CA Expo 2012

„Das Business ignoriert die IT“

Tobias Wendehost beschäftigt sich als Volontär aktuell mit verschiedenen Hardwarethemen und stellt täglich ein Gadget des Tages vor. Ansonsten arbeitet er sich thematisch durch die Ressorts Job und Karriere, Software, Netzwerke und Mobile sowie IT-Strategie. Wer möchte, kann Tobias bei Twitter (@tubezweinull) folgen oder bei Xing eine Nachricht schreiben.
CA möchte nicht nur Mainframe-Produkte anbieten, sondern auch in andere Marktbereiche vordringen. Christoph Rau, Geschäftsführer in Deutschland, spricht im CW-Interview auf der CA Expo 2012 in Mannheim über die aktuelle Strategie des Softwareunternehmens.

CW: Herr Rau, CA Technologies hat sich in der Vergangenheit stark auf den Mainframe-Bereich konzentriert. Hat dieses Segment noch eine Zukunft?

Christoph Rau, Geschäftsführer CA Technologies Deutschland: "Der CIO wird mit Anforderungen konfrontiert, die er nicht erfüllen kann."
Christoph Rau, Geschäftsführer CA Technologies Deutschland: "Der CIO wird mit Anforderungen konfrontiert, die er nicht erfüllen kann."
Foto: CA Technologies Deutschland

RAU : CA hat einen soliden Bestand an Kunden, möchte aber auch Neukunden gewinnen. Diese sollen nicht nur aus dem Mainframe-Bereich kommen, sondern auch neue Produkte erhalten. Zwar erwirtschaften wir weltweit ungefähr die Hälfte unseres Geschäftes im Mainframe-Segment. Der Bereich ist also stabil und bietet noch Spielraum. Aber es gibt auch andere Bereiche in denen wir unsere Produkte anbieten möchten.

CW: Was sind das für Bereiche?

RAU: CA Technologies möchte neue Kunden im Enterprise-Business gewinnen. Wir sehen, dass die Anforderungen an die IT steigen. Gleichzeitig können die IT-Abteilungen nicht das leisten, was von ihnen verlangt wird. Sie sollen effizienter werden und sparen, aber gleichzeitig innovativ sein. Die IT wird immer komplexer, IT-Abteilungen haben aber immer weniger Spielraum. 80 Prozent des Budgets wird für bestehende Prozesse ausgegeben. Gleichzeitig existiert das Problem, dass Benutzer über heterogene Plattformen auf Anwendungen zugreifen. Zudem wollen diese Nutzer neue Anwendungen. Unser Angebot geht daher in zwei Richtungen. Zum bieten wir IT-Abteilungen an, bestehende Infrastrukturen effizienter zu gestalten. Das erreichen wir mit Software, die Netzwerk- und Systemlandschaft organisiert. Die Infrastruktur wird damit schlanker und lässt sich auf andere Plattformen migrieren. Zum zweiten können wir den CIOs anbieten, Innovationen voranzutreiben. Also letztlich mehr und leistungsfähigere Anwendungen auf den Markt zu bringen.

CW: Wie erreichen Sie das?

RAU: Wir schaffen das in drei Bereichen. Zum einen bieten wir Service-Virtualisierung an. Damit virtualisiert man Laufzeitumgebungen mit denen sich Anwendungen entwickeln lassen. Kunden haben dadurch die Möglichkeit, Anwendungen während der Entwicklung zu testen, ohne dass sie auf eine Testumgebung wechseln müssen. Das spart Kosten und die Anwendung ist schneller marktreif. Der zweite Bereich ist Serviceautomation, also Anwendungen über Cloud-Technik bereitzustellen. Der Vorteil ist die Skalierbarkeit, da ich Ressourcen auf- und abbauen kann. Schließlich wird Mobile-Device-Management immer wichtiger. Das resultiert aus dem Wachstum im Cloud-Bereich. Verschiedene Benutzergruppen müssen mit unterschiedlichen Techniken über verschiedene Plattformen sowie Browser auf Anwendungen zugreifen können.

CW: Wird der CIO mit diesen Angeboten überflüssig?

CA Technologies konzentriert sich in seiner Strategie stärker auf Virtualisierungstools und Securitysoftware.
CA Technologies konzentriert sich in seiner Strategie stärker auf Virtualisierungstools und Securitysoftware.
Foto: Americasroof

RAU : Wir liefern dem CIO das Handwerkszeug. Er bekommt die Möglichkeit, seiner Geschäftsleitung zu zeigen, wie sich Prozesse effektiver gestalten lassen. Wir wollen nicht der Service-Anbieter sein. Allerdings besteht für den CIO das Problem, dass Anforderungen an ihn gestellt werden, die er nicht unmittelbar erfüllen kann. Er kann sich aber mit den Werkzeugen an die Geschäftsleitung wenden und Möglichkeiten skizzieren. Zudem bietet sich damit die Chance, das Business in die Entwicklung einzubeziehen. Zum Beispiel kann ich in einer simulierten Umgebung zeigen, wie eine Anwendung aussehen kann und ob sie alle Anforderungen erfüllt. Der CIO wird zum Chief Innovation Officer. Ein Beispiel ist die Mobilitätsplattform "moovel" von Daimler. Mit dem Angebot bündelt das Unternehmen Services verschiedener Anbieter und bietet dem Kunden Navigationsoptionen per App oder mobiler Website an. Das Projekt wurde realisiert, weil sich IT und Geschäftsführung zusammen überlegt haben, wie sie einen Mehrwert schaffen. Kann ein CIO erklären, welchen Nutzen eine Anwendung hat, dann fängt auch die Geschäftsleitung an, darüber nachzudenken.

CW: Der CIO kann diese Rolle häufig nicht einnehmen, da er in der Geschäftsführung außen vor bleibt. Bürden Sie ihm damit nicht eine Rolle auf, die er gar nicht erfüllen kann?

RAU: Der CIO soll ja nicht als CEO berufen werden. Natürlich bestehen zwischen den Beiden Unterschiede, was zum Problem werden kann. Allerdings ist das der mangelnden Kommunikation geschuldet. Viele CIOs beobachten in den Unternehmen eine Ignoranz gegenüber IT-Themen. Der CEO versteht häufig nicht, was sich mit Mitteln der Informationstechnik an Nutzen erzeugen lässt. Der CIO wird in vielen Unternehmen nicht in strategische Entscheidungen einbezogen. Also lässt sich das Unternehmen mögliche Wertschöpfungen entgehen.