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Tini (15)

"Darum bin ich nicht bei Facebook"

14.05.2013
Tini (Name von der Redaktion geändert) macht gerade ein Praktikum in der COMPUTERWOCHE-Redaktion. Die 15-Jährige ist nicht bei Facebook - warum, das hat sie für uns festgehalten.
Facebook-Firmenschild mit dem ikonischen "Like"-Daumen vor der Firmenzentrale in Menlo Park, Kalifornien
Facebook-Firmenschild mit dem ikonischen "Like"-Daumen vor der Firmenzentrale in Menlo Park, Kalifornien
Foto: Facebook

"Wenn ich mich damit befasse, fallen mir sofort unzählige Dinge ein, die mir an Facebook nicht gefallen. Trotzdem habe ich erst vor Kurzem begriffen, dass dies das Konzept von den Erfindern der Plattform ist: Posten, Liken und Disliken, Kommentieren, Chatten, Gruppen bilden und vieles mehr. Facebook rückt immer mehr in den Vordergrund und die meisten wichtigen Dinge spielen sich nur noch dort ab.

Partys oder Events werden geplant und Einladungen verschickt, die man sofort annehmen oder ablehnen kann. Und auf diesen Partys ist man natürlich immer online, denn man darf nichts verpassen, was gerade "abgeht". Dazu "postet" man selbst Bilder oder Sprüche. Auf einem Fest kann sich das aber schnell unvorteilhaft auswirken. Man weiß ja mittlerweile, dass Arbeitgeber nach einem Bewerber oft in sozialen Netzwerken suchen, um mehr über ihn herauszufinden. Und wenn der Chef dann Bilder von Jugendlichen findet, die bereits durch Alkohol beeinflusst sind, dann wirkt das nicht gerade sehr kompetent oder verantwortungsbewusst.

Außerdem bilden Jugendliche Gruppen, um sich zu identifizieren oder um zu wissen zu wem sie gehören. Wenn man in der Facebook-Suchzeile einen Namen eingibt, wird dessen Seite angezeigt und auch die "gemeinsamen Freunde". So kann man diese Person schnell einordnen. Häufig nutzt die Jugend Überbegriffe, um besser unterscheiden zu können. Ganz häufig verwendet wird zum Beispiel der neue Begriff "Hipster". Das beschreibt meistens einen Kleidungs- und Lebensstil. Dazu gehört natürlich auch der ebenfalls wichtige Begriff "yolo" (you only live once), der die Einstellung beschreiben soll: Weil du nur einmal lebst, tu was du willst und habe deinen Spaß! Solche In-Wörter werden oft in den Kommentaren oder Posts benutzt. In der Umgangssprache werden aber auch viele beleidigende Ausdrücke benutzt. Und ich musste leider feststellen, dass sich das auf die heutige Jugend in der Realität auswirkt.

Mehr als eine Milliarde Menschen sind bei Facebook - wie viele davon können meine "Freunde" sein?
Mehr als eine Milliarde Menschen sind bei Facebook - wie viele davon können meine "Freunde" sein?
Foto: Facebook

Des Weiteren sagt die Anzahl der "Freunde" viel aus. Je mehr "Freunde" man hat, desto "beliebter" ist man natürlich. Und darum geht es ja - man möchte in die Öffentlichkeit geraten. Da bleibt es dann nicht aus, dass man Personen in der Freundesliste hat, die man noch nicht einmal kennt. Auf echte soziale Kontakte wird keinen großen Wert mehr gelegt, denn man kann sich ja auf Facebook schreiben. Und sich tatsächlich zu treffen ist anscheinend auch nicht mehr nötig. So wurde also aus sich unterhalten chatten und aus einem Bekannten wurde eben mal ein "Freund".

Auch Firmen und Betriebe springen auf diesen Zug auf. Meetings werden schnell gepostet und schon weiß jeder über Datum und Ort bescheid. Das kostet die Firma kein Geld und viel schneller als die Post geht es auch. Doch was ist mit den Mitarbeitern, die keinen Account bei Facebook haben?

Auch bei Clubs und Gemeinschaften werden Ergebnisse der Sitzungen oder neue Daten einfach in die Facebook-Gruppe gestellt. Wer bei diesem Trend nicht mitmacht, wird nicht berücksichtigt.

Ganz häufig geht es auch um Trends oder Hypes. Durch die "Gefällt-mir"-Funktion werden Produkte, Unternehmen und Personen schnell berühmt und können auf mehr Erfolg oder Karriere hoffen. Doch soll man das unterstützen? Ein paar mehr Klicks und viele "Likes" reichen für den Ruhm aus?

Durch die Apps für mobile Geräte ist Facebook zunehmend omnipräsent.
Durch die Apps für mobile Geräte ist Facebook zunehmend omnipräsent.
Foto: Facebook

Wenn man kein Profil bei Facebook hat, wird man schnell ausgeschlossen. Klar, es gibt auch besondere Sicherheitseinstellungen, um die Privatsphäre besser zu schützen. Aber wenn dich jemand in der Suchleiste sucht und nicht findet, weil deine Einstellungen das nicht erlauben, ist man dadurch aus dem Rennen. Und wenn man Bilder bei Facebook hochgeladen hat, die dann niemand sehen kann, nützt das wenig. Also warum eigentlich bei Facebook registrieren?

Ich denke, um das Ausschließen zu vermeiden, muss man vor allem die richtigen Freunde haben. Und wenn einmal eine wichtige Information für dich in Facebook stehen sollte, können Dir sicher ein paar Bekannte (die bei der Plattform angemeldet sind) helfen. Sie können es Dir zum Beispiel per Email weiterleiten. Trotz ein paar positiver Aspekte muss man sich die Gefahren immer vor Augen halten. Und bei einem Hype einmal nicht dabei zu sein, kann auch nicht schaden." (Tini/tc)