Ersten von vier Prozessen verloren

Dämpfer für Good Technology

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Bei seinen Patenrechtstreitigkeiten hat der Enterprise-Mobility-Management-Spezialist Good Technology nun in den USA gegen den Wettbewerber MobileIron einen deutlichen Rückschlag erlitten. In der nahen Zukunft stehen jedoch drei weitere Verhandlungen an.

Der vor allem für seine Container-Lösung bekannte Anbieter Good Technology beschuldigt den Rivalen MobileIron, Good-Technologien in seinen Lösungen für das Geräte-Management, den App Store und Lösungen wie Docs@Work, AppConnect und AppTunnel einzusetzen. Nachdem die von CEO Christy Wyatt geführte Company inzwischen bereits Firmen wie AirWatch/VMware, BlackBerry,IBM, Microsoft und Nokia zu seinen Lizenznehmern zählt, hat Good gegenüber MobileIron einen überraschend schweren Stand.

Wie MobileIron bekannt gab, bestätigte die Jury in dem bereits Ende 2012 von Good angestrebten Zivilprozess nicht nur das MobileIron-Patent für Enterprise AppStores (U.S. Patent No. 8,359,016), sondern befand zwei Good-Patente für ungültig. Außerdem stellte die Jury fest, dass die Produkte von MobileIron keines der vier von Good in dem Fall aufgeführten Patente verletzen. Auch die Anschuldigung von Good wegen irreführender Werbung wurde abgewiesen.

Gartner zählt Good Technology und MobileIron zu den Favoriten im hart umkämpften EMM-Markt
Gartner zählt Good Technology und MobileIron zu den Favoriten im hart umkämpften EMM-Markt
Foto: Gartner

Drei wichtige Patente für ungültig erklärt

In einem Eilverfahren kurz vor Beginn der Verhandlung hatte das Gericht bereits das Good-Patent No. 6,151,606 für ungültig erklärt. Das Patent, das laut Good die Verwendung eines Workspace-Dateimanagers zur Synchronisation von Daten auf einem Smartphone abdeckt, war der Dreh- und Angelpunkt früherer Klagen von Good beziehungsweise der Vorgängergesellschaft Visto gegen Microsoft, Blackberry/RIM und andere.

Im anschließenden Gerichtsverfahren befand die Jury dann zwei weitere Good-Patente für nicht wirksam: Das Patent No. 8,012,219, welches eine Technik zum selektiven Löschen von Daten abdeckt, sowie Patent No. 7,970,386 - hier geht es um ein System und eine Methode zur Überwachung und Wartung eines drahtlosen Geräts. Bis es zu einer Berufung kommt, kann keines der drei Patente gegen einen anderen Anbieter geltend gemacht werden. Wie MobileIron berichtet, wies die Jury auch noch die Anschuldigung von Good Technology zurück, ein Vertriebsmanager von MobileIron habe falsche oder irreführende Angaben zu Goods Produkten gemacht.

Doch es kommt noch schlimmer: Zwar hielt das vierte angeführte Good-Patent (No. 7,702,322 - hier geht es um eine spezielle Implementierung einer Software-Distribution) vor der Jury stand. Das Gremium befand jedoch, dass die Produkte von MobileIron diese Schutzrechte genauso wie die beiden für ungültig erklärten Patente nicht verletzen. Immerhin wurde keinem der Verfahrensgegner ein Anspruch auf Schadenersatz zugesprochen.

Good-CEO: Erst der Beginn der Auseinandersetzung

Good-CEO Christy Wyatt will das geistige Eigentum der Company weiterhin aggressiv verteidigen.
Good-CEO Christy Wyatt will das geistige Eigentum der Company weiterhin aggressiv verteidigen.
Foto: Good Technology

Trotz des deutlichen Siegs gibt sich Good-Chefin Christy Wyatt in einem vorgefertigten Statement kämpferisch. "Wir waren uns bereits zu Beginn des Verfahrens bewußt, dass es sich nur um das erste von vier und damit den Anfang der Auseinandersetzung handelt", erklärte sie. Good werde sein geistiges Eigentum weiterhin aggressiv verteidigen.

Good hat drei weitere Patentprozesse gegen Mobileiron geplant - Dezember 2015 in Großbritannien, im Juni 2016 in Deutschland und ein weiteres Verfahren in den USA (Kalifornien) im August kommenden Jahres.

Auszeichnung von Gartner für Good

Es gibt allerdings auch positive Meldungen aus dem Hause Good Technology. In einer neuen Gartner-Studie zum Thema Hochsicheres Mobility Management erzielte der EMM-Spezialist für die Lösung Good Work die höchste Produktwertung in allen sechs Szenarien, einschließlich des weit verbreiteten "Bring-your-own"-Use-Case (3,75 von 5 möglichen Punkten). Die anderen Szenarien waren Nicht-Angestellte (3,77 Punkte), Shared-Data, (3,56 Punkte), Hochsicherheitsstandard-Regierung (3,51 Punkte), Hochsicherheitsstandard-Commercial (3,37 Punkte) und Geteilte Geräte (3,26 Punkte). Die kalifornische Firma platzierte sich dabei vor zahlreichen Mobility- und Security-Anbietern, einschließlich Blackberry, Samsung, Atos und MobileIron.

"Sicherheit und Mobilität sind keine getrennten Diskussionen mehr im Unternehmen und die Unterhaltung hat längst die IT verlassen und ist in den Sitzungssaal gewechselt", kommentierte Good-CEO Christy Wyatt die Resultate. Die Denkweise "Sicherheit zuerst" habe Good zum Marktführer im Bereich sichere Mobilität gemacht und die Ergebnisse des Gartner-Reports würden dies widerspiegeln.

Die komplette Studie "Critical Capabilities for High-Security Mobility Management" liegt hier bei Good zum Download bereit.