausstattung ab. Für Aufnahmen stehen Front- und Rückkamera zur Verfügung. Das Display selbst ist 10,1 Zoll groß und bietet eine Auflösung von 1366 mal 768 Pixel. Zudem wartet es mit einer Besonderheit auf: Es kann sowohl per Finger-Touch als auch mit einem elektronischen Digitizer bedient werden. Mit einem Verkaufspreis von rund 1300 Euro zielt das Tablet klar auf eine professionelle Klientel. Dies verdeutlicht auch ein Blick in die Aufpreisliste. Für besondere Einsatzszenarien offeriert Motion eine breite Zubehörpalette wie Barcode-Scanner, Kartenlesegerät etc.

Kantig und robust

Die erste Begegnung mit dem CL910 löste beim Tester keine Begeisterungsstürme aus. Das CL910 ist kein Handschmeichler und liegt gefühlt schwer wie ein Ziegelstein in der Hand. Allerdings täuscht dieser Eindruck, wie ein Blick auf die Waage zeigte. Das Tablet ist nur wenige Gramm schwerer als das vom Tester im Alltag verwendete HP-Touchpad. Eine Erklärung für den ersten Eindruck könnte in dem kantigen Gehäuse liegen, das einem internen Versteifungsrahmen geschuldet ist, mit dem Motion die hohe Strapazierfähigkeit des Geräts erreicht. Laut Hersteller verkraftet es Stürze aus bis zu 1,5 Metern ohne Beschädigung - ein Stresstest, den wir dem Gerät dann doch nicht zumuten wollten.

Die kritische Einstellung gegenüber dem CL910 schwand mit dem ersten Einrichten. Es ist einfach komfortabel, ohne Einschränkungen unterwegs mit Office wie am Arbeitsplatz arbeiten zu können oder auf Enterprise-Anwendungen per Citrix-Session ohne Klimmzüge wie in der Android- oder Apple-Welt zugreifen zu können. Ein Aspekt, der nicht genug betont werden kann, wie sich beim Arbeiten mit Microsoft Lync zeigte. Während wir mit Lync auf dem iPad oder Android auf zahlreiche Funktionen verzichten mussten, war eine Videokonferenz per Lync auf dem CL910 kein Problem. Einziger limitierender Faktor war die Bandbreite in den öffentlichen WLAN-Hotspots unterwegs. Doch auch dies war kein echtes Manko, denn dann wurde per Chat weiterkommuniziert.

Bedienung per Touch und Digitizer

Der Clou dabei: Statt mühselig auf der Bildschirmtastatur zu tippen, kann der Chat-Teilnehmer auf dem CL910 einfach per Schreibschrift kommunizieren. Hier zeigt sich einer der Vorteile, den die Kombination aus klassischer Touch-Bedienung und Digitizer in der Praxis hat. Ist eine präzise Eingabe, etwa handschriftlich, oder das Ankreuzen von Formularfeldern gefragt, bewährt sich der Griff zum Stift. Soll dagegen nur gescrollt oder eine der Windows-Schaltflächen bedient werden, dann ist der Finger als Eingabemittel die erste Wahl. Dank dieser Kombination konnten wir nach kurzer Eingewöhnungszeit auch nicht mehr verstehen, warum immer wieder gebetsmühlenhaft behauptet wird, Windows 7 sei für Tablets und Touch-Displays nicht geeignet. Das Motion-Konzept beweist das Gegenteil. Etwas ungewohnt war anfangs die Verwendung der rechten Maustaste, die über einen kleinen "Taster" im Stift realisiert ist. Die Schrifterkennung selbst ist wiederum klasse. Sie kam selbst mit der, um es diplomatisch auszudrücken, recht künstlerischen Schreibschrift des Testers zurecht. Apropos Digitizer: Gut gelöst ist, dass dieser nach Gebrauch seitlich hinter einer Klappe im Gehäuse des Geräts verschwindet. Allerdings war der Mechanismus an unserem Testgerät leider etwas hakelig.