Siemens hat sich zu früh gefreut

Das Bundeskartellamt läßt sich Zeit mit SNI

06.04.1990

MÜNCHEN/BERLIN (bk) - Doch noch kein grünes Licht für die Siemens-Nixdorf-Fusion: Entgegen den Erwartungen des Münchner Elektronikkonzerns (siehe auch COMPUTERWOCHE 13190 vom 30. März 1990, Seite 1) läßt sich das Berliner Bundeskartellamt weiter Zeit mit einer Entscheidung.

Recht voreilig hatten in der letzten Märzwoche DI-Bereichsvorstand Hans-Dieter Wiedig und Finanzvorstand Karl-Hermann Baumann erklärt, daß das Bundeskartellamt wohl keine Bedenken gegen die Zusammenlegung der Datentechnik-Bereiche von Siemens und Nixdorf habe und dies bis Ende März auch öffentlich kundtun wolle. Die beiden Siemens-Manager indes scheinen die Signale, die von den Kartellwächtern nach München entsandt worden sein sollen, falsch verstanden zu haben. Eine Entscheidung nämlich, so verlautete aus Berlin, ist längst noch nicht gefallen.

Hubertus Schön, Pressesprecher des Bundeskartellamtes, bekräftigte auf Anfrage: "Wir sind weiter mit der Prüfung der Unterlagen beschäftigt." Den verbalen Vorstoß der Siemens-Manager tat Schön als "taktisches Geplänkel" ab, von dem man sich jedoch nicht beirren ließe: "Wir haben bis Mitte Mai Zeit." Bei Siemens indes rechnet man weiter nahezu täglich mit einem positiven Bescheid aus Berlin.