Internet der Energien

Das bringen Smart Grids

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Smart Grids versprechen eine effizientere Energienutzung, günstigere Strompreise und neue Milliardenmärkte für die IT-Industrie.
Die Tage des klassischen, dummen Stromzählers sind gezählt. Die Zukunft gehört vernetzten Zählern.
Die Tage des klassischen, dummen Stromzählers sind gezählt. Die Zukunft gehört vernetzten Zählern.
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Nach zwölf Stunden nervenaufreibender Fahrt, erschwert durch die Suche nach Schnellladestationen, steht das E-Car wieder in der heimischen Garage und wartet darauf, ab Mitternacht zum Super-Mondschein-Spartarif aufgeladen zu werden. Und sein Fahrer freut sich nach langer Dienstreise auf das erste kühle Pils. Doch beim Betreten der Küche schlägt dem Durstigen ein stechender Geruch aus dem Kühlschrank entgegen. Hat der Froster doch tatsächlich komplett abgetaut, ohne eine Störungsmeldung an die Mini-App "E-Control" auf dem Smartphone zu senden. Ein Blick in die Logfiles des E-Butlers - wie die moderne Kreuzung aus intelligentem Stromzähler und Internet-Gateway mittlerweile heißt - offenbart die Wurzel des Übels: Ein destruktiver Zeitgenosse hat sich in die heimische Strom- und Steuerzentrale gehackt.

Smart Grid - was ist das?

Unter Smart Grid ist die intelligente Vernetzung von Energieerzeuger- und Verbrauchernetz zu verstehen.

Eine kommunikative Vernetzung ermöglicht es zudem, Stromerzeuger, stromverbrauchendes Gerät und Netzbetriebsmittel zu steuern. Dabei bilden Smart Grids eine der drei Säulen zur Umsetzung der EU-Direktive 2006 "Energery end-use efficiency and energy Service".

Ziel ist es, vorhandene Ressourcen effizienter und kostengünstiger zu nutzen. Gerade mit der Verbreitung dezentraler Energieerzeugungsanlagen (etwa Windkraft, Biogas etc.) dürfte die Bedeutung und Notwendigkeit von Smart Grids steigen. Experten schätzen, dass der Anteil der regenerativen Energien in den nächsten zehn Jahren von 15 auf 30 Prozent steigt. Dann werden Haushalte und Unternehmen Strom nicht nur abnehmen, sondern auch einspeisen, zum Beispiel über eine Solaranlage auf dem Hallendach. Hier berechnen Smart Grids quasi in Echtzeit, wie viel Energie wo und wann entsteht und wie sie am besten gebraucht oder gespeichert wird. Anders formuliert: Smart Grids sollen die ständigen Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage ausgleichen. Hier liegt eine Analogie zum Cloud-Ansatz der IT nahe, bei dem es unter anderem ja ebenfalls darum geht, Spitzenlasten im RZ abzufangen und auf andere Data Center zu verteilen.

Auf Verbraucherseite sollen Smart Grids zum einen Auskunft über den Stromverbrauch geben - Stichwort intelligente Stromzähler (Smart Metering) - und zum anderen die Steuerung von Endgeräten erlauben.