CES-Ausblick

Das bringt die Consumer Electronics Show 2014

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Nicht alles was in Vegas passiert, bleibt auch in Vegas. Denkt man an die CES, die vom 7. bis 10. Januar in der Zocker-Stadt stattfindet, besteht im Gegenteil eine große Chance, dass etliche der dort vorgestellten Gadgets in diesem Jahr groß heraus kommen werden. Die COMPUTERWOCHE berichtet auch dieses Jahr wieder vor Ort von den neuesten IT-Highlights und –Trends der CES.
Die CES hat sich zu einem Pflichttermin für die IT-Branche entwickelt.
Die CES hat sich zu einem Pflichttermin für die IT-Branche entwickelt.

Videorecorder, HDTV, Blue Ray oder Microsoft Xbox sind nur einige der Produkte und Techniken, die in der Vergangenheit erstmals auf der CES der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Ausgehend von den bislang bekannten Informationen gibt es auch dieses Jahr eine Reihe von Kandidaten mit einer vielversprechenden Zukunft – aber auch etliche, die vermutlich nie Serienreife erhalten oder - falls doch - komplett floppen. Immerhin werden über 20.000 (mehr oder weniger) neue Produkte auf der Messe erwartet, auch wenn es sich bei gefühlten 50 Prozent davon um Handy-Hüllen und ähnliches Zubehör handelt.

Zu den Produkten, die man anschließend wohl kaum außerhalb der CES, geschweige denn am Anwender finden wird, werden sicher etliche der ausgestellten Wearable-Devices fallen. Ähnlich wie 2011, als einzig die Erwartung eines Apple-Tablets zu einer ganzen Schwemme von Android-Geräten von asiatischen No-Name-Herstellern führte, hoffen auch jetzt zahllose Newcomer auf ihr Glück. Der Fokus der Hersteller reicht dabei von Smart-Glasses à la Google Glass bis hin zu Myriaden von mit Sensoren bestückten Armbänder und Ähnliches für Fitness- und Gesundheitsbewusste (Stichwort „Quantified Self“).

Für die neue Produktgruppe Smartwatches wurde auf der CES 2014 sogar ein eigener Bereich namens WristRevolution eingerichtet, hier findet man jedoch einzig Qualcomm (Toq) und TomTom als bekannten Hersteller. Andere Player zeigen ihre Wearables aber auch direkt am eigenen Messestand – Elektronikriese LG etwa soll Berichten zufolge etwa in Vegas mit dem „Lifeband Touch“ an den Start gehen.

Wenn es die Anbieter auch noch nicht geschafft, einen wirklich überzeugenden Grund für das Tragen einer Smartwatch vorzuweisen, laufen nun immerhin die ersten Initiativen, deren Optik aufzuwerten. So setzt etwa Metawatch künftig zumindest bei den Highend-Modellen auf die Hilfe von Frank Nuovo, eines ehemaligen Designers von Vertu, Nokias verkaufter Edel-Handy-Marke. Und auch Pebble (Pebble Watch) bringt jetzt eine Version seiner Smartwatch mit Metallarmband und Gorilla Glass heraus.

Ein ebenfalls schwieriges Thema, wenn auch mit einer deutlich höheren Einstiegsschwelle für die Anbieter belastet, sind die 4K-beziehungsweise mittlerweile 5K-Fernseher. Einen solchen zeigt zumindest LG eigenen Ankündigungen zufolge mit dem CURVED ULTRA HD TV (Modell 105UC9) auf der Messe. Das Gerät besitzt einen riesigen und zudem leicht gebogenen 105-Zoll-Bildschirm mit einer Auflösung von 5120 mal 2160 Pixel und soll damit laut LG ein echtes Kino-Feeling für zu Hause bieten. Der koreanische Hersteller hat auch schon eine Idee, woher die Inhalte für diese noch höhere Auflösung kommen sollen – dank eines Seitenverhältnisses von 21:9 könne der Benutzer problemlos zusätzliche Informationen am Rand einblenden. Zudem darf man gespannt sein, was sich seit der IFA Anfang September außer bei der Preisgestaltung noch bei der die Masse an 4K-Modellen getan hat.

Wie in den Jahren zuvor feiern auch dieses Jahr wieder Automobilhersteller und Zulieferer einen fröhlichen Einstand auf der CES, wenn auch mit unterschiedlichen Themen. Wie im Vorfeld der Messe bekanntgegeben wurde, hat sich etwa Google mit den Autobauern Audi, General Motors, Honda und Hyundai sowie dem Prozessorhersteller Nvidia im Rahmen der Open Automotive Alliance (OAA) zusammengetan. Gemeinsam wollen die Unternehmen neue Möglichkeiten entwickeln, um Android-Geräte und deren Inhalte besser in die Fahrzeuge zu integrieren. Weitere Details dazu wird Audi-Chef Rupert Stadler wohl in seiner Keynote am heutigen Abend um 20:30 (Ortszeit) bekanntgeben. Ein anderes Thema, das die VW-Tochter wie auch andere Automobilfirmen im Rahmen der CES präsentieren, ist Autonomes Fahren. Hier darf man über den aktuellen Stand der Entwicklungen und deren Serienreife gespannt sein, genauso wie über den weiteren Fortschritt und die Konzepte auf dem Gebiet „Connected Cars“.

Selbst wenn die weltgrößte Mobilfunkmesse MWC bereits Ende Februar wieder ihre Tore öffnet, ist Las Vegas in der zweiten Januarwoche auch ein Mekka für Hersteller von Smartphones und Tablets. Unter anderem wird der chinesische PC-Riese Lenovo mit dem Vibe Z und anderen Modellen seine ersten Smartphones für den internationalen Markt vorstellen. Von Samsung wiederum wurden bereits jetzt Bilder und Informationen zu den Modellen bekannt, die der Marktführer am Abend in seiner Keynote vorstellen will. Es soll sich dabei um drei Galaxy-Tab-Pro-Tablets mit 8.4, 10.1 und 12.1 Zoll Displaygröße handeln. Außerdem bringt Samsung wohl eine Pro-Version seines Stift-Tablets Galaxy Note 10.1 heraus.

Intel wiederum plant nach dem gescheiterten Anlauf mit den Ultrabooks auf der CES seinen nächsten Coup: Laut The Verge will der Chiphersteller in Las Vegas zusammen mit einigen PC-Herstellern, darunter Asus, auf der Messe mehrere Geräte (Tablets und Hybride) mit „Dual OS“ (Codename) vorstellen. Die dahinterliegende Idee: Dank Virtualisierung laufen auf den Devices Android-Apps innerhalb von Windows und vereinfachen Anwendern die aktuell (nicht so) schwere Entscheidung, welches Betriebssystem sie wählen sollen. Das einzige nicht unerhebliches Problem bei der Sache: Laut „The Verge“ sind weder Microsoft noch Google im Boot und angeblich auch nicht gerade auf eine Koexistenz ihrer konkurrierenden Betriebssysteme auf den Devices erpicht. Es ist also nicht ganz ausgeschlossen, dass Microsoft Druck auf die Hersteller ausübt und damit die Aktion noch kurz vor der CES stoppt.

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