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Cybersecurity-Chef der US-Regierung tritt kurzfristig zurück

04.10.2004

Amit Yoran, Chef der Cybersecurity-Abteilung im US Department of Homeland Security (DHS), hat vergangenen Donnerstag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Offiziell erklärte Yoran zwar, sein Engagement sei nur auf ein Jahr angelegt gewesen. Dem DHS nahe stehende Personen hatten demgegenüber ausgesagt, der Sicherheitschef sei zunehmend frustriert darüber gewesen, wie wenig Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit er in seinem Amt hatte.

In einem Interview sagte Yoran, als er vor einem Jahr zum DHS gekommen sei, habe dieses wie ein Startup-Unternehmen in der Regierung funktioniert. "Und meine Aufgabe war es, die operationalen Voraussetzungen für ein US-amerikanisches Computer-Notfall-Team aufzubauen. Dafür war ein Jahr angesetzt und von beiden Seiten so auch akzeptiert." Die Zielsetzung sei mittlerweile weitgehend erreicht.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Weißen Hauses sagte jedoch sehr direkt, Yoran habe sich zunehmend an den Kleinkriegen im DHS-Bürokratismus aufgerieben. Außerdem verfügte Yoran nur über einen begrenzten Entscheidungsspielraum. Wie der Informant weiter sagte, habe Yorans direkter Vorgesetzter, Robert Liscouski, geradezu "paranoid auf einen möglichen Macht- und Autoritätsverlust reagiert und Yoran nie die nötigen Freiheiten zugestanden, um seine Arbeit zu tun." Angesprochen auf diese Aussage, erwiderte der zurückgetretene Sicherheitschef lediglich, "seine Beziehung zur Führung des DHS sehe er im Wesentlichen als positiv an."

In einer E-Mail an die Computerwoche-Schwesterpublikation "Computerworld" schrieb Yoran allerdings, er habe es schon lange aufgegeben, die politischen Schachzüge in der DHS zu verstehen. Vielmehr habe er sich auf die praktische Arbeit konzentriert.

Hightech-Kreise wie auch Politiker hatten in der jüngeren Vergangenheit zunehmend irritiert und verständnislos darauf reagiert, dass Yoran trotz seiner nominalen Verantwortung in der DHS-Rangfolge relativ niedrig angesiedelt war. Yoran sollte zum einen ein System schaffen, das die Regierungscomputersysteme wasserdicht vor Cyber-Angreifern machen sollte, zum anderen ein Frühwarnsystem für eine Großzahl von Computernutzern etablieren im Fall von weltweit lancierten Hacker- und Virenattacken. Mindestens drei Karrierestufen unter dem Minister für Innere Sicherheit, Tom Ridge, habe Yoran rangiert, schreibt das "Wall Street Journal". Diesem Umstand wollten zuletzt der demokratische Abgeordnete des Repräsentantenhauses, Zoe Lofgren aus Kalifornien, und sein republikanischer Counterpart Mac Thornberry aus Texas durch eine Gesetzesvorlage entgegenwirken. Danach hätte man Yorans Posten in den eines stellvertretenden Ministers für Innere Sicherheit angehoben. Allerdings

hängt das Gesetz momentan im Kongress.

Yoran hatte im März 1998 die Firma Riptech aus Alexandia im US-Bundesstaat Virginia mit gegründet. Riptech war bekannt dafür, dass es Regierungs- und Unternehmens-Computernetze in aller Welt mit einem Sicherheits- und Frühwarnsystem ausstattete, um sie vor Hackerattacken zu schützen. Yoran verkaufte Riptech im Juli 2002 an den Sicherheitsspezialisten Symantec für 145 Millionen Dollar und blieb dort bis September 2003 als als Vice-President tätig. (jm)