Miracast, WiDi, WirelessHD & Co.

Das bieten neue drahtlose Übertragungstechniken für Bild und Ton

Klaus Hauptfleisch ist freier Journalist in München.
Neben Apples AirPlay machen just auch andere drahtlose Übertragungstechniken wie Intels Wireless Display (WiDi), WirelessHD und Miracast von sich reden. Eine Übersicht über Vor- und Nachteile sowie Marktaussichten.

Geht es darum, Bilder oder Videos ohne Kabel auf ein Ausgabegerät zu übertragen, sind die Möglichkeiten breit gestreut. Soweit zur Theorie. Ob und inwiefern sich Lösungen zur drahtlosen Übertragung von Audio und Video verkaufen, steht indes auf einem anderen Blatt. So meint Belkin-Sprecher Karsten Kunert etwa, Intel habe den "Marketing-Knopf bei WiDi" noch nicht gefunden, um ausreichend Bedarf zu generieren. Dabei bedeutet Marketing aus OEM-Sicht oft auch Entgegenkommen bei den Lizenzgebühren.

Der hohe Preis von anfangs über 200 Euro ist für Kunert auch der Grund, warum der ScreenCast genannte erste WiDi-Adapter trotz guter Kritiken nicht den erhofften Absatz fand und jetzt schon End-of-Life-Stempel eines Auslaufmodells trägt. Dass Intel den Marketing-Knopf bei WiDi nicht gefunden hat, liegt wohl auch daran, dass der Chipriese auf Miracast umgeschwenkt ist, nachdem Microsoft den offenen Standard in Windows 8.1 implementiert hatte.

Laut Auskunft von Kunert sei aber auch Miracast noch gar nicht so recht nach Europa vorgedrungen. Dafür verfüge der von der Wi-Fi-Allianz definierte Peer-to-Peer-Screencast-Standard mit Intel, Microsoft und Google über sehr starker Unterstützer, auch wenn die Notebook-Player sich vielfach noch zurückhaltend zeigen. Stefan Röttgen, Geschäftsführer eines noch sehr jungen deutschen Unternehmens namens bestbeans, rechnet aber bis Jahresende mit einem Feuerwerk von Miracast-fähigen Produkten, einschließlich Blackberry-Geräten, so dass der Standard sich schnell durchsetzen werde.

Wie andere hier vorgestellte drahtlose Übertragungsstandards, inklusive DLNA, WHDI und WirelessHD, scheint Miracast in erster Linie dem CE-Nutzen zu dienen. Doch ein von dem deutschen Windows-Chef Oliver Gürtler bei Vorstellung von Windows 8.1 gepriesener B2B-Einsatzbereich ist die Möglichkeit der drahtlosen Übertragung von hoch auflösenden Präsentationen und Videos in Konferenzräumen. Der Beamer braucht dazu noch nicht einmal einen eigenen Miracast-Empfänger, denn für unter 40 Euro ist schon ein Dongle zu haben, der einfach in den vorhandenen HDMI-Port gesteckt wird. Für die Kunden scheint Miracast also nicht teuer zu sein.

Von den ersten Funkkopfhörern zur 5,8-GHz-Technik

Dass die neuen drahtlosen Übertragungswege sich noch keiner so großen Akzeptanz erfreuen, mag daran liegen, dass viele Verbraucher schon Probleme haben, sich mit den Smart-TV-Funktionen ihres neuen Flachbildfernsehers zu beschäftigen. Darüber hinaus sei aber auch die Frage erlaubt, ob die Industrie mit zum Teil holperigen oder im wahrsten Sinne des Wortes "berauschenden" Funk- oder Infrarot-Lösungen vor Jahrzehnten vielleicht nachhaltig Vertrauen verspielt hat.

Dabei kann Funk tatsächlich die Lösung sein, wenn Hi-Fi- und Heimkinoträume zerplatzen, weil sie am weiblichen Akzeptanzfaktor (WAF) abprallen, was nicht heißen soll, dass Frauen technikfeindlich sind. Aber wichtigstes Argument gegen eine Surround-Anlage ist häufig der erwartete Kabelsalat. Dem hat die Firma Sennheiser 1975 schon mit dem ersten drahtlosen Infrarot-Kopfhörer den Kampf angesagt. Induktive Höranlagen, wie sie für Schwerhörige und für geführte Rundgänge in Museen heute noch verwendet werden, gab es schon früher, sie sind aber immer noch nicht Hi-Fi-tauglich.

So schön der schnurlose Hörgenuss in der Werbung auch aussah, war dieser in der analogen Welt durch Rauschen, Knacken und Aussetzer nicht selten so stark getrübt, dass sich bis heute hartnäckig die Meinung hält, kabellose Kopfhörer und Lautsprecher würden nichts taugen. Dabei ist die Übertragung mit Einzug der Digitalisierung in den 1990er Jahren so gut geworden, dass Otto-Normal-Verbraucher heute kaum noch Unterschiede hört, bei einem MP3-Player als Signalquelle schon gar nicht.

Funkkopfhörer und -lautsprecher nutzen in der Regel mit 433 MHz dieselben ISM-Bänder wie Autoschlüssel, Alarmanlagen und Babyphones; WLAN, Bluetooth, ZigBee, drahtlose Videoübertragungssysteme und Mikrowellenherde teilen sich meist das 2,4-GHz-Band. In der AVM-Wissensdatenbank findet sich tatsächlich die Fehlermeldung "WLAN: Eine Mikrowelle wurde erkannt…" - mit Tipps wie dem, bei neuen Fritz-Produkten auf das weniger störanfällige 5-GHz-Frequenzband auszuweichen. Neue WLAN-Standards gemäß IEEE 802.11 a/h, n und ac unterstützen seltener genutzte Frequenzen im Bereich von 5,15 GHz bis 5,725 GHz. Bei Miracast warten die Hersteller auch auf die Umstellung auf das 5-GHz-Band, genauer den Bereich um 5,4 GHz.

Als wenig störanfällig gilt auch die 5,8-GHz-Technik. Diese wird unter anderem von Loewe für die 3D Orchestra genannten Funklautsprechersysteme passend zu den Fernsehern der Individual-Reihe mit andockbarer Soundbar (oder Sound Projector) als Center Speaker verwendet. Soweit ein Rückblick und Ausflug in die Frequenztechnik - auch zum besseren Verständnis von WLAN, Grundlage der fast aller modernen drahtlosen AV-Übertragungstechniken.