Führungstipp

Darf ein Chef autoritär auftreten?

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Wenn in meiner IT-Beratung Hochbetrieb herrscht, merke ich immer wieder, dass ich anfange, meine Mitarbeiter zu kommandieren "Tue dies, tue das". Danach habe ich oft das Gefühl, ich sei zu autoritär. Geht es anderen Selbstständigen ähnlich?

Stefan Bald, Geschäftsführer der Beratung Dr. Kraus & Partner in Bruchsal, antwortet: "Ja. Gerade Chefs, die eigentlich partnerschaftlich mit ihren Mitarbeitern umgehen möchten oder mit ihrer Führungsrolle noch nicht vertraut sind, plagt oft ein ähnlich schlechtes Gewissen. Zu Unrecht! Wenn ein Notfallpatient eingeliefert wird, kann ein Arzt auch nicht zum Pfleger sagen: "Wären Sie bitte so nett, eine Trage zu holen". Auch im Geschäftsalltag ist es ab und zu nötig, den Mitarbeitern Anweisungen zu geben.

Stefan Bald, Dr. Kraus & Partner
Stefan Bald, Dr. Kraus & Partner

Problematisch wird es erst, wenn eine Führungskraft ihre Mitarbeiter nur noch mit Anweisungen führt. Diese Situation ergibt sich oft, wenn das Aufgabengebiet und der Verantwortungsbereich der Mitarbeiter nicht klar definiert sind; oder wenn die Mitarbeiter nicht wissen, welche Aufgaben Vorrang haben, wenn es im Betrieb heiß hergeht. Sollte dies der Fall sein, rate ich Ihnen, das klar zu stellen. Dann können Sie von Ihren Mitarbeitern durchaus Verständnis dafür erwarten, wenn ein "Bitte", das Sie ansonsten zu sagen pflegen, in Stresssituationen mal entfällt.

Vermutlich merken Sie es ja selbst, wenn Sie innerlich unruhig werden, weil zum Beispiel in der kommenden Woche noch ein Berg von Aufgaben abzuarbeiten ist. Dann sagen Sie dies Ihren Mitarbeitern doch einfach. Zum Beispiel mit den Worten "Entschuldigt bitte, wenn ich in der kommenden Woche etwas hektisch und kurz angebunden bin, weil wir bis zum Wochenende noch das und jenes schaffen müssen." Dann wissen Ihre Mitarbeiter, was Sache ist, und können Ihr Verhalten einordnen.

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