Vergleich mit Management-Consultants

Darum sind IT-Berater billiger

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Klassische Management-Consultants engagieren sich zunehmend in der IT-Beratung. Warum ein IT-Consultant geringere Tagesätze verlangt und was er können muss, erläutert Lünendonk.

In ihrer Studie "Managementberatung in Deutschland" erklären die Berater von Lünendonk aus Kaufbeuren, dass klassische Management-Consultants schon wegen der Digitalisierung zunehmend IT-Kompetenz brauchen. Was das in puncto neue Berufsfelder heißt, erklären Jonas Lünendonk, Geschäftsführender Gesellschafter von Lünendonk, und Mario Zillmann, Leiter Professional Services, im Gespräch mit computerwoche.de.

Sie sagen, klassische Managementberater müssen sich IT-Kompetenz dazu holen. Sind genug Leute mit diesen Skills da? Was für Leute werden da gesucht - Wirtschaftsinformatiker? Oder doch lieber "reine" Informatiker mit Business-Verständnis?

Mario Zillmann: Da gibt es kein Schwarz oder Weiß. Der Bedarf hängt vom jeweiligen Unternehmen ab und davon, in welcher Branche es sich engagiert. Wer viele Kunden im Bereich Produktion oder Supply Chain berät, sucht vor allem Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler. Berater von Banken brauchen Mathematiker und Wirtschaftsmathematiker. Wobei wir allgemein beobachten, dass Mitarbeiter mit drei bis vier Jahren Berufserfahrung sehr viel begehrter sind als Juniors. In jedem Fall werden im Zuge der Digitalisierung von Mitarbeitern und Bewerbern viel stärker als bisher IT-Kenntnisse verlangt.

Jonas Lünendonk: Auf die Frage an Beratungsunternehmen, was ihr Geschäft derzeit am meisten behindert, fällt als Erstes die Antwort Fachkräftemangel. Aber das bezieht sich, wie gesagt, vor allem auf erfahrene Kräfte. "Juniors würden wir schon kriegen", diesen Satz hören wir oft.

Universitäten und Fachhochschulen kommen diesem Marktbedürfnis also nach?

Jonas Lünendonk: Ich würde sagen, ja. Wichtig für Studierende ist es, unbedingt Praktika zu absolvieren, um erste Berufserfahrung zu sammeln und ins Ausland zu gehen.

Wo und wie rekrutieren die Beratungsfirmen dieses Personal?

Mario Zillmann: In erster Linie über Jobbörsen und Empfehlungen. Der Anteil von Social Media liegt bei der Rekrutierung dagegen bei weniger als fünf Prozent. Was nicht heißt, dass Social Media komplett verzichtbar wäre - im Sinne des Employer Branding sind Präsenzen bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken durchaus empfehlenswert. Aber niemand bewirbt sich über Twitter.

Stichwort Berufserfahrung: Was können Sie jemandem raten, der beispielsweise seit 20 Jahren als Informatiker arbeitet und nun in die IT-Beratung wechseln möchte? Wie muss sich derjenige selbst "auf Herz und Nieren prüfen", um herauszufinden, ob das etwas für ihn ist?

Mario Zillmann: (lacht) Gut in sich hineinhören…

Jonas Lünendonk: Es ist etwas anderes, als Angestellter für ein Unternehmen Systeme zu entwickeln, oder als Berater beim Kunden zu arbeiten. Hier braucht man Soft Skills, vor allem gute kommunikative und analytische Fähigkeiten. Man muss dem Kunden erst einmal zuhören. Wer in einer Technikersprache redet und dem Kunden gleich mit einer fertigen Lösung kommt, wird wenig Erfolg haben.

Mario Zillmann: Zu einer Arbeit als Consultant gehören ja auch Akquise und Meetings mit Kunden. Man hat Vertriebsziele, hält Präsentationen und Work Shops. Das alles ist Informatikern nicht immer vertraut. Die Fragen, die ein potenzieller IT-Berater beantworten können muss, lauten: Was bedeutet die Strategie meines Kunden für seine Geschäftsprozesse und wie bildet sich das in der IT ab? Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen IT und Geschäftsprozessen?

Jonas Lünendonk: Wer sich als Informatiker für eine beratende Tätigkeit interessiert, sollte sich fragen, ob er gerne gestaltet und managt. Wer lieber Unternehmensvorgaben ausführt, eignet sich weniger für die Beratung.

Warum verlangen klassische Managementberater einen höheren Tagessatz als IT-Consultants?

Jonas Lünendonk: Ich denke, es kommt immer auf das konkrete Projekt und dessen Inhalt an. Bei eher umsetzungsnahen Tätigkeiten sind die Unterschiede geringer. Handelt es sich aber um die Entwicklung einer Strategie, sind höhere Tagessätze zu bezahlen. Auch der Architekt erhält mehr als der Baumeister.

Mario Zillmann: In der IT-Beratung können viele Bereiche einfach leichter nach Nearshore oder Offshore gegeben werden, weil sie mittlerweile standardisiert und industrialisiert sind. Das wird in der klassischen Managementberatung nie so sein.

Kompetent sind im Idealfall beide. Dennoch verlangen Managementberater höhere Stundensätze als IT-Consultants.
Kompetent sind im Idealfall beide. Dennoch verlangen Managementberater höhere Stundensätze als IT-Consultants.
Foto: Ezio Gutzemberg - Fotolia.com

Welche Themen stehen bei der Verschmelzung von klassischer Managementberatung und IT-Beratung im Vordergrund?

Mario Zillmann: Wir beobachten seit etwa drei bis vier Jahren eine sehr spannende Entwicklung. Wir sehen, wie sich beispielsweise KPMG und Ernst&Young verändert haben, heute sind das Wirtschaftsprüfungsunternehmen mit einem signifikanten Managementberatungsanteil. Dies ist ein aktuelles Beispiel, wie Beratungsgesellschaften sich wandeln und auf die Kundenanforderungen anpassen.

Was so neu nicht ist …

Mario Zillmann: Um die Jahrtausendwende haben sich einige wenige Dienstleistungskonzerne durch Fusionen und Übernahmen sowie durch den Aufbau von Kompetenzen geformt, die sowohl Geschäftsprozesse wie Supply Chain oder HR optimieren und durch Technologieeinsatz digitalisieren können als auch eine enorm hohe IT-Umsetzungskompetenz aufweisen. Lünendonk nennt diese Dienstleistungsgruppe Business Innovation/Transformation Partner. Beratungsgesellschaften wie Accenture, Capgemini, NTT Data oder Steria Mummert gehören zu diesem Typus. Treiber ist heute und künftig die Digitalisierung. Da wird sich in den kommenden fünf Jahren noch einiges tun.

Ihrer Beobachtung nach gilt das insbesondere für den Bereich IT-Sourcing?

Mario Zillmann: Sourcing-Berater sind seit Jahren wichtige externe Partner ihrer Kunden bei Sourcing-Entscheidungen - Tendenz steigend. Insbesondere für technologisch komplexe IT-Services bis hin zum IT-Outsourcing werden ICT-Sourcing-Berater häufig in den Auswahlprozess sowie die Provider- und Projektsteuerung eingebunden.

Jonas Lünendonk: Noch gibt es allerdings wenig valide Informationen über dieses Marktsegment. Wir erstellen daher in diesem Jahr erstmals eine Studie zum Thema ICT-Sourcing-Beratung. Die Analyse wird in Kürze vorliegen.